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Rhomäisches Reich: Vor Edessa ist es zur Entscheidungsschlacht zwischen römischen und muslimischen Truppen gekommen.
Kirchenstaat: Der Papst hat Legaten nach Konstantinopel und Augsburg entsandt.

[Gemächer der Basilissa Helena] Die Lust am Bösen

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Montag, 25. Februar 2019, 16:15

Die Lust am Bösen

Die Gemächer der Basilissa waren weitläufig und groß. Im Grunde waren es mehrere Räume, es gab sogar einen großen begehbaren Balkon. Wie selbstverständlich verneigten sich die Lakaien auch vor dem Akrita, der der Basilissa in die Gemächer folgte. Man setzte sich und ließ sich, wie geplant, Wein servieren. Petros wartete, bis sich der Diener ein wenig zurückgezogen hatte, dann erhob er sein Glas. „Auf einen angenehmen Abend“, prostete er Helena zu und lehnte sich dann zurück.

„Ich frage mich, wo ich anfangen könnte. Unser letztes Gespräch – damals bei der Ehrung – hat mich natürlich einigermaßen motiviert, das möchte ich Euch ganz offen gestehen.“ Er nippte wiederum an seinem Becher Wein. „Man will ja vor der Basilissa nicht schlecht dastehen. Also habe ich mich unverzüglich an die Arbeit gemacht. Nun aber bin ich mir nicht sicher, welche meiner Schlachten Euch am meisten interessieren könnte; ich habe alles Denkbare anzubieten: Scheinraubüberfälle, Brandangriffe auf Lagerstätten, Piraterie, Infiltration und natürlich … Unfälle.“ Er lächelte vieldeutig und blickte die Basilissa direkt an.

„Ah, vielleicht erinnert Ihr Euch an die kleine Schlappe beim Kaisergeburtstag? Der Senator hatte doch tatsächlich zunächst zu wenig geliefert und die Nachlieferung dann war ungenießbar säuerlich. Gott sei Dank konnte ich spontan einige hundert Fässer besten Weins entbehren. Natürlich war das alles kein Zufall. Ich habe ein paar meiner Leute ins Lagerhaus des Senators geschickt, die mit Spritzen Essigessenz in die Weinfässer injizierten. Aber das war im Vergleich noch eine denkbar harmlose Aktion.“ Gespannt wartete der Weinbaron die Reaktion der Basilissa ab. Theoretisch erzählte er hier gerade einem der – potentiell – höchsten Richter des Reiches, der Basilissa, von seinem rücksichtslosen kriminellen Treiben. Diese Stimme, die so warm und kalt zugleich war, konnte ihn mit einem Wort einsperren oder exekutieren lassen. Aber das konnte diese Stimme ohnehin mit fast jedem Menschen innerhalb des Reichsterritoriums tun.

[Fortsetzung von: Unerwartetes Zusammentreffen]

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Freitag, 1. März 2019, 00:04

Gemeinsam schritt man durch die weitläufigen Flure des Palastes in Richtung der Gemächer der Basilissa. Im Vergleich zum Verwaltungstrakt war es hier deutlich ruhiger, weil keine Beamten durch die Gegend hetzten, nur hier und da sah man Diener, die die Zimmer der Palastbewohner reinigten, während ebenjene unterwegs waren. Die Gemächer der Basilissa lagen im dritten Stock und bestachen nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch die unbezahlbare Einrichtung, die sich über die Jahre angesammelt hatte. Seit der alkoholbedingte körperliche wie auch psychische Verfall ihren Gatten fest im Griff hatte, hatte sie sich immer öfter hierher zurückgezogen. Sie konnte sich nicht einmal mehr an den letzten Besuch des Altkaisers in ihren Räumlichkeiten erinnern; und im Grunde war das auch gut so.

