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Konstantinos Phokas

Protoarchitektonas tes Rhomaikes Autokratorias

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Dienstag, 7. Mai 2019, 13:53

[In einem winzigen Geschäft] Auf der Suche nach dem richtigen Kraut


Maximilianos, ein Diener des Kaisars Konstantinos Phokas

Die Sonne stand noch hoch als Maximilianos, einer der Leibdiener des Phokas Sprösslings Konstantinos, den Lausospalast verließ. An seinem Gürtel hing ein Dolch sowie ein gut befestigter Beutel mit Geld. Dieses Kraut, welches sein Herr beinahe täglich konsumierte, war eines der wenigen Luxusgüter, die einem noch nicht bis in den Palast geliefert wurden. Also musste der Leibdiener selbst einen Händler ausfindig machen, da der letzte ausgefallen war.
Maximilianos hatte einen ganz schön langen Weg vor sich, denn vom reichsten Viertel der Stadt musste er nun in eines der ärmeren Stadtteile spazieren. Obwohl er nur ein Leibdiener war, so fiel er dort dennoch durch seine gute Kleidung auf. Verglichen mit dem Plebs der Stadt glich er vom Aussehen her einem Adeligen.

Das Kraut, welches sein Herr so sehr schätzte, war indes nicht einfach aufzutreiben. Zumal er genau dasselbe wollte wie zuletzt; da die übliche Quelle erschöpft war, musste er sich eine Neue suchen. Er ging zu den üblichen Verdächtigen, Händerln nämlich, die unter ihrem Thresen das Kraut versteckten und es nur auf Nachfrage verkauften. Es wollte ja niemand in Verruf gelangen, etwas zu verkaufen, wovon die Kirche nur allzu wenig hielt. Das Kraut beim ersten Händler war staubtrocken und er wusste, dass sein Herr Konstantinos sich dann nur darüber beklagen würde, wie sehr es ihm im Halse kratzte. Also verließ er die Handelsstube und ging zum nächsten einschlägigen Händler. Auch hier fand er nicht diese hohe Qualität, auf die sein Herr nun einmal bestand. Zwar boten ihm die Händler einen Preisnachlass an, doch an Geld mangelte es dem Herrn ja nicht; der dritte Händler jammerte ihm gar vor, dass sein Geschäft in letzter Zeit litte und er auf dem Kraut draufsäße, als hätten sämtliche Raucher der Stadt mit dem Rauchen aufgehört.

Die Sonne verschwand bereits hinter den Stadtmauern als er zum vierten und letzten ihm bekannten Händler kam; er hatte sich diesen für zuletzt aufgehalten, da er in einer zweifelhaften Gegend situiert war. Er öffnete die Tür des winzigen Hauses und trat ein. Eine Wolke Rauch kam ihm entgegen und sie roch eindeutig nach demselben Kraut, welches sein Herr zu rauchen pflegte. Der Schwall von Rauch warf ihn fast um und bereits als er die Tür hinter sich zufallen ließ bildete er sich ein, bereits eine gewisse Wirkung zu verspüren. „Guten Tag der Herr“, grüßte er den Händler, der gar keinen Hehl daraus machte, was er hier verkaufte. Ohnehin würde sich kein Kirchenmann oder irgendein nobler Herr in diese Gegend verirren und wo kein Kläger, da keine Anklage. „Ich rieche und spüre bereits, dass ich hier richtig bin“, sagte er und versuchte seine Gedanken zu ordnen. „Könnt Ihr mir zeigen, was Ihr habt? Ich bin bereit, einiges zu zahlen, wenn die Qualität stimmt.“

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Dienstag, 7. Mai 2019, 14:05


Boethios, der Besitzer.

Boethios hatte an diesem Tage bereits seine dreizehnte Pfeife geraucht. So wie mancher Wirt seinem Sortiment zusprach, so tat dies auch Boethius, der Besitzer dieses winzigen, inoffiziellen Geschäftes. Das winzige Fenster reichte bei weitem nicht dazu aus, den Raum ordentlich durchzulüften, dementsprechend verqualmt war es hier, was jedoch keinen seiner Kunden jemals gestört hatte. Ja, der Raum war so voller Rauch, dass man trotz seiner Winzigkeit nicht von der einen Seite bis zur anderen Seite sehen konnte. Völlig unverhofft öffnete sich die Tür am Abend – er wollte gerade zusperren – und ein junger, gut gekleideter Mann trat ein. „Grüß Euch Gott“, erwiderte Boethios und offenbarte seine vom Rauchen vergilbten Zähne mit einem breiten Grinsen. „Natürlich, natürlich. Wieso sonst solltest Du hierherkommen?“

Er stemmte sich von seinem Sessel hoch und ging mit der rauchenden Pfeife in der Hand zu einem Schrank. „Höchste Qualität, sagst du. Hmhm.“ Er kramte in dem Schrank herum und holte drei Schatullen heraus. „Gerade erst bekam ich eine Lieferung von einem Neueinsteiger in diesem Geschäft. Du hast Glück, wärest du eine Stunde früher hier gewesen, so wärest du leer ausgegangen. Tatsächlich wird es immer schwieriger, gutes rauchbares Kraut anzuschaffen, doch heute traf mich Gottes Segen.“ Er drehte sich zu dem jungen Mann um und beäugte ihn mit seinen geröteten Augen. „Aber ein wenig komisch war der Mann schon, ich dachte zuerst an einen Überfall, so wild wie der aussah, doch wer würde schon mich überfallen? Nur ein Narr käme in diese Gegend, um einen Raubzug zu beginnen! Falsches Viertel, ganz klar, hehe!“

Er öffnete die Schatullen und schob sie auf dem kleinen hölzernen Thresen in Richtung des jungen Mannes, sodass dieser die Qualität begutachten konnte. „Was sagst du dazu? Ist es das, was du dir vorstelltest?“ Der Mann musterte den jungen Mann eingehend und holte dann noch eine vierte Schatulle. Diese war etwas kleiner und er öffnete sie nicht. „Hier hätte ich noch etwas, was mir mein neuer Lieferant gebracht hat. Aber ich glaube nicht, dass du dir das leisten könntest…eigentlich weiß ich gar nicht, wieso ich es ihm abgekauft habe, kaum einer meiner Kunden könnte es sich jemals leisten aber andererseits…naja, ich hatte schon 10 Pfeifen intus als der Mann kam, daher …hehehe“
Er lachte dümmlich und erwartete gespannt die Reaktion des jungen, vermögend wirkenden Mannes.

Konstantinos Phokas

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Dienstag, 7. Mai 2019, 14:20


Maximilianos

Maximilianos unterdrückte einen heftigen Hustenanfall und rieb sich die vom Rauch tränenden Augen. Er trat an den winzigen Thresen heran und beobachte den Ladenbesitzer dabei, wie er ihm zunächst drei Schatullen vorlegte und sie öffnete. Interessiert beugte sich Maximilianos darüber und begutachtete die Ware. Alle drei Sorten waren besser als das, was er bei den letzten Händlern gesehen hatte, doch so ganz war er nicht überzeugt. Die Konsistenz des Krautes war nicht so, wie dasjenige, nach dem es seinen Herrn verlangte. Es wirkte zu feucht, schlecht getrocknet und Maximilianos roch – nebst dem rauchenden Kraut in der Pfeife des Mannes – förmlich den Versuch, ihn aufs Ohr zu legen. Manch Händler versuchte nämlich, sein Kraut zu befeuchten und so das Gewicht zu beeinflussen und so etwaige Kunden aufs Kreuz zu legen.

Ein wenig enttäuscht schob er die Schatullen etwas von sich, was der Mann wohl als Aufforderung nahm, mit dem wirklich guten Kraut herauszurücken. Dabei quasselte er den jungen Maximilianos zu. Hachja, das Gequassel war eine der Nebenwirkungen dieses Krautes; er erlebte es bei seinem Herrn. Ohne, dass es ihn interessiert hätte, ohne, dass er danach gefragt hätte, erzählte ihm der Mann von seinem neuen Lieferant, der ihm das Zeug gerade erst vorbei gebracht hätte. „Achso? Also kann man davon ausgehen, dass Ihr auch zukünftig dieses besonders gute Kraut zum Verkauf haben werdet? Seid Euch dessen gewiss: Wenn die Qualität stimmt, werde ich heute nicht das letzte Mal hier sein.“

Nun kam der Mann mit einer vierten Schatulle heran, öffnete diese und et voila: das Kraut, welches er gesucht hatte, lag vor ihm. Er nahm eines der gepressten Stücke in die Hand, wandte es und erkannte die kleinen glitzernden Kristalle darauf. „Wie viel verlangt Ihr?“, fragte er und legte das Stück Kraut zurück in die deutlich kleinere Schatulle; die Größe der Schatulle und die Qualität des darin befindlichen Krautes ließen erahnen, dass es sich um das teuerste Produkt in diesem kleinen versifften Laden handelte. Auf der Schatulle stand ein großes M., wohl das Kürzel des Distributors, ironischerweise dieselbe Initiale wie jene des jungen Dieners.

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Dienstag, 7. Mai 2019, 20:15


Boethios

Zu keiner Sekunde ließ Boethius die Hand von der Schatulle gleichen. Alleine schon daher musste die junge Kundschaft erahnen, dass der Inhalt der Schatulle besonders wertvoll war. Er war kein einfacher Händler, aber das konnte der Junge ja nicht wissen. So heruntergekommen war die Bude, so mies das hiesige Viertel, sodass es der geeignetste Ort war, ein Geschäft wie das Seinige zu führen. Sein Kundenkreis war klein und die Konsumenten kamen nie selbst sondern schickten – wie auch in diesem Falle – einen Kurier vorbei. Boethios traf die Auftraggeber nie, kannte auch nicht ihre Namen doch so viel konnte er sagen: Sie mussten zumindest äußerst vermögend sein, denn er verdiente sich dumm und dämlich an ihnen. Auch er selbst rauchte, hatte auch vorhin geraucht, doch beeinträchtigte es ihn nicht wie so viele andere, die das Kraut unter anderem zum Schlafengehen oder Nichtstun gebrauchten.

Sein Aussehen, sein Gebärden waren jedoch nur eine Maske, ein Kostüm. Das Haar hatte er sich absichtlich wirr gemacht, bevor er die Stube am Tage öffnete. Seine Kleidung war äußerst schlicht, auch das hatte eine Absicht dahinter. Manch Diener eines vermögenden Aristokraten – oder reichen Bürgers –war gar eitel ob seiner Position und sah auf die Plebejer herunter wie ein Aristokrat auf den Diener; nein, manch Diener versuchte die Ironie dessen durch besonderes Herabschauen auf den Pleb zu kompensieren.

Dieser Knabe aber war ganz höflich und kündigte an, dass es nicht sein letzter Besuch werden könnte, wenn die Qualität des Produkts zur Zufriedenheit gereichte. „Eine Neuheit in meinem Sortiment, ganz tolle, aufputschend wirkende Sorte. Ihr beweist guten Geschmack, hehe“, sagte er und lachte. „Gute Qualität hat halt einen gewissen Preis“, wurde er dann wieder ernst. Er befeuchtete seine Lippen mit seiner Zunge. „4 Miliaresia pro Gramm. Aber dein Geldbeutel scheint üppig gefüllt zu sein, wirst wohl hoffentlich nicht nur Follis da drin haben?“ Wiederum lautes Lachen. Er spielte seine Rolle (die eines dämlichen Plebejers) mittlerweile so gut! 4 Miliaresia waren vier Monatsgehälter eines rhomäischen Bauern, oder beinahe ein halber Solidus. Ein lächerlicher Preis, denn der Marktpreis lag bei 20 Folles bis maximal einem Miliaresion. „Wie viel darfs denn sein?“, fragte er schließlich und stellte eine große Waage neben die Schatulle. Etliche Gewichte lagen auf der Theke bereit.

Konstantinos Phokas

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5

Dienstag, 7. Mai 2019, 20:45


Maximilianos

Maximilianos‘ Augen mussten mittlerweile ähnlich rot wie jene des Ladenbesitzers sein. Zwischen all den Rauchwolken begutachtete er die Ware und ließ sich vom erschütternd laut lachenden Besitzer dieser versifft wirkenden Lokalität beinahe einlullen. Aufputschend war nämlich eine Wirkung, die sein Herr, der Phokas, immerzu explizit verlangte. Als er dann aber den Preis hörte stieß er ein Stöhnen aus, als hätte ihm jemand in den Bauch geschlagen. „Vier Milaresia? Pro Gramm? Das ist ja ein Wucherpreis!“, rief er schließlich aus, aber sein Einwurf ging im erneuten Lachen des Händlers unter. Er atmete durch, was ein Fehler war, denn nun fühlte er sich noch mehr durch den Rauch des Krautes beeinträchtigt.

Am Preis war ohnehin nichts zu drehen, das hatte Maximilianos in seiner Nebenfunktion als Kurier schon gelernt. „Gekauft! Dann nehme ich zwanzig Gramm hiervon. Das wären dann also sechs Solidi und 8 Miliaresia. Ein stolzer Preis, man müsste Euch einen Schuft schelten!“ Nun grinste auch er. Einerseits war es nicht sein Geld, andererseits war es seinem Herrn auch völlig egal, er hatte ihm ausdrücklich eingebläut, keine Kosten zu scheuen. Mit dem Geld, das ihm der Protoarchitektonas mitgegeben hat, hätte sich Maximilianos auf und davon machen und ein neues Leben beginnen können.

Der Ladenbesitzer wog ihm die besagte Menge ab und verpackte sie ihm in einer kleinen hölzernen Box, die man scheinbar als Geschenk dazubekam. War ja auch das mindeste bei dem Preis! Maximilianos händigte ihm die besagten sechs Solidi und 8 Miliaresia aus, nahm die Box aus Holz und verabschiedete sich eiligst, da ihm die Luft zu stickig wurde. Die Pfeife des Mannes qualmte ja noch immer vor sich hin und man könnte den Verdacht hegen, dass es eine geschickte Verkaufsstrategie war, den Käufer seiner klaren Sinne zu berauben. „Besten Dank und einen guten Tag wünsche ich“, verabschiedete er sich dennoch der Höflichkeit willen. Er war mittlerweile bester Laune und stieß die Tür nach draußen auf, wo ihm die Luft herrlich frisch vorkam. Das Sonnenlicht blendete ihn einige Momente lang, dann gewöhnten sich seine Augen an die Helligkeit und er ging, das Päckchen unter dem Umhang versteckt, zurück in Richtung des Reichenviertels der Stadt. Dabei überlegte er, wofür das M. auf der großen Schatulle, die er am Thresen gesehen hatte, stehen könnte. Darauf fiel ihm keine Antwort ein und bald pfiff er gedankenverloren vor sich hin.

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Dienstag, 7. Mai 2019, 21:03


Boethios

So schnell der Knabe hereingeplatzt war, so schnell war er auch wieder auf und davon. Aber daran war er gewöhnt. Es war ja nicht sein Anliegen, dass seine Kundschaft lange hier verweilte. Zwanzig Gramm war er von seiner teuersten Sorte losgeworden. Das waren 80 Miliaresia oder sechs Solidi und acht Milaresia, so wie es ihm der Kurier auch aushändigte. Boethios beschiss keineswegs beim Abwiegen der Ware. Dennoch kassierte er für sich allein bei dieser einen Transaktion selbst 20 Miliaresia. Drei Miliaresia musste er pro Gramm für den mysteriösen Vermittler abzweigen; in diesem Falle waren das 60 Miliaresia bzw. genau fünf Solidi. Das war immerhin das Monatsgehalt eines Bauern. Und er hatte nicht gerade viel dafür arbeiten müssen.

Boethios ergriff seine noch rauchende Pfeife und nahm einen tiefen Zug und gab den Deckel wieder auf die Box seines Spezialkrauts. Der Mann, der es ihm vorbeigebracht hatte, hatte ihn keinerlei Hinweis hinterlassen, etwa einen Zettel mit einer Adresse, wo sich Boethios bei Bedarf melden könnte. Er hatte schlichtweg gesagt, er würde in einiger Zeit wiederkommen und noch mehr davon bringen. Boethios wischte sich den Schweiß von der Stirn und ordnete sein Haar mit seiner Hand.

Heute erwartete er keine Kundschaft mehr, draußen war es bereits dunkel. Er nahm also die prächtige Box mit dem Spezialkraut und trug sie in den Lagerraum. Er musste sie kurz abstellen, um den Raum aufzuschließen, doch dann betrat er denselben und stellte die Box etwas unter Augenhöhe auf ein Regal neben zig andere Behältnisse. Er bemerkte, dass die Box falsch herum da stand, so ergab sich nämlich ein M, und drehte sie um. Er betrachtete das W auf dem Deckel der Box für einen Moment lang und fragte sich, wofür es wohl stehen könnte. Ihm war zumindest kein echt rhomäischer Vor- oder Nachname mit W geläufig. Vielleicht kam es aus dem Ausland? Schließlich zuckte er mit den Achseln, trat aus dem Halbdunkel heraus, verschloss die Tür sorgfältig und verriegelte dann seinen Laden für die Nacht.