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Rhomäisches Reich: Der Prozess gegen Romanos Argyros hat begonnen. Das Reich hat mit Honorios Zarides einen neuen Reichskanzler, neuer Innenminister ist Ioustinianos Doukas.
Armenien: König Aschot III. wurde prunkvoll gekrönt. Der Reichsprotektor Ioannes Kourkouas ist in Kars eingetroffen.

[Gemächer des Parakoimomenos] Majestät bei des Reiches oberstem Eunuchen

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Mittwoch, 27. Februar 2019, 21:40

Majestät bei des Reiches oberstem Eunuchen

Es kam verhältnismäßig selten vor, dass der Kaiser sich in zu den Gemächern anderer Höflinge begab, da er sie selbstredend jederzeit zu sich zitieren konnte. In den letzten Monaten war es kaum zu einer Abweichung von dieser Regel gekommen. Ausgenommen waren eigentlich nur Ismene, Helena, Theophano und Zenon – allesamt engste Familienmitglieder und alle selbst im kaiserlichen Range. Der einzige Normalsterbliche, der in den Genuss kam, war der Parakoimomenos, wobei auch der als Nobelissimos streng genommen zur Familie gehörte, wurde dieser Titel, mit dem die Anrede Hoheit verbunden war, doch nur äußerst selten vergeben und stand direkt unter einem Kaisar. Somit eigentlich der höchste für einen Eunuchen erreichbare Rang.

Vom unehelich geborenen Kaufmannsgehilfen bis zum obersten Eunuchen des Imperiums zu kommen, war eine typisch byzantinische Karriere, die so im Westen gar nicht möglich gewesen wäre. Erst 950 geadelt, war Kosmas Laskaris mittlerweile nicht nur Nobelissimos und Parakoimomenos, sondern auch als Proedros der Präsident des Senates, Mitglied des Kronrates und Ritter des Purpurordens. Selbst in Byzanz kam eine solche aufsehenerregende Laufbahn nicht alle Tage vor. Noch dazu vollzog sich diese irgendwie im Schatten, schienen doch alle den unscheinbaren jungen Mann zu unterschätzen, der mittlerweile als des Kaisers Erster Minister galt.

Jedenfalls besuchte Romanos den Oberstkämmerer just an jenem Tage, als ein Schreiben aus Edessa eintraf. Mit demselben in der Hand, betrat der Kaiser die durchaus ausgedehnten Gemächer des Laskaris, die ja gleich an seine eigenen angrenzten und mehr oder weniger zusammengehörten. Kosmas schien sich gerade auszuruhen, denn Romanos fand ihn auf einer Chaiselongue vor.

"Verzeih dieses mein Eindringen", entschuldigte sich der Kaiser, "aber es gelangte soeben ein Schreiben meines Oheims Argyros aus Edessa in meine Hände." Bisher hatte niemand außer Romanos dessen Wortlaut zu Gesicht bekommen. Dass er es nun ausgerechnet dem Obersteunuchen reichte, sprach Bände hinsichtlich des Einflusses dieses ... Mannes. "Wie soll ich darauf reagieren, Kosmas?", fragte er denselben etwas hilflos und zitiere dann einen Satz: "'Nur eines kommen die beiden mir in die Quere, dann werde ich mich mit meinen Truppen nach Armenien absetzen ...' – darf der das?" Man konnte darin zumindest eine Drohung erkennen, um nicht zu sagen eine dem Hochverrat nahe Tendenz. Andererseits kannte Romanos seinen Onkel gleichen Namens und dessen impulsive Art und wusste, dass der Mann eigentlich absolut loyal war, nur manchmal eben übers Ziel hinaus schoss.

Der Reaktion des scheinbar Allwissenden harrend, wartete der Kaiser gespannt die Expertise seines Mignon ab.