Während die beiden also den Flur entlang schlenderten, berichtete der Weinbaron stolz von dem Auftrag, den er in der Tasche hatte. Wohlwollend und anerkennend hatte Helena genickt; es war ein kleiner Sieg, aber immerhin etwas. Zumindest für die gegebenen Verhältnisse. Es dauerte eine ganze Weile, bis man in den Gemächern angekommen war und Helena hatte die Gelegenheit genutzt, ihrem Gast hier und da etwas über die Architektur oder verschiedene in den Fluren ausgestellte Kunstwerke wie Statuen oder Gemälde, zu erzählen; man war ja schließlich gebildet. In den Gemächern angekommen ließ Helena eine Flasche ganz besonderen Rotweins bringen und orderte der Dienerschaft dann an, die beiden Herrschaften allein zu lassen. Einzig zwei Soldaten verblieben in den Räumlichkeiten und flankierten den einzigen Ausgang, wo sie wie versteinert stehen blieben.

Gemeinsam mit ihrem Gast erhob Helena das Glas und stieß mit ihm an. "Ein exquisiter Tropfen, ein Rotwein aus dem ägyptischen Nildelta. Der Basileus Zenon hatte mir einige Flaschen davon geschenkt, weil er geradezu begeistert davon war. Und ich muss sagen, der Wein ist wirklich ganz vorzüglich." Als Kenner des Rebensaftes hatte der 'Weinbaron' sicher auch einige Worte über den Rotwein zu verlieren. Ob er ein solches Tröpfchen schon einmal kosten durfte? Balsamon erzählte der Basilissa dann, ihr letztes Gespräch hatte ihn motiviert. Helena schenkte ihm daraufhin einen vielsagenden Gesichtsausdruck, als wäre sie sich der Wirkung ihrer Erscheinung durchaus bewusst. Er gewährte ihr einen Einblick in seine Methoden, die er bisher genutzt hatte, um seinen Widersacher auszustechen. Beim Wort "Unfälle" wurde die Basilissa hellhörig. Auch ihr war der Gebrauch... gewisser Umstände nicht völlig fremd, hatte das Reich doch durch ihre eigene Hand seine Kaiserin binnen weniger Augenblicke verloren. Unweigerlich wanderte Helenas Blick zu dem riesigen Balkon, der einen atemberaubenden Ausblick erlaubte. Dort, an der Brüstung, die sie jetzt mit ihren haselnussbraunen Augen anstarrte, hatte Zoe den Tod gefunden. Nun - genau genommen war es nicht die Brüstung, sondern der Boden, auf den ihr Körper so unschön aufgeschlagen war. Die Leiche war umgehend beseitigt und unter dem Balkon der kaiserlichen Gemächer drapiert worden, um das ganze wie Selbstmord - oder eben einen Unfall aussehen zu lassen.

Helena wurde jäh aus ihren Gedanken gerissen. Sie hatte die letzten Worte ihres Gegenübers nur verschwommen wahrgenommen, war sie doch in ihren Gedanken versunken gewesen. Nun erhob sie sich, schritt grazil zu einem Sekretär, auf dem der Weinkrug stand und füllte ihr Glas erneut*. Sie gönnte sich einen großzügigen Schluck aus ihrem Weinbecher und sah Petros in die Augen. "Überfälle, Brandstiftung und Piraterie. Alles legitime Mittel in einem Krieg, doch gehe ich wohl recht der Annahme, dass Ihr dabei selbst nicht tätig geworden seid, sondern irgendwelchen Abschaum für Eure Drecksarbeit bezahlt habt?", fragte sie ganz offen heraus und wirkte wenig beeindruckt. Ein normaler Mensch, der so stolz von diesen Dingen berichtet hatte, wäre nun wohl völlig niedergeschlagen gewesen. "Niemand sollte sich zu schade sein, sich selbst die Hände schmutzig zu machen." Dann erst schritt sie zurück zu Petros und setzte sich ihm gegenüber. Es war ganz offensichtlich, dass sie versuchte, ihr Gegenüber aus der Reserve zu locken. Und es war ebenso offensichtlich, dass ihr dies heute Abend gelingen würde.


Sim-Off:
*An unhappy wife is a merchant's best friend

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Freitag, 8. März 2019, 11:00

Petros war sich seiner Situation vollkommen bewusst. Er, der sich nie in die Karten blicken lassen wollte, musste diese vor der Basilissa – zumindