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Johann Philipp Luder

Pfarrer von St. Laurenz bei Frohse an der Elbe

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Sonntag, 5. Mai 2019, 14:54

[Dom zu Magdeburg] Ein himmlisches Erbe?

Item so begab's sich, dass der gute Pfarrherr und Doktor Luder, als Mitglied des hohen Daomkapituls zu Magedeburg, eines Sonntages zu besagtem Dom reiste. Es ward nämlich itzund ein Sitzung des Kapitels angesetzt. Die Gesundheit von Erzbischoffen Heribertus ließ die hohen, geystlich Herren alarmiert werden. Gerüchten nach, wollte der Erzbischof seinen Lebensabend lieber in Rom verbringen. Aber all dies würde man bei der Capitulums-Sitzung disputieren und ebenso die neuen Zahlen vorlegen für die Einkommen der hoch dotierten Domherren aus Pfründen und Stiftern. Der gute Luder machte eine schöne Summe als Domherr und damit Inhaber eines mit dem Dom verbundenen Stifts und einer Pfründe. 50 Taler brache ihm dies Amt ein, ohne dass er dafür irgendeine Gegenleistung erbringen müsste, außer denn vielleicht einmal die Meß im Monat lesen für den Stifter, also eine Sinekure. Diese Pflicht hatte er vor Zeiten aber vernachlässigt, aber nach seiner geystlichen Besserung wieder ernster genommen. Auch gehörte eben dann die Teilnahme an der Sitzung des Kapitulum zu der Pflicht.

Frömm conftratres, sprach's im Kapitelsaal des Domes. Wyr sullten warlich pitten den herr=gott vor den erz=bischoffen Heribertus. Immerhin war dieser Mann ja der geistliche Vater der Diöcez und Doktor Luder sorgte sich nun als frommer Christenmensch um denselbigen. Wer weyß wievill zeyt dem frömmen manne nuch bleybet.



Dompfaff
Furwar! Sprach ein anderer Domherr frömmlich. Adder wir sullten itzund schon eynmal eyn Uperlegung machen wer denn wourdig ißt, dem guten herrn erz=bischoffen womeglich nach tzu folgen. Die anderen Domherren stimmten darob zu und nickten mit den geytlich Häuptern. Man wusste ja, dass es schnell gehen könnte und ja auch der Ruhestand für den Bischof vor der Tür stand. Duch czuvörderst gipt's newigkeit an yglich Dompfaff: Die stifter alßwie pfrounde vnser domkirchen haben sych itzund vermeret, ßodaß nun eyn iglich geytlich-domherr adder uch präbendent erhaltet yn vermerung in summa von 5 Taler uff daß bisherige. Heitere Ausgelassenheit und Freude war zu vernehmen im Saal. Nun denn czum sukzessio von dem erzß=bischoffen. Wyr sullten am morgigen tag eyn electio machen, wylcher denn eyn wourdig geystlich herr sey vouber die erz=diocez vnnd ßodann, wann der bischoffen net mer ißt, senden eyn petitio an den Kounig Otto. Die Domherren klatschten und zeigten sich einverstanden mit dieser Lösung des Problems. So konnte man schon voraus planen und man wollte also wählen ein würdig Nachfolger am morgigen Tage.

Eyn gut kund vor die diöcez alßwie vns dompfaffs. Doktor Luder pflichtete dem ebenso bei und freute sich über die Steigerung seines Einkommens. Dies könnte man nun für einige interessante Dinge einsetzen. Aber auch die Möglichkeit Erzbischoffen zu werden kam ihm in den Sinn. Er müsste nur überzeugen seine Konfratres, dass sie ihn in der Petitio dem König vorschlagen. Doch wie bloß? Der Luder hatt ein Idee: Viele der Dompfaffs hatten ein Concubina. Morgen könnte er beginnen sein Rede oder Sermon gegen die willkürlich' Kanones der Kirchen in puncto coelibat. Hier im Dome zu Magdeburgk und sodann sogar ob seines Mutes und seiner wohligen theologia elektiert werden zum newen erz=bischoffen. Ein guter Plan! Der Doktor war itzt schon aufgeregt. Er betete nach Ende dieser Sitzung noch ein wenig im Dome und ging auf den Domplatz umher zur Bestaunung hiesigen mächtigen Bauwerks für den Herrn, dem er dienen wollte in Zukunft vielleicht als bischoffen. Er wohnte während des Aufenthalts in Magdeburgk in einem Gasthaus und war nach Beschauung der Kirchen auf dem Weg dorthin zurück.

