Sie sind nicht angemeldet.

Selfhtml

Rhomäisches Reich: Der Papst besucht Konstantinopel. Die Sicherheitsmaßnahmen sind enorm verschärft worden, während die Behörden sich um Aufklärung des Anschlags bemühen.
Armenien: Sämtliche Zölle zwischen Armenien und dem Reich wurden aufgehoben. Das Kaiserreich plant den Bau einer Zweigstelle der Kaiserlichen Kreditanstalt in Kars.

[Gemächer der Basilissa Ismene] Väterliche Fürsorge

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: BYZANTINISCHES REICH. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

1

Mittwoch, 14. August 2019, 00:56

Väterliche Fürsorge

Es waren ein paar Wochen vergangen, seitdem die Kaiserin - und das war niemand anderes als Ismene, gebürtige Phokaina - dem Kaiser ein Kind geboren hatte. Ein Mädchen, das den Namen Anastasia erhielt, rundete nun die bereits große kaiserliche Familie ab und veredelte das Makedonenblut mit dem phokadaischen. Der Familienpatriarch des Hauses Phokas hieß nach wie vor Bardas, ein Mann von nahezu vierundsiebzig Jahren und damit das älteste Mitglied des kaiserlichen Hauses, zu dem sich die Phokaden rechnen durften. Auch wenn er sich zuletzt eher im Schatten gehalten hatte, wäre es naiv gewesen anzunehmen, Bardas Phokas habe sich zur Ruhe gesetzt. Ganz im Gegenteil, spornten den Reichsmarschall die aktuellen Ereignisse sogar noch an. Die Zaridai hatten einen ziemlichen Dämpfer einzustecken, auch wenn dies keineswegs auf nachlassende Zuneigung des Kaisers als vielmehr auf einen profanen Anschlag zurückzuführen war, der ironischerweise nicht einmal den Zariden gegolten hatten. Zenon II., der bis dato unangreifbar erscheinende Intimus und selbst Basileus, hatte merklich an Einfluss verloren. Hinter vorgehaltener Hand hieß es sogar, der Reichskanzler Honorios Zarides, der Bruder Zenons, stünde kurz vor seiner Ablösung. Und selbst der Eparchos von Konstantinopel, Philippos Zarides, der Chef des Hauses, hatte sich durch seine richterliche Rolle im Argyros-Prozess nicht nur Freunde gemacht. Seit kurzem war ja ausgerechnet der Sohn des Romanos Argyros neuer Innenminister.

Jedenfalls hielt Bardas, selbst Kaisar und damit fast ganz an der Spitze der Hierarchie, es für geboten, seiner Tochter Ismene einen Besuch abzustatten. Seit sie von einer Basilissa (als Ehefrau des zuletzt geistesschwachen Tiberios IV.) zu der Basilissa aufgestiegen war, hielten sich die väterlichen Moralpredigten in Grenzen. Man konnte sich an fünf Fingern ausrechnen, dass der Phokas-Häuptling nicht bloß deswegen aufkreuzte, um sich als fürsorglicher Vater (und Großvater Anastasias) zu präsentieren. Problemlos gelangte der Generalissimus in die Gemächer Ismenes und wurde ihr dann formal angekündigt, ehe die Dienerschaft verschwand, nachdem ein durchdringender Blick seinerseits dies befördert hatte.

"Euer Majestät", begann er überförmlich und deutete eine minimale Verbeugung an. Erst danach wechselte er zum Du. "Ich bin im Grunde genommen über alle Maßen erleichtert, dass du dem Kaiser ein Kind geschenkt hast." Dies klang zwar sehr freundlich, doch konnte man bereits erahnen, dass ein aber folgen würde. "Aber ist es gleichwohl bedauerlich, dass es kein Junge wurde." Dies war nicht einmal eine ausgemachte Bosheit des alten Fuchses, sondern entsprach ziemlich eindeutig den Gepflogenheiten jener Zeit, in der männlicher Nachwuchs ungleich mehr begrüßt wurde als weiblicher. Er schritt ein wenig im Raum auf und ab, bevor er Ismene anstarrte. "Angenommen, der Autokrator verließe uns vor der Zeit - was der Allmächtige verhüten möge -, was glaubst du, wer ihm nachfolgen würde?" Die Antwort war leicht zu erraten, stand doch Alexandros III., der Sohn des Romanos aus erster Ehe, an erster Stelle in der offiziellen, vom Kaiser proklamierten Thronfolge. "Unsere Familie könnte mit einem Schlag aus dem Fokus verschwinden, würde doch nach menschlichem Ermessen die Kaiserinmutter Regentin." Die andere Möglichkeit, eben Zenon, schien derzeit eher ausgeschlossen; auch er würde im Falle des Falles den Einfluss der Phokadai sicher nicht ausweiten. Der von Romanos adoptierte Matthaios, Ismenes Sohn aus erster Ehe, kam im Übrigen praktisch nicht in Frage für den Thron. Auf dem Antlitz des Alten konnte man auf einmal Anflüge eines Lächelns erblicken. "Hätte der Kaiser allerdings einen Sohn aus deinem Schoße, so würden die Karten ganz neu gemischt - bekanntlich gibt es hierzulande keine feste Thronfolge, weswegen der Kaiser auch einen nachgeborenen Sohn an die erste Stelle setzen könnte." Er legte seine Hand bald väterlich, bald nachdrücklich auf die Schulter der Kaiserin. "Sieh also zu, diese kleine Anomalie aus der Welt zu schaffen." Dazu schien sein Blick sie fast zu durchbohren. Dies war kein Ratschlag, sondern eine unverblümte Anweisung. "Schließlich bist du nun ja wieder gebärfähig." Er lachte leise verschmitzt und etwas despektierlich und harrte ihrer Reaktion.