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Sonntag, 3. März 2019, 10:20

Der Parakaimomenos war freudig Überrscht das der Autokrator sich zu ihm begeben hatte anstatt ihn herbeizuzitieren. Der junge Eunuvh schien im Moment enorm hoch im Kurs zu stehen und wollte das dies auch möglichst lange so blieb. Als der Kaiser ihm dann das Schreiben des Argyros vorlegte wurde Kosmas leicht schlecht. Hier musste er vorsichtig sein. Die falsche Entscheidung könnte ihm schnell tödliche Feinde einbringen. Romanos Argyros war nicht zu unterschätzen und auch Kosmas eigener Vater, Bardas Phokas, würde eine dumme Idee seines Sprösslinhs sicher nicht tolerieren, denn Kosmas dumme Ideen würden jetzt die dummen Ideen des Autokrators werden und der hatte nun wahrlich schon genug eigene.

Der Parakaimomenos dachte darum scharf nach und sah (so hoffte er zumindest) intelligent und bedacht aus. Nach einer Weil schüttelte er den Kopf und sagte:

"Nun dies ist sicher nicht der Ton den sich irgendjemand gegenüber Euch erlauben darf und wenn Ihr es wünscht würde dies ausreichen den Argyros wegen angedrohten Hochverrates zum Tode zu verdammen, doch wäre es wohl sehr unschön wenn Ihr das Blut Eures Onkels vergiessen müsstest und sähe auch nicht zu soverän aus. Ich glaube dies lässt sich auch weniger drastisch lösen."


Kosmas legte eine dramatische Kunstpause ein um die Spannung zu steigern und fuhr dann fort:

"Ich würde empfehlen das Ihr Eurem Onkel antwortet das Ihr von ihm erwartet alles für den Sieg des Reiches und den Triumph der heiligen Mutter Kirche über die Ungläubigen zu tuen. Erwähnt seine Drohung nicht, aber macht klar das Ihr einen Sieg erwartet. Kann er ihn ohne Verstärkungen erlangen um so besser, aber sobald diese Eintreffen hat er sich zusammenzureissen und zu kollaborieren."


Auf diesen Weg würde der Kaiser klarmachen das er Disziplin erwartete u d wenn sich die Drei nicht vertrugen war das quasi Befehlsverweigerung und ihre Schuld falls der Feldzug schiefging. Hauptsache def Kaiser und in Erweiterung Kosmas wären nicht Schuld.

"Vieleicht solltet Ihr noch einen Eurer berühmten geistreichen Aussprüche hinzufügen. Ich erinnere mich wie Ihr nach der Eroberung Zyperns sagtet: "Der Sieg bedarf keiner Erklärung, die Niederlage erlaubt keine!""


Romanos II hatte das natürlich nie gesagt, aber Kosmas verstand sich sehr gut darin ihm zu Schmeicheln und da der Kaiser während der Siegesfeier sehr, sehr betrunken gewesen war würde er sicher als letzter anzweifeln das er dies auch wirklich gesagt hatte.

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Sonntag, 3. März 2019, 22:27

Aufmerksam verfolgte der Kaiser die Erwiderung des Parakoimomenos, der, nachdem er in sich gegangen war, zu einer Antwort ansetzte. Er betonte zwar, dass Argyros' Tonfall gar ein Todesurteil wegen drohenden Hochverrates legitim erscheinen ließ, dass es gleichwohl ein für den Kaiser unvorteilhaftes Bild abgäbe, würde er sich zu einem solch drastischen Schrittes entschließen. Scharfsinnig regte Laskaris vielmehr an, vom kaiserlichen Oheim den Sieg zu verlangen, gleich wie der auch immer zustande kommen mochte. Jedenfalls habe er sich zusammenzunehmen und mit der anrückenden Verstärkung unter Reichskriegsminister und Reichsmarschall zu kooperieren. Das Ganze sollte man mit einem der typischen gewitzten Aussprüchen, welche vom Esprit des Kaisers zeugten, garnieren, wobei er Romanos gleich ein eindrückliches Beispiel in Erinnerung rief.