Dann jedoch sah er auf einer Straßen inmitten der Stadt am Rande derselben, ein jünges Frawlein mit einem Gefährt oder Karren. Dieda hatte wohl Probleme, weil der Karren steckte irgendwo fest. Eyn augenblick!. Hub der gute christenmensch an und mit der kraft der muskulösen Arme hob er den karren empor, sodass er nunmehr frei war. Der Luder blickte das frawlein nun näher an. Es schien sehr jung aber verwahrlost und hatte einiges an Krempel dabei im Karren. Gendig frawlein, erget's euch gut? Ich byn eyn gesytlich herr: pfarrherr czu frohßen, dompfaff allhier czu magdeburck. ßo yr hülf braucht, thu ich's gern! Alßdan...nemt adder uch hier eyn almoßen. Der Luder gab dem Frawlein zwei Taler in die Hand, was reichen sollte für gute Verkostung und Unterkunft. Er wartete itzund ob sie ihm antworten würd und berichten, ob alles wär im Lot.

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Sonntag, 5. Mai 2019, 16:14


Das junge Fräulein, dem der Pfarrer Luder begegnet war, war niemand anderes als Apollonia, ehemalige Gefährtin des Papstes Coelestinus II. und dem Herrn geweihte Jungfrau, die nach dem Prozess und dem damit verbundenen Tod ihres geistlichen Vaters mit einigen Gefährten wieder in die Gegend um Magdeburg zurückgekehrt war. Angeblich, so hieß es, hatte Coelestin sie alle durch teuflische Einredungen verführt und damit eine Sekte begründet. Die fromme Apollonia aber wusste es besser und musste mit eigenen Augen ansehen, wie man den Heiligen Vater zu Augsburg ermordet hatte, weil er für die wahre christliche Religion eintrat. Ein bitteres Erlebnis, aber der Heilige Vater hatte des Öfteren solche Anspielungen bezüglich eines möglichen Märtyrertodes gemacht und jeder wusste, dass es gefährlich war. So sollte es am Ende auch tatsächlich kommen. In dieser Hinsicht war das Leben des frommen Mannes dem des Heilands ähnlich.

"Habt tausend Dank für Eure Hilfe, mein Herr!". antwortete sie diesem hilfreichen Mann erleichtert, der sich als Pfarrer und Domherr zu erkennen gab. Er machte einen imposanten Eindruck, wie er mit Leichtigkeit den Karren angehoben hatte und wirkte nun wirklich besorgte um sie. "Eigentlich wage ich es nicht, dies einen Domherren zu fragen, aber wenn ihr mir helfen möchtet, so bräuchte ich tatkräftige Unterstützung beim Ziehen des Karrens." Ein Pferd hatte sie nicht, sie konnte es sich schlicht nicht leisten. Aufgrund ihrer Vergangenheit mit dem einzig wahren Papst nahm sie kein geistlicher Orden mehr auf, da man dort dem Spoleto anhing, sodass sie als geweihte Jungfrau alleine leben musste, ähnlich den ersten Heiligen Jungfrauen in alter Zeit. Jedoch hatte sie noch Bekannte aus der Zeit Coelestins. Vor allem dessen ehemaliger Sekretär Augustinus und Ludovicus halfen ihr über die Runden und gaben ihr stets ein wenig Geld. Es war nicht viel, aber es reichte zum Leben, denn solange sie ihren Glauben hatte und das Nötige zum Leben, war sie glücklich. Auf ihrem Karren befand sich so einiger Krimskrams, den sie zu ihrer neuen Unterkunft in Magdeburg transportieren musste, dort plante sie nun zu leben, in direkter Nähe zu einer beschaulichen Kirche, wo sie täglich die Messe besuchen könnte. Es war sehr viel Krams und schwer, sie hatte noch so einiges an Wegstrecke vor sich. Vielleicht würde ihr ja dieser Pfarrer helfen können, er wirkte recht freundlich.