Würde Ismene Romanos tatsächlich einen Sohn gebären, so konnte mit genügend Energie tatsächlich eines Tages ein halber Phokas das Reich regieren. Und würde der Knabe minderjährig auf den Thron gelangen, so war sonnenklar, wer Reichsverweser würde: Niemand anderer nämlich als Bardas Phokas selbst, war doch nicht davon auszugehen, dass Ismene selbst tatsächlich die Regentschaft übernehmen würde, selbst wenn sie diesen Titel bekäme. Ipso facto würde Bardas in allem außer dem Namen selbst Autokrator werden. Beinahe schien es so, als wäre dies der eigentliche Anlass für diesen seinen Vorstoß. Natürlich war dies alles fernab einer verräterischen Tendenz, doch galt es eben vorzusorgen. Die gegenwärtige Schwäche der Zaridai bot den willkommenen Anlass hierzu.

2

Samstag, 17. August 2019, 03:33

Es wäre ein einfaches gewesen, Anastasia und ihre Schreieskapaden in andere Gemächer zu verfrachten, aber wie bei Matthaios und Ioanna ließ Ismene es nicht zu, dass man das Neugeborene weit von der Mutter ließ. Immerhin war sie nun entschrumpelt und ein selbstverständlich Trotzdem, Anastasia hatte eine sehr... eindrucksvolle Stimme und mit wenigen Wochen schon ein besonderes Temperament, als könnte man meinen, dass das kleine Mädchen, nicht mal einen halben Meter lang, schon um ihre kaiserliche Herkunft wüsste. Sie freute sich eigentlich auf einen Nachmittag der Ruhe und vielleicht anregender Diskussion mit ihren Freundinnen, Matthaios und Ioanna gingen ihren Stunden mit dem Tutor nach ( Ismene legte wert darauf, dass auch Ioanna eine gute Bildung bekam ), und eigentlich sollte dies ein entspannender Tag werden - dies wurde jedoch rasch zunichte gemacht, als man den Generalissimus und Vater Ismenes ankündigte. Ablehnen konnte sie nicht, sodass sie mit freundlich-steifem Lächeln ihn im Hauptraum empfing, während die Diener und Hofdamen verschwanden.

"Vater", war ihre Reaktion auf die Begrüßung, und es zog sich eine steile Falte zwischen ihren Augenbrauen, als sie sein 'Anliegen' vernahm. Es hätte sie auch gewundert, wenn er nur gekommen wäre, um seine neugeborene Enkelin zu sehen; oder überhaupt. Bardas Phokas war kein Mann, der einfach mal Zeit mit der Familie verbrachte, weil es ihm gefiel, es hatte immer einen Grund. Effizient. Eine Eigenschaft, die Ismene auch langsam zu schätzen wusste, wenn sie sich auch mehr eine Schonfrist erhofft hatte und nicht sofort angehalten wurde, wieder schwanger und damit bettlägrig zu werden. Nicht nur ihr Körper musste sich von den letzten Wochen erholen, sondern auch ihre Psyche, die nach wie vor stark belastet von allem war.

"Anastasia schläft endlich, Gott sei Dank. Sie ist wohlauf und gesund. Kann ich Euch eine Erfrischung anbieten?" Sie ging nicht auf seine Forderung ein, eine knappe Erinnerung daran, dass es das kleine Mädchen gab, wenn es auch nicht das war, was sich ihr Vater erhofft hatte. Es klang fast wie eine Anklage, dass er sich nicht für sie interessierte, aber auch bei Matthaios und Ioanna war es ähnlich gewesen; Bardas diskriminierte mit seinem Desinteresse nicht, wenn die Person infrage nutzlos war. Sie fragte sich, ob Konstantinos ähnliches von ihm hören musste, aber seine Frau, die doppelte Schwägerin, hatte ja auch sofort einen Stammhalter zur Welt gebracht, und sie nur eine Tochter. Ihre beiden Kinder zählten da jedoch recht wenig.