Der Kaiser war zunehmend von diesen Worten begeistert und nickte hie und da eifrig. "Kosmas, mein Freund, was täte ich nur ohne dich und deine weisen Ratschläge", meinte er zum obersten Eunuchen und umarmte ihn schließlich herzlich, indem er ihn an seine Brust drückte. "Du hast völlig recht. Genauso wird man reagieren. So und nicht anders." Die Gedankengänge des Oberstkämmerers wurden somit zu des Kaisers eigenen. Tatsächlich glaubte Romanos in diesem Moment, er habe den besagten Ausspruch selbst getätigt. Dass man ihm besonders geistreiche Ergüsse in den Mund legte, war ja nichts Neues.

Wie er ihn so näher betrachtete, fiel dem Kaiser das neue Schuhwerk auf, welches den Laskaris zierte. Er war ja erst vor einer Weile beim bewährten Schuhmachermeister Sarentos gewesen und hatte sich dort neu eingedeckt, auch wenn dies nicht der einzige Grund für diesen Besuch gewesen war, wovon der Kaiser indes nichts wusste. "Wahrlich, du weißt dich zu kleiden. Auf diese Schuhe bin ich ja fast neidisch", witzelte Romanos. Wenige Männer besaßen ein solches Gespür für ein stilsicheres Auftreten wie der König der Halbmänner. Die Schuhe des Parakoimomenos hatten einen orientalisch anmutenden Hauch, waren in ihrer Grundfarbe ozeanblau gefärbt, mit güldenem Glitzer übersät sowie mit kostbaren Edelsteinen besetzt. Der Kaiser war sich nicht zu schade dafür, sich wie ein Lakai hinabzubeugen, um sie genau in Augenschein nehmen zu können. Gleichsam vor dem Eunuchen kniend, umschlang der Welten Herr unerwartet desselben Beine und meinte ganz pathetisch: "O was bist du mir doch für eine teure Stütze in meiner mir von Gott aufgetragenen Regierung!" Sprach's und küsste in der Art eines niederen Domestiken des Chefeunuchen Schuhwerk, ohne Anstalten machen, sich all zu bald wieder zu erheben, wie es die natürliche Ordnung vorgesehen hätte. "Verlangt es dich nach irgendetwas, so tu es mir ohne Umschweife kund und spare dir jede Bescheidenheit, will ich dir doch gerne geben, was auch immer du begehrst." Also eine Art Freibrief für noch so ausgefallene Wünsche. Dass ihn der Laskaris vorbehaltlos anhimmelte, dessen war sich der Autokrator längst gewiss. "Ich könnte Ohm Argyros etwa anweisen, uns mohammedanische Knaben zu schicken, die hiesigen Eunuchenstaat erweitern sollen." Dass Kosmas eine Schwäche für Hoden hatte, war Romanos ja nicht verborgen geblieben. Gerüchten zufolge hatte er schon eine beträchtliche Sammlung derselben.

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Montag, 4. März 2019, 09:36

Der junge Eunuchen nahm mit grosser Befriedigung zur Kenntniss wie sehr ihm der Kaiser zugeneigt war. Es war die Zeit gekommen das er dies Ausnutzte und so stimmte er dem Vorschlag des Autokrators gleich begeister zu.

"Was für eine hervorragende Idee, Eure Majästät! Wo wir ja nun bald grössere ehemals muselmanische Gebiete zu verwalten haben ist es nur sinnvoll landeskundige Eunuchen in der Verwaltung vorzuhalten. Bitte weist Euren Oheim an mir mindestens 200, nein besser 300 junge Männer zu schicken, aber noch unkastriert. Ich will selber auswählen wer sich für den Palastdienst eignet."