Johann Philipp Luder

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Sonntag, 5. Mai 2019, 16:46

Alsdann ward gesprochen von dem jungen Frawlein ein Wort des Dankes. Dem herr=Gott sey's gedanckt, wert frawlein. Er gipt all' kraft ym hymmel alß uff erden. Meinte der Doktor dann mit einem breitem Grinsen, immerhin sah er sein Wandel im Leben als ein Gnad Gottis an, der freimütig dies hat ihm gegeben. Der Luder fühlte sich seit diesem Ereignys einfach nur noch sehr wohl und glücklich, abgesehen von der Reizung des Weybischen in Form von Bar'bra. Ansonsten aber war er ein glücklich und fromm Christenmensch. Sodann folgte eine Bitte der jungen fraw, die wohl suchte tatkräftige Mannen, umb den schweren Karren zu ziehen. Dompfaff hin adder her, eyn geystlich minister ißt vor seyn schafe da, ßo wyll ich euch meyne hülf erweysen. Tritt uff die seyte, fraw! Der Doktor krempelte die Ärmel seines schwarzen Talares hoch und spuckte sich in die Hände. Die Arbeit der einfachen Manne scheute er nicht, wusste er doch umb den Wohlgefallen des Herrn, der darauf freudig blicken würd. So zog der gute Domherr zu Magdeburgk dies Gefährt des frawleins eine ganze Weile lang. Indessen er ausholte und wissen wollt Einiges über selbiges Frawlein, die ihm dann berichtete ihren Namen und, dass sie gar wär ein geweihte Jungfraw. O eyn jungfraw gottis seyd yr alßo?! So wyll ich euch dieß karren gantz gewysslich zieen biß vor eure pfrote. Versicherte er ihr, nun da er darumb wusste, dass sie beide der Sache gottis dienten. Er redete noch weiter mit der fraw und musste schließlich erfahren, dass sie knapp bei Kasse war, daß ist nicht viel Taler hatte, sondern von Almosen von Freünden lebte. Bey vnß im dorfe frohßen gybt's eyn gantz frömmes cloister und ebenßo eyn gantz frömm Ob'rin Barb'ra, die da führt eyn streng Regiment vnter yren Weybern. Viulleicht wullt yr ia dieß cloister eynmal pesuchen? So könnte er dem cloister eine neue Schwester verschaffen.

Endlich war man dann angekommen bei der Habitatio dieser fraw. Es machte einen mickrigen Eindruck und war sehr klein, aber das Mädel hatt ja auch kein Geld...Wär wohl besser, wenn sie aus der Stadt ziehen würde ins gute cloister bey Frohsen. Dort könnte sie besser leben. Alßdann werd ych euch dieß krams yn's hause tragen, synd meyn kräft duch größer alß die euren! Nachdem er die meisten Sachen ins kleine Haus getragen hatte, fiel ihm dann eine besondere Sache auf, die die fraw da in ihrem Karren hatte gelagert. Was ißt daß denn vor eyn merckwoudig bildniß? Sieht gar aus wie eyn alder Babsten? Der Doktor verwunderte sich ob dieses Gegenstandes im Karren der Fraw. Nachdem er alles herein getragen hatte, fragte er seine neue Bekannte neuerlich über einen möglichen Umzug nach Frohsen. Wert frawlein Ap'llonia, newerlich wull ich euch dieß denn anbiethen! ßo yr dann net mer leben musst van gar ermlich almoßen vnnd hättet gut gemeynschaft bey frömm Weybsvolck in frohßen. Ouperlegt's euch, ich pin biß morgen yn der Stadt. Vielleicht würde sie doch noch einwilligen. Den Doktor würd's freuen.

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Sonntag, 5. Mai 2019, 20:07


Der hilfsbereite Domherr ging nun sogar so weit, Apollonias Karren eigenhändig zu ziehen. Das war schon sehr erstaunlich, denn sie selbst war solche Hilfsbereitschaft und Güte von kirchlichen Würdenträger so gut wie gar nicht mehr gewohnt. Die einzige Ausnahme war der ehemalige Heilige Vater, Coelestin, der versuchte die korrupten Elemente in der Kirche zu beseitigen, aber am Ende dafür ohne Erfolg nur das Martyrium erleiden sollte. Bisweilen fragte sie sich schon, wofür das alles denn nun war. Diese Zweifel aber konnte sie, sobald sie sich im Gebet befand, wieder schnell zerstreuen. "Ich kann mich nur noch einmal bedanken!", zeigte sie sich erneut erkenntlich, als der gütige und kräftige Domherr, der sich mittlerweile als Doktor Luder vorgestellt hatte, ihr ihre Sachen nicht nur ans, sondern sogar ins Haus getragen hatte. "Dies ist ein Bild des Heiligen Vaters Coelestin. Es wurde ihm in Magdeburg überreicht." , erklärte sie ihm die Bedeutung dieses Gegenstandes. In Magdeburg hatte man dann nach seinem Tod schließlich keine Verwendung mehr dafür und so gelangte es am Ende in den Besitz von Apollonia, die es verwahrte und sich als Erinnerung an den frommen Mann, wohl eher Heiligen, in ihre Wohnungen hing.