"Ach, Töchter können durchaus sehr nützlich sein, meint Ihr nicht?" Immerhin war es eine Tochter, die nun auf dem Thron saß; zwar nicht als Regentin aber einflussreicher war ihr Haus nie gewesen, und besser standen sie auch nicht da; mit Bardas selbst als Kaisar. Außerdem würde, sobald die Zeit kam, wichtige Allianzen mit Hochzeiten gebildet werden. Als Purpurgeborene würde Anastasia auch prestgeträchtiger sein als Ioanna... aber zunächst würde man Eudokia verheiraten, als Erstgeborene. Aber der Schalk verschwand alsbald aus ihren Augen, freudlos wie er war, und erwiderte den Blick ihres Vaters.

Ja, angenommen Romanos würde sterben, weil er sich zu Tode gesoffen hatte, oder einer der Jünglinge ihn erstach, oder er sich den Schädel beim Ausrutschen in den Bädern brach - Gott bewahre.
"Alexandros, selbstverständlich. Mein geliebter Gatte hat seinen erstgeborenen Sohn nicht umsonst nach seinem großen Vorbild benannt." Eine Antwort auf eine eigentlich rhetorische Frage. Sie hätte ihm gerne geantwortet, wie wenig sie das kümmerte, aber sie konnte nicht. Nicht nur, weil sie eine solche Anmaßung nicht wagte, sondern mit der Familie alle gemeint waren, die sie liebte. Sogar die kleine Purpurgeborene. Was würde der Einfluss da zählen.
"Und ich bin sicher, dass Ihr dann natürlich auch eine Idee habt, meinen etwaigen Sohn zum Thronfolger zu machen, wenn Alexandros schon den Titel des Basileus hat und er der Liebling des Kaisers ist? Und wie Helena das einfach so hinnimmt? Dass man sie so offensichtlich untergräbt?" Keinesfalls wollte Ismene die halbwegs gute Beziehung zu ihrer Schwiegermutter riskieren; schon allein nicht, weil sie als Kaiserinmutter immer noch die einflussreichste Frau im Staat war; und das vor Ismene. Und sie bezweifelte stark, dass man dies schon hinter den Kulissen geklärt hatte, dass Helena so einfach einen hypothetischen halben Phokas ihrem bestehenden Enkel vorziehen würde, sonst würde er dies nicht als das worst-case-Szenario darbieten. Die Wogen der Feinschaft zwischen beiden Häusern hatten sich geglättet, aber dies konnte das Feuer neu entfachen. Und sie würde in der Mitte stehen. Sie fragte sich, ob Anastasias Geburt ein Anlass dazu war, so besorgt zu sein; ob er diese Rede und Litanei schon vor der Niederkunft vorbereitet hatte, oder ob noch mehr im Raum stand. Immerhin war das Machtgefüge in der Hauptstadt auf einmal doch recht wacklig geworden. Aber ein solcher Zwist war abermals gefährlich

Und mit Matthaios als Befürworter würde zumindest Honorios unwichtig werden. Insgesamt waren die Kinder der verblichenen Zoe, auch wegen ihres Alters, Ismenes Empfinden nach in den Hintergrund gerückt. Wenn Matthaios aber einen Thronanspruch seines Halbbruders und nicht Adoptivbruders unterstützen würde... es war eine Sache, dass sie gefälligst einen Sohn gebären sollte, aber eine andere, jenen auch in Richtung des Throns zu rücken und nicht einen hochrangigen, unwichtigen Titel geben und es dabei belassen. Und genau deshalb hatte sie den Titel nicht gewollt, weil sie sich diese Fragen nicht stellen wollte, die einen Bürgerkrieg auslösen könnten. Zugegebenermaßen hatte Bardas den Bürgerkrieg gewonnen, aber bis es soweit kam, war er vielleicht schon nicht mehr unter ihnen... und das erneute Trauma würde Ismene dem Volk am liebsten ersparen. Aber Familie über alles.
"Die Ärzte haben mir geraten, vorsichtig zu sein." Rhomäische Kaiserin oder nicht, jede Tochter würde aussehen, als hätte sie gerade auf eine Zitrone gebissen, wenn der eigene Vater ich um das Kellergewölbe kümmerten. Außerdem war das tatsächlich keine Lüge, sondern eine Tatsache. Die Geburt war gut verlaufen, aber dennoch - bei ihrer fragilen Gesundheit wäre es eine schlechte Idee, so schnell wieder schwanger zu werden. Das hatte man ja auch bei Ioanna mitbekommen, als sie den Rat ignorierte. Ismene hatte nicht vor, die nächste tote Kaiserin zu werden, und Bardas würde es denkbar wenig nützen, wenn seine Tochter tot war.
"Und das solltet Ihr als Stratege wissen, dass man nicht einfach ohne einen Plan oder Idee in ein Gefecht rennt." Oder ein Massaker. "Ich nehme doch an, dass Ihr einen Plan für diesen gar abscheulichen Fall habt?" Sie erwiderte seinen Blick, nicht mehr schreckhaft hochgezogenen Schultern, sondern schon fast mit royaler Kälte.