So wirklich gelogen war nichts von dem was der Parakaimomenos gesagt hatte, aber er hatte einiges ausgelassen. Er vergass zu erwähnen das er in den vergangenen Wochen eine nie dagewesene Eunchenproduktion auf die Beine gestellt hatte. Ein Landgut das einem Verräter aus dem Bürgerkrieg gehört hatte war der Krone und damit irgendwie ja auch dem Parakaimomenos zugefallen und von diesem in ein spezielles Hospital verwandelt worden. Mit zwei erfahrenen Eunuchenmachern und mehreren Helfern und Pflegern war es die grösste Kastrationsfabrik der rhomäischen Geschichte geworden, vergleichbar nur mit den bekannten Kastrationszentren in Verdun und Prag. Ein Dutzend Knaben und junge Männer büssten hier jetzt täglich ihre Männlichkeit ein. Das machte gut 3000 Hodenlose im Jahr. Auch wenn man annahm das der Parakaimomenos vorbildlich jedweden Eunuchenmangels im Palast vorbeugen wollte war das doch deutlich zuviel. Dies erklärte sich damit das die neue Eunuchenauswahl sehr strikt war und ein Grossteil der frisch Kastrierten vom Parakaimomenos ausgesondert wurden. Das diese dann gewinnbringend im Reich und zj den Muselmannen verkauft wurden war ja nur ökonomisch sinnvoll und wer konnte sich da schon beschweren wenn solch ein umsichtiger Parakaimomenos sich da eine kleine Bearbeitungsgebühr von jedem Verkauf einbehielt. So konnte Kosmas sein Hobby mit dem nützlichen Verbinden. Manchmal wunderte er sich ob er in die Geschichtsschreibung als Kosmas der kastrierte Kastrierer eingehen würde. Na es gab schlimmeres.

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Dienstag, 5. März 2019, 17:38

Dass der Obersteunuch seine eigene Politik verfolgte, entging dem Kaiser deswegen, da er diese mehr und mehr mit seinen eigenen politischen Überzeugungen gleichsetzte. Nicht die offiziell zuständigen militärischen Berater, sondern der Parakoimomenos beriet den Autokrator in dieser delikaten Angelegenheit, die letzten Endes nichts anderes war als ein zunehmend offen ausgetragener Machtkampf der Führungsebene im Militärwesen. Immerhin, so konnte man einwenden, waren des Laskaris Ratschläge meist rational nachvollziehbar und hatten wohl durchaus das Staatswohl im Sinne. In Sachen Argyros sollte also zwar eine Drohkulisse aufgebaut werden, aber vor wirklich einschneidenden Maßnahmen zurückgeschreckt werden. Laissez-faire in Formvollendung eigentlich.

"Jawohl, 300 erscheint mir überaus angemessen", pflichtete der Kaiser dem Oberstkämmerer (natürlich) bei. Dass dies eigentlich völlig übertrieben war, mochte Romanos nicht bewusst sein, war er doch generell megalomanisch aufgewachsen. Ein Heer von 300 muslimischen Eunuchen, die direkt dem Laskaris unterstünden, würde dessen Macht noch weiter ausbauen, waren diese Kastraten doch mehr noch als die anderen vom Wohlwollen des Parakoimomenos abhängig, da wegen ihrer väterlichen Religion schon per se verdächtig.

Während sich die Majestät in eigentlich unwürdiger Weise vor dem Antlitz des einstiegen Kaufmannsgehilfen demütigte, konnte sich derselbe in all seiner neuen Prachtentfaltung sonnen. Sich langsam, unter Zuhilfenahme des treuen Eunuchen, wieder empor hievend, hatte es fast den Anschein, als sei der Kaiser zuletzt etwas denkfaul geworden, bediente er sich doch der Gedanken des Kosmas, als wären es seine eigenen gewesen. "Das Schreiben wird noch heute an meinen Oheim gehen." Womit die Order des Parakoimomenos unter dem kaiserlichen Siegel ihren Weg finden würde. Die im alkoholisierten Zustande zunehmend zittrige kaiserliche Hand, welche die Unterschrift zu setzen pflegte, wurde bereits ab und zu vom Laskaris geführt, als sei es das Normalste der Welt.

"Sage mir, o Freund, wäre ich dir denn als Eunuch anheimelnder?", fragte ihn Romanos plötzlich und durchaus widersinnig, konnte ein Eunuch doch unter keinen Umständen Kaiser sein. Da der Parakoimomenos aber bekanntlich ein Faible hatte für die Kastrierten, mochten ihm die echten Männer vergleichsweise langweilig vorkommen, und war es selbst der Kaiser. Ismene würden diese sonderbaren Gesprächsthemen, die ihr Gemahl und ihr (wenn auch nicht bewusst als solcher wahrgenommener) Halbbruder führten, wohl höchst befremdlich vorkommen.

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Mittwoch, 6. März 2019, 08:51

Der Parakaimomenos war hoch erfreut wie sehr er den Kaiser um den Finger wickeln konnte. Als dieser dann doch eher gewagt fragte ob er dem Laskaris als Eunuch lieber wäre musst er fasst loslachen und sagte dann schmunzelnd:

"Darüber habe ich noch nie nachgedacht! Ich wähle ja oft neue Eunuchen aus. Ich hatte immer den Eindruck das Ihr Eure Aufgabe als Autokrator hervorragend erfüllt und jemand muss sich ja um das Reich kümmern, aber wenn das Schicksal anders verlaufen wäre wärt Ihr bestimmt ein hervorragender Eunuch geworden. Solltet Ihr wie Euer Vater dereinst mal in den Ruhestand treten wollen werde Ich Eure Bewerbung sehr wohlwollend in Erwägung ziehen."


Damit lachte der Parakaimomenos herzlich auf und grinst den Kaiser schelmisch an.

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Donnerstag, 7. März 2019, 18:36

Der Kaiser musste herzhaft loslachen, als ihm der Parakoimomenos eröffnete, wie es um seine etwaigen Chancen stünde, dem Eunuchentum als etwaiger abgedankter Herrscher beizutreten. Es wäre wahrlich ein Novum gewesen. Dass es sich um keine ernst gemeinten Überlegungen handelte, lag wohl auch für Laskaris auf der Hand.

"Fürwahr, im allerärgsten Falle gäbe es somit noch eine Zuflucht für einen geschassten Autokrator", grinste er den Oberstkämmerer an. "Jedenfalls bin ich mir sicher, dass wir bald schon 300 neue Eunuchen aus dem Orient hier begrüßen dürfen. Die strenge Selektierung derjenigen, die für das engste höfische Umfeld in Frage kommen, obliegt selbstredend deiner geschätzten Expertise." Denn längst nicht jeder Eunuch war schließlich dafür geeignet, Dienst beim Kaiser selbst zu verrichten. Eher mäßig begabte Kastraten kamen nicht in den Genuss, in den innersten Zirkel vorzustoßen. Deswegen herrschte auch ein munterer Konkurrenzkampf, der nicht selten mit fragwürdigen Mitteln geführt wurde und zum intriganten Rufe der Eunuchen erheblich beitrug. Jeder war sich eben selbst der Nächste. Kosmas Laskaris mochte dies eher belustigen, hatte er doch den Aufstieg in die höchsten Höhen geschafft und saß augenscheinlich besser im Sattel als viele seiner Vorgänger, agierte er doch deutlich umsichtiger und vorausschauender – und hatte eben noch dazu inoffiziell eines der mächtigsten Adelshäuser des Reiches hinter sich.

"Ach ja, was mir bei dieser Gelegenheit einfällt: Ich möchte anregen, dass diejenigen Eunuchen, die nicht durch naturgegebene Haarpracht gesegnet sind, künftig adrette Perücken zu tragen haben. Kein Eunuch soll kahlköpfig bei Hofe verkehren." Obwohl das Gros derselben unter dreißig war, gab es dieses Phänomen eben. Das optische Erscheinungsbild war einem Manne wie Romanos, dem die Ästhetik sehr wichtig war, von höchster Bedeutung.