Der Pfarrer Luder lud sie dann darüber hinaus mehrfach ein, doch nach Frohse umzuziehen. Er erzählte ihr von einem schönen Kloster, in dem sie unter kommen könnte und das von frommen Frauen bewohnt war. "Das ist wirklich ein interessanter Gedanke." Dann könnt sie vielleicht endlich wieder gemäß ihrer Berufung als geweihte Jungfrau auch in Gemeinschaft leben, statt alleine in einer ärmlichen Unterkunft. "Ich werde es mir bis dahin überlegen!", sagte sie ihm dann mit einem lieben Lächeln und voller Freude, dass sie einen so gutmütigen Pfarrer gefunden hatte, der ihr half. Sie erwog den Gedanken an einen Umzug ernsthaft. Sie wäre dann frei von vielen weltlichen Sorgen. "Ich hab nicht viel in meinem Besitz. So will Euch, Herr Dompfarrer, dieses Gemäldedes Papstes als ein Zeichen des Danks übergeben!" Sie übergab ihm sogleich das besagte Gemälde. Sie hatte den großen Heiligen auch ohne solche Abbildungen in guter Erinnerung, außerdem fand sie, dass der Künstler den Papst darauf ganz und gar nicht getroffen hatte. Er wirkte viel zu alt und gebrechlich, auch wenn er damals schon viel durchgemacht hatte. Die ansonsten aber gute ausgeführte Arbeit des Künstlers war dennoch etwas wert. "Auf ein Wiedersehen!", verabschiedete sie sich dann freundlich. Vielleicht würde sie ihn ja bald schon wirklich wiedersehen.

Johann Philipp Luder

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5

Sonntag, 5. Mai 2019, 20:59

Eyn danck ißt net erforderlich. Sprach's sodann. Immerhin hatt der gute Doktor dies aus seiner Christenmenschen Pflicht gethan und war glücklich der Jungfraw geholfen zu haben. Dieß ißt alßo eyn Babsten fürwar? Er blickte das Bildnis nochmals an. Wann war denn der Babst das letzte Mal in Magdeburg, fragte er sich. Dann kam ihm die Erinnerung, dass man ja die geystlich Herren in teutschen Landen hat gezwungen, einen anderen denn den Babsten zu Rom als solchen zu erkennen. Genau: diesen Zölestin. Am Ende aber, nach dem Krieg gegen die Römer, war er's wiederum doch nicht. Warlich eyn merckwourdig spil da ward getrieben myt dem titul eyneß Babst. Man kunnte ia kaum wyssen wer denn nu warlich der rychtig war. Die Situation war wirklich wirr, befand der Doktor. Immerhin gab es itzt nur noch eynen Babsten zu Roma, auch wenn derda von teutschen Landen aus weit weg wohnt. ßo seyd pedanckt, frömm frawlein, vor dieß bildnyß. Ich will's yn eeren halten. Verkaufen könnt er's wohl nicht, wer würd sich schon dafür interessieren in der Umgebung? Auf dann alßo! Verabschiedete sich dann auch der Doktor von dem Frawlein und ging dann seiner Wege.

Die Karre hatt er quasi bis an's andre Ende der Stadt Magdeburgck gezogen. War warhlich kein schön's Viertel hier. Mit dem Bildnis unterm Arm ging er sodann wieder Richtung Domplatz, wo ward unweit gelegen der Gasthof, wo er nächtigte. Immerhin stand morgen ja die Bischofs-Elektio an, wo der gute Doktor schon aufgeregt drauf blickte. Er eilte dann gar schnellen Fußes zu obgesagter Wirtschaft, denn man konnte erkennen, dass sich das Wetter wohl bald verschlechtern würd. Der Domherr schaffte es aber noch rechtzeitig, ehe der Regen begann, sich über die Bischofsstadt zu ergießen. Sogleich begab er sich in sein Zimmer für diese Nacht. Das da war wohl geräumiger und ansehnlicher als die Bruchbude des jungen Frawleins, was schon traurig war. Auf einer Kommode unweit des Betts, stellte der Luder zwei Kerzen und ein Crucifix. Das Bildnis von diesem Babsten stellte er irgendwo in eine Ecke. An der Kommoden würd er gleich die Meß lesen für den Stifter. Früher hätt er dies wohl nicht so redlich gethan, aber die Pflicht als Christenmensch verlangte auch hier, dass man seiner Arbeit nachging. Zuvor speiste er aber noch und kräftige sich so nach dem Karrentransport für das Weyb. Dann als die Dunkelheit schon angebrochen war, begann der Doktor schließlich die Meß zu lesen, war aber schon entsprechend müd auch von der Reise hierher.

Yn nomn'e pattris et fili alßwie spiritus sancti. Er begann etwas lässig die Meß und machte das Creuz-Signum auf sich. Dann las er die weiteren Gepet aus dem Messbüchlein, was er sich besorgt hatte. Er war grad kurz vorm Canon angekommen, da wurd die Feier unterbrochen. Ein Fenster nämlich ward durch den Regen und Sturm von draußen gar so traktiert, dass es aufsprang. Eyn scheyß ißt dieß ia! herre=gott, erbarmung. Sprach's ägerlich und der gute Doktor musste gegen Wind und Sau-Wetter kämpfen und mit großer Kraft schloss er das Fenster und thät auch zur Sicherung ein Balken davor, sodass es nicht nochmal aufging. Der Wind aber hatt all's Licht im Zimmer arg ausgeblasen. Der Doktor war erbost, er konnte itzt gar nichts mehr sehen. Selbst sein eigen Füß net mehr. Er drehte sich mehrmals im Kreise und hoffte, was zu finden. Dann endlich hatte er's wieder! Ein Licht sah er, da ging's bestimmt heraus, zur Wirtschaft runter. Er ging drauf zu und das Licht ward stärker. Doch da war ein Ausgang nicht, sondern die Kommode, wo er hat die Meß gelesen. Was ißt dieß vor eyn merckwourdig illumination? Maledeyung! Ich kann's net folgen. Quaerendo invenietis, so hör myn gepet vnd hülf myr, herr! Neuerlich versuchte der Doktor ein Ausgang zu finden und machte gar einig Drehungen und Tastungen. Dann plötzlich fiel er über ein harte Sach auf dem Boden, wohl ein Balken, und lag sodann auf dem Rucken vor der maledeiten Kommod und hatt groß Schmerzen im Rücken. Er wollt nun erstmal ein Moment liegen bleiben denn er neuerlich die Tür suchte.

6

Sonntag, 5. Mai 2019, 22:08

Es war nun fast in halbes Jahr her, dass der Heilige Märytrer-Papst Coelestin von seinen gotteslästerlichen und häretischen Gegnern, den Vergewaltigern der Mutter Kirche, arglistig zu Augsburg vergiftet und damit ermordet wurde. Man hatte ihm ob seines frommen und heiligmäßigen Dienstes an der Mutter Kirche, ja der ganzen Christenheit, als rechtmäßiger Vikar des Herrn Jesu Christi auf Erden unnachgiebig verfolgt. Vor allem der Hurer Octavian Spoleto tat sich hierbei vor und schickte seine teuflischen Schergen aus, die blutige Tat zu begehen.

Nun jedoch, da Coelestin aufgrund seines Todes als Märtyrer für den Glauben Konsorte der himmlischen Herrlichkeit und ein Heiliger geworden war, mit anderen heiligen Päpsten vor dem Angesichte Gottes zu Tische sitzen und das ewige Hochzeitsmahl genießen konnte, bekümmerte ihn sein altes, irdisches Schicksal gar nimmer mehr. Er hatte droben in den Himmeln alle Freuden, alle Herrlichkeit gefunden, das Ziel sowie den Ursprung seiner Existenz erreicht. Es war eine einzige Glückseligkeit, eine wahre Wonne und er weidete mit den anderen Auserwählten Gottes mit seinem göttlichen Schöpfer in Himmelsrosen und in der Fülle aller Freuden. Als Heiliger jedoch und damit als bleibendes Teil und Mitglied der einen heiligen Kirche Gottes, die den Himmel, aber auch die Erde umfasste, war er den Zuständen auf der Erde gewahr. Nun konnte er von hier oben auf die Menschen im Jammertal niederblicken und den Gang der streitenden Kirche auf Erden beobachten. Als letzter legitimer Papst war die Kirche nun ohne Führer. Seine ernannten Kardinäle waren entweder gestorben oder hatten ihn verlassen. Nun vernahm er als Heiliger die Millionen Fürbitten der Gläubigen auf Erden für die Kirche. Sein neues himmlisches Wesen, seine neue Existenz ganz aus der Gnade Gottes macht es ihm möglich, diese völlig neue Seinsweise zu erschließen und die alles zu erfassen. Es war erhebend! Mit den anderen Heiligen Päpsten in der himmlischen Herrlichkeit beriet er sich, was denn nun zu tun wäre und wie sie als Heilige der Kirche Gottes auf Erden helfen könnten. Dann stand der Entschluss der Heiligen fest! Man würde sich einem frommen Streiter Gottes offenbaren und ihn zum Guten der Kirche anleiten. Dem letzten legitimen Papst würde diese Aufgabe zu kommen, also Coelestin. Der Heilige freute sich schon ob dieser Aufgabe, den noch streitenden Menschen auf Erden eine Hilfe zu sein. Er nahm einen langen freudigen Weg in den immer grünen Gärten des himmlischen Jerusalems und begab sich so zwei ehemaligen Weggefährten. "Meine Brüder!", sprach der Heilige Vater seine Freunde an. Es handelte sich um den Heiligen Xenus und den Heiligen Felix, die ebenso beide als Märtyrer für die Sache Gottes starben. Man umarmte sich mit den astralen Leibern und wünschte einander den Frieden Gottes.


Heiliger Märtyrer-Bischof Xenus
"Deine Aufgabe ist ehrenvoll und wichtig für die Kirche Gottes, Heiliger Bruder!" Der Heilige Xenus legte seinen Arm auf die Schulter des Heiligen Paptes.


Heiliger Märtyrer-Abt Felix
"Du bist der Richtige, den man erwählt hat! Niemals werde ich unsere Begegnung in Monte Celio vergessen, die uns alle durch Gottes Willen und Vorsehung schließlich zum Heil geführt hat!" Auch er legte seinen Arm auf die päpstliche Schulter.

Der Heilige Vater war nun durch seine liebgewonnen Mitstreiter im Glauben bestärkt in seiner Mission für die Erde. Er würde nun mit seinen Brüdern in den großen Tempel des himmlischen Jerusalems ziehen und dort betend verharren. Da der Heilige die Kunst der Bilokation nun erlernt hatte, würde zeitgleich demjenigen erscheinen, den der Herr als würdig befunden hat und den man zum Wohle der Kirche auf seinem Weg leiten sollte. Sogleich wandte er dann jene besagte Kunst der Bilokation an und beschloss, sich einzig dem Erwählten zu erkennen zu geben.

Auf Erden angekommen, stand er nun in einem gänzlich dunklen Raum. Es musste Magdeburg sein. Der Geistliche, den man erwählt hatte, lag auf dem Boden und war wohl aufgrund der leuchtenden Vorzeichen der Bilokation verwirrt worden und hingefallen. Jetzt, wo sich der Heilige mit seinem Astralleib im Raum befand, wurde alles für diesen Pfarrer Luder illuminiert. Der Heilige Coelestin brachte auch einige Klänge der himmlischen Heerscharen mit den Raum und erschien dem Luder in prächtiger Herrlichkeit eines Heiligen Märtyrerpapstes. "Fürchte dich nicht, Diener Gottes!", sprach er erhaben und deklamatorisch, während der Chor der Engel einige erhabene Melodien sang, die sein Erscheinen begleiteten:



[O ausgezeichneter Hohepriester,
Licht und Zierde der Kirche,
diejenigen, die du durch deine Weisungen angeleitet hast,
wirst du nicht in Gefahren gelangen lassen!]


"Als Heiliger sind Wir vom Herrn gesandt, dir eine Hilfe auf dem Weg zu sein. Der, der alles sieht und in die Herzen der Menschen blickt, hat deinen Wandel und deine Bekehrung vernommen. Du sollst ihm dienen und dem Beispiel, das der Herr in Uns als Papst gewirkt hat, nach seinem Willen nachfolgen. Ja, wahrlich! Du sollst seine Kirche auf Erden wieder aufrichten, die in der Hand von Hurern und Häretikern ist, gefangen, missbraucht, erniedrigt. Du sollst alles dafür tun, die Braut seines Christus wieder zu Ehren zu führen, sie zu reinigen, zu erretten aus der Hand ihrer Peiniger. Uns war es nicht vergönnt, dies auf Erden zu verrichten, du aber sollst dahin eifern. Dazu verlasse alle Sünde, die in dir ist! Bereite dem Herren eine ebene Glaubensbahn in deinem Herzen, werf ab die schweren Sündensteine, die ihm entgegen stehen und vereinige dich gänzlich mit ihm. Nicht länger sollst du unkeusch eines Weibes Schoß begehren, sondern einzig den Herren und ihm begegnen in der einzig wahren Speise von Leib und Blut, die er auf Erden der Kirche hinterlassen hat. Ein jeder Diener Gottes soll in dieser Weise leben, denn in den Himmeln gibt es auch nur noch eine Liebe: Die Liebe zum Herren, nimmermehr Begierde unter Geschlechtern. Nun geh hin und handle entsprechend Unserer Worte! Sein Blick und unser aller ruht auf dir, Bruder!"


Nachdem der Heilige seine Worte an den Luder gesprochen hatte, endete er den Modus der Bilokation. Der Mann müsste nun verstanden haben, was der Herr mit ihm vor hatte und, dass er von seinen sündigen Gedanken ablassen sollte. Die Mission, die Kirche Gottes auf Erden zu retten war zu kostbar und man sollte alles dafür geben. Der Heilige Coelestin würde dies von den Himmeln aus beobachten und unternahm indessen weitere Spaziergänge durch die grünen Auen des Himmels mit seinen frommen Brüdern in nie endender Wonne.

Johann Philipp Luder

Pfarrer von St. Laurenz bei Frohse an der Elbe

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7

Mittwoch, 8. Mai 2019, 15:19

Der frömme Pfarrherr alßauch Doctor lag immer noch auf dem Bod im Zimmer von der Wirtschaft, da leuchtete es auf einmal gar mächtiglich, sodass der ganze Raum ward itzund hell leuchtend illuminiert. Gar ungewöhnlich musica ertönte, wie gleichsam gesungen von ein Engkel Chor. Meyn gott, hab erparmen! Sprach's und sodann richtete sich Doktor Luder wieder uff, fiel aber auf die Knie, da er nun sah, dass da war ein groß leuchtend Gestalt vor ihm, die da aussah wie ein Babsten aus den Himmeln, wie Sankt Gregori etc. Die Gestalt sprach frömmlich an ihn. Nun wurd's ihm gewahr: Dies merkwürdig Gestalt war gar derselbige wie auf dem Bilde von dem Frawlein, dem er geholfen hatt. 's musste der alte Babsten sein. ßo hör ich euch itzt, gar bäbstlich heyligckeit. Erwiderte der Doktor frömmlich als auch demütig vor dieser Gestalt, die wohl war ein Heiliger Babsten, der konnte sich trotz des Todes erzeigen einem Christenmensch. Er vernahm dann die Anordnung der bäbstlichen Heiligkeit: Nachfolgen sollte er dero selben, der christlich Kirchen dienen und ablassen von der Lust alsauch Reizung am Weybischen. Wahrlich muss dies sein ein Heiliger, woher sonst hätt er gewusst von den seinen Gedanken auch den sündhaften? Ia, ia, ich wüll gantz der kirchen dinen, nimmermer eyn weyb's schoß ßoundhaft in gedancken uch nur begeeren. Denn deß sacrament deß heylig Leichnams hoch eeren vnnd geprauchen öft. ßo war ich hier stand, wüll ich's thun ohn unterlaß. Dies Befehl direkt aus dem Mund ein's Heiligen, ein's Gesandten Gottis, dem musst er gehorchen. Allen Zweifel ward ein End gemacht mit dieser Erscheynung. Doktor Luder musst eyn gut christlich diner am herren und der Kirchen werden und bleiben. Nach der Bestätigung obgesagter göttlich Anordnung, war das Licht verloschen, die illuminatio hatte sich geendigt. Der Doktor kunnte wieder vernünftig sehen und entzündete sodann das Licht neuerlich im Raum. Er warf ein Blick auf das Bildnyß des alten Babsten, das ihm das Frawlein hatt gegeben. Ja, das war der Mann aus der Erscheinung gar sicherlich. Der Domherr war immernoch aufgeregt. Alßdann wull ich halten itzt vor deyner herrlichkeit, o gott, daß sacrament von deym leichnam. ßo sey bedanckt vor deyn gnad vnnd dieß epiphanias, o meyn gott vnnd herre. Sogleich ging er an da frömem Werk und nachdem er dies geendigt hatte, begab er sich am nächsten morgen zurück zum Dome zu Magdeburgck.

