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[Kaiserreich China] [Kaifeng] Am Hof des Drachen

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Dienstag, 7. Mai 2019, 01:20

[Kaifeng] Am Hof des Drachen

Gerade einmal eineinhalb Jahre waren vergangen seitdem der Guǎngshùn-Kaiser, ihr Vater Guo Wei, den Drachenthron und damit den Thron des nördlichen Kaiserreiches bestiegen hatte. China befand sich in einem traurigen und niedergeschlagenen Zustand, nachdem die letzten Kaiser der Tang Dynastie es zugelassen hatten, dass sich in den Provinzen mächtige Kriegsherren etablierten konnten, die die zivile Verwaltung entmachteten und welche die direkte und unabhängige Kontrolle über ihre Herrschaftsgebiete übernahmen. In der Folge rebellierten die mächtigen Herrscher gegen die schwache und unfähige Zentralregierung. Allen war offensichtlich: Die Tang Dynastie hatte das Mandat des Himmel verloren. Während der nördliche Teil des Reiches immer noch viel Land und Territorium in sich vereinigte und damit in seinen Grenzen größtenteils stabil blieb, gründeten sich im Süden Chinas viele unabhängige Staaten jener ehemaliger Warlords. China war nun gespalten, zweigeteilt zwischen Nord und Süd. Doch auch der territorial stabile Norden wurde von Problemen geplagt, denn am Ende brachen fortdauernd Kriege um den Anspruch auf den Thron und das himmlische Mandat aus, das ein jeder, ja sogar ein einfacher Bauer, beanspruchen konnte, wenn der Himmel auf seiner Seite war. Ein Putsch folgte auf den anderen, die kaiserlichen Dynastien im Norden wechselten häufig.

Wie in den letzten Jahrzehnten des Reiches also so oft geschehen, erlangte mit ihrem Vater Guo Wei, der unter vielen anderen Dynastien als hoher Militär diente, eine neue Dynastie das himmlische Mandat, den Drachenthron und alle Macht unter dem Himmel: Zhōu nannten sie sich jetzt in Anlehnung an das ehemalige stolze Reich der alten Zhōu Dynastie, sie selbst würden dann eben die neuen Zhōu sein. Viel aber blieb von der kaiserlichen Familie, dieser neuen Zhōu Dynastie, nicht übrig. Ihr Vater hatte gegen den letzten schwächlichen Kaiser Liu Chengyou erfolgreich geputscht. Wieder einmal hatte damit ein Kaiser das Mandat Shangdis verloren. Er wurde von ihrem Vater abgelöst, aber nicht ohne, dass derselbe und ihre Familie einen Tribut zahlen mussten: Dem alten Kaiser und seinen Männern gelang es, während der Putsch noch im Gange war, die gesamte Familie ihres Vaters auszulöschen, kaltblütig zu ermorden. Alle ihre Brüder und Schwestern, von denen noch viele Kinder waren, sind dem Gemetzel zu Opfer gefallen. Keiner überlebte dieses Grauen bis auf eine: Nämlich sie. Die hohe Fürstin Zhēnzhēn hatte das Massaker als einzige in der Familie unbeschadet überstanden, musste aber dennoch alles mit ansehen. Die Männer ihres Vaters retteten sie im letzten Moment vor den Schergen Chengyous. Sie war damit der letzte lebende Abkömmling von Kaiser Guǎngshùn, die Zukunft der neuen Zhōu Dynastie.

Am kaiserlichen Hof in der Reichshauptstadt Kaifeng wurde heute ein feierliches Fest begangen. Ihrem Vater, dem Kaiser, unter dessen Herrschaft bis jetzt wieder Ruhe und Stabilität in das Nordreich eingezogen sind, war es gelungen, in einem Feldzug gegen einige rebellische Fürsten und Kriegsherren an den Grenzen des Reiches, dieselben zu unterwerfen und ihre Territorien wieder dem Reich einzugliedern. Es war ein Erfolg, auch wenn der Großteil des Südens noch in offener Rebellion verharrte. Es zeigte an, dass nach den vielen Dynastien, die vor ihnen kamen, das Mandat des Himmels wirklich und unangefochten bei ihnen, den Zhōu, lag. Shangdi stand fest auf ihrer Seite, wie es schien.

Zhēnzhēn legte sich in ihren Gemächern, die sich unweit des kaiserliche Harems befanden, ihre prachtvollste Kleidung an. Nachdem sie sich dann zum Drachenthron im Kaiserpalast begeben hatte, traf sie auf ihren Vater. Sie kniete vor ihm, dem Sohn des Himmels, ehrfürchtig nieder. Dies war ein Privileg. Der Kaiser, dem das Mandat des Himmels zuteil wurde, war die Verkörperung Shangdis, des Himmels, eine lebendige, verkörperte Gottheit, die man zu verehren hatte. Jeder normal Sterbliche müsste sich vor dem Kaiser mit seinem ganzen Körper in den Staub werfen, den Kotau vollziehen. Es war unter höchsten Strafen verboten, dem Kaiser auch nur in die Augen zu sehen, sollte man dazu nicht ermächtigt worden sein, immerhin stand der Kaiser unmittelbar vor den Göttern und war ihr Medium. Einzig die kaiserliche Familie hatte das Privileg, stattdessen vor ihm knien zu dürfen. In der neuen Zhōu Dynastie war es damit einzig das Privileg der Hohen Fürstin Zhēnzhēn.

Mit dem Guǎngshùn-Kaiser zusammen begab sie sich nun aus dem Thronsaal heraus und vor die Pforten der großen Palasthalle, die auch Pavillon des Drachen genannt wurde. Von dort aus führte eine Treppe herunter. Der gesamte Palastkomplex war zum heutigen Festtag mit gelben, wehenden Fahnen geschmückt, eine Farbe, die einzig dem Kaiserhaus vorbehalten war. Die Treppenstufen wurden seitlich von unzähligen Soldaten gesäumt und dahinter sammelten sich viele Höflinge. Ihr Vater schritt zuerst die Treppen des Palastes herunter, dicht gefolgt von seinen Dienern; einige von diesen hielten ihm gelbe Schirme über das Haupt, um seine hervorgehobene Stellung zu unterstreichen. Die Hohe Fürstin selbst folgte direkt hinter ihrem Vater. Einige andere Diener, die wiederum hinter ihr waren, spielten zum Gang der kaiserlichen Familie Musik. Während sie an den Höflingen vorbeizogen, warf sich ein jeder vor ihnen auf den Boden und stand danach wieder auf, nur um sich neuerlich vor der kaiserlichen Herrlichkeit in den Staub zu werfen, solange eben bis der Himmelssohn vorbeigezogen wäre. Der weitere Weg führte über eine Brücke vom Kaiserpalast aus zu einer nahe liegenden Pagode, in welcher die Festlichkeiten abgehalten wurden. Ursprünglich als Grabstätten gedacht, hatten diese buddhistischen Bauwerke, die hohe Türme waren, mittlerweile auch andere Funktionen, sodass hier ein Altar aufgestellt wurde, an dem der Kaiser zu Ehren seines Sieges den Göttern, allen voran dem Himmel, Opfergaben darbringen würde.

Menschenopfer waren im Reich seit Jahrhunderten nicht mehr üblich, auch wenn es hier oder dort mal Berichte davon gab, dass sich ein reichr Herr zusammen mit seinen noch lebendigen Dienern begraben ließ. Dem Kaiser aber wurden nun Nahrungsmittel gereicht, auch Wein und Tiere, die er sodann auf dem Altar opfern würde. Als Sohn des Himmels hatte ihr Vater als einziger den direktesten und unmittelbaren Zugang zu den Gottheiten, sodass das Opfern seine Pflicht war. Nachdem ihr kaiserlicher Vater die Opfergaben der Gottheit geweiht und dargebracht hatte, kam nun ihr großer Moment: Sie würde gleich als Tochter des Himmelssohnes, als Enkeltochter des Himmels, ebenso Opfer auf den Altar bringen. Nicht jedoch an Shangdi, dafür war sie viel zu machtlos im Vergleich zu ihrem heiligen Vater. Sie würde ein Opfer für die Ahnen darbringen, vor allem für den großen Konfuzius, dessen Lehren zusammen mit denen des Buddhismus und Daoismus das Reich besonders prägten. Einer der Diener reichte ihr nun, da sie vor dem Altar stand, neben einiger Nahrung für die Ahnen, auch einen Hund. Er war eher klein und noch quicklebendig. Einige Priester fixierten ihn für sie auf dem Altar. Die hohe Fürstin Zhēnzhēn verspürte eine große Aufregung vor dieser großen Menge an Menschen und vor dem Altar in der Pagode, dieses Opfer den Ahnen zu weihen. Das störrische Tier wollte sich losreißen und wehrte sich heftig. Skrupel oder Mitgefühl verspürte sie nicht beim Anblick des wehrlosen Tieres. Sie fokussierte die Opfergabe und nahm einen zeremoniellen Dolch in die Hand, der ihr von den Priestern gereicht wurde. Sie umfasste ihn mit ihren beiden, eher zierlichen Händen. Sie holte mit beiden Armen weit über ihren Kopf aus und mit aller Kraft rammte sie den Dolch in den Bauch des Hundes, direkt in die Gegend, in der sie das Herz vermutete. Das Tier stieß entsetzliche Laute aus. Es folgten weitere kräftige Stöße mit dem heiligen Werkzeug und Instrument. Das Blut spritzte nur so auf ihre feine in kaiserlichem Gelb gehaltene Kleidung. Als sie das Blut an sich sah, erinnerte sie sich an jenen Tag, an dem man ihre Geschwister fast auf gleiche blutige Weise ermordet hatte. Sie hatte es ja mit eigenen Augen gesehen und auch an jenem Tag fand das Blut seinen Weg auf ihre Kleider und an ihre Hände. Nach einigen letzten Stößen war es dann um das Tier gestehen. Sie kniete sofort vor dem Altar nieder. "Nimm an, oh großer Konfutse, dieses Opfer und lass es dir wohlgefällig sein." Nachdem sie sich erhoben hatte, legte sie den Dolch wieder ab. Die Priester entzündeten nun eine Menge Weihrauch, der den blutigen Altar gänzlich vernebelte. Laute zeremonielle Musik ertönte und wurde von den Priestern gespielt; die Mönche sprangen mit klingenden Werkzeugen und Instrumenten in der Pagode umher und tanzten, um die bösen Geister zu vertreiben. Ihre Aufgabe war getan. Sie fühlte sich zufrieden und bestärkt. Ihr Vater warf ihr einen anerkennenden Blick zu. Nach diesen rituellen Opferungen würde man sich nun wieder in den kaiserlichen Palast begeben und dort das Fest weiter führen. Die Ahnen, die Götter und vor allem der Himmel würden China und die Zhōu Dynastie nun sicher beschützen, sie mit Kraft und Stärke segnen.

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