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Sonntag, 10. März 2019, 08:59

Kosmas hatte nicht falsch gelegen als er angenommen hatte das er sich einen Spass mit dem Kaiser erlauben könnte. Jeder andere hätte wharscheinlich den Scharfrichter wegen Hofverrates besucht für einen Witz über die Kastration der kaiserlichen Geschlechtsteile. Natürlich scherzte Kosmas nur, war Romanos II doch sein Zugang zur Macht. Lang möge er herrschen!

Es gab allerdings einen kaiserlichen Hodensack den der Parakaimomenos gerne entleert sehen würde. Der junge Alexandros III war momentan ja der designierte Nachfolger des Kaisers, doch zeugte der ja hoffentlich noch reichlich potentielle Nachfolger mit Kosmas Halbschwester Ismene. Dann würde Alexandros unnötig sein und ohne Mutter die ihn unterstützte sollte er froh sein wenn er kastriert als hoher Hofbeamter endete. Andere Wege einen Thronfolger zu entsorgen waren deutlich hässlicher als eine professionel ausgeführte Kastration. So sehr Kosmas liebte über die zukünftige dynastische Macht seiner Familie nachzudenken war ihm doch klar das im Moment noch nicht der Zeitpunkt war daran zu arbeiten, aber Alexandros war ja erst sechs Jahre alt und es war noch reichlich Zeit. Honorios hingegen könnte schon bald in den Genuss der Aufmerksamkeit des obersten Eunuchen des Reiches kommen können. Seit seine Mutter Zoe den Abflug gemacht hatte war er noch schutzloser als Alexandros und auch kein Basileus. Kosmas nahm sich vor bald mit dem Kaiser über eine eventuelle Entmannung seines Zweitgeborenen zu sprechen, aber das konnte noch ein wenig warten.

Für den Moment war es wichtig sich weiterhin für den Autokrator unverzichtbar zu machen und seine Macht im geheimen auszubauen. Darum pflichtete er dem Perückenvorschlag gleich bei und beschloss ihn auch gleich zum Abschieben von ein paar älteren Eunuchen die zu einflussreich für seine erste Säuberungswelle gewesen waren zu nutzen.

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Donnerstag, 14. März 2019, 22:01

Die Gedankengänge des Obersteunuchen hinsichtlich potentieller Eunuchen aus dem kaiserlichen Hause waren so absurd gar nicht, da es zumindest etwaige Thronkämpfe verhinderte, wenn die Brüder des zukünftigen Herrschers kastriert waren und daher nicht einmal in der Theorie für den Thron in Frage kamen. Natürlich barg es auch ein gewisses Risiko in sich, konnte der Thronfolger ja auch vor der Zeit zu Gott berufen werden. Noch stand Romanos' zweiter Sohn Honorios nach Alexandros an zweiter Stelle in der Thronfolge. Würde er zum Eunuchen, dann würde Romanos' Adoptivsohn Matthaios aufrücken, den Ismene aus ihrer ersten Ehe mit Tiberios mitgebracht hatte. Der Aufschrei würde im Falle von Honorios also wohl gering ausfallen, da es seit Zoes Tod niemanden mehr gab, der sich offen dagegen ausspräche. Helena schwärmte von Alexandros und konnte mit Zoes Brut wohl ohnehin nur notdürftig etwas anfangen. Und auch für die Phokades war Honorios eher ein lästiges Problem, dass zwischen ihrem theoretischen Thronanspruch stand. Sollte Kosmas dieses heikle Thema also dereinst ansprechen, so konnte er durchaus mit dem einem geneigten Kaiser rechnen, so er es gekonnt herüberbrächte. Für den Augenblick aber war es kein wirklich vorrangiges Thema. Wie meistens verbrachte der Kaiser also den Großteil des Tages in der Gesellschaft des Parakoimomenos, der sein Amt deutlich geschickter verwaltete als seine unmittelbaren Vorgänger.