Heuer stand ja itzt die electio des zukünftig Erz=bischoffen an. Doktor Luder wollt diese gewinnen, da er nunmehro wollte dienen gantz der Kirchen. Und wie besser dies als im Range eines Erz=bischoffen? ßo denn alßo will ich candidieren vor dieß gottgefällig ampt. Eyn yglich von euch, fratres, weyß, daß ich alß doctor dero theologiae eyn mann pin von kenntnyß der heylig schriften alßwie kanones der kirchen, alßo summa summarum byn bewandert in derlei ding, die eyn bischoffen muss erfoullen. Domher Luder wusste aber, dass damit es war noch nicht getan. Sein Erwählung zu diesm Ampt müsste den anderen Dompfaffs noch schmackhafter gemacht werden. Uch will ich machen eyn capitulatio, daß die pfround vnnd recht der dompfaffs bleyben unangetastet, ia gar die vermerung in reychtum sull alleyn zukömmen dem Domschatze, solang ich deß ampts träger byn! Weitere Aussicht auf Gewinne würd' die Herren sicher auf sein Seite ziehen, dachte er sich. So wäre er also ein Mann von guter Christen-Bildung als ein Mann der Kirchen-Politik, der vorerst lässt den Dompfaffs gut Reichtum. Sicher würd er viel Stimmen bekommen.

8

Mittwoch, 8. Mai 2019, 16:36

Das Domkapitel von Magdeburg beriet heute in einer besonderen Sache: Es ging um die Nachfolge des greisen und alten Erzbischofs Heribert, den viele schon auf dem Weg zum Rücktritt oder nach Rom glaubten. Auch wenn dies offiziell noch nicht geschehen war, wollten die Domherren, denen viel an ihrem Reichtum und an ihrer Macht in der Diözese lag, schon zur Sicherheit einmal voraus planen und am besten einen Kandidaten als Nachfolger empfehlen und installieren, der ihnen genehm war, also am Ende ihre Rechte und vor allem ihren Reichtum unangetastet lassen würde. Ein solcher Erzbischof, der sie ganz in Ruhe ließe, wäre ihnen am liebsten.

Der Wahlprozess startete und es gab eine Vielzahl von Kandidaten auf das Amt, was aufgrund des hohen Einkommens und der Bedeutung der Stellung als Erzbischof auch verständlich war. Sie alle hatten versucht, sich dem Kapitel gut zu verkaufen. Auch Doktor Luder, nunmehr schon seit über 12 Jahren Mitglied des Kapitels, machte einige gute Punkte in seiner Rede, die den Geschmack vieler Domherren traf. In ihm hätte man sicher einen guten Kandidaten, der einerseits den Domherren versprach, sie in Ruhe zu lassen und der andererseits als ein frommer und gelehrter Kandidat nach außen hin einen guten Eindruck machen würde. Man hatte vereinbart, dass bei der Wahl zum nächsten Bischof der Kandidat die Hälfte der Stimmen benötigte plus einer. Es brauchte einige Wahlgänge bis dieses Ergebnis dann auch wirklich erreicht wurde. Der Domdekan gab es sodann bekannt.


"Liebe Mitbrüder, wir haben ein Ergebnis!", sprach er erleichtert, wollte man hier schließlich nicht den ganzen Tag verbringen. "Bruder Luder, ich darf Euch herzlich zur Erwählung durch dieses Gremium gratulieren. Das Kapitel wird nun eine Petition an König Otto senden, in dem ihr als favorisierter Kandidat der Diözese zur Ernennung mit Nachdruck empfohlen werdet, sollte Erzbischof Heribert das Amt verlassen." Die Mitglieder des Kapitels klopften auf die Tische des Kapitelsaals. Man hatte nun einen Designatus, der in seiner Wahlkapitulation auf die Bedürfnisse der Domherren eingegangen war und somit auch einen Kandidaten aus denen eigenen Reihen, wohlbekannt und dem Kapitel verbunden. In Bälde würde der Dekan einen Brief an König Otto aufsetzen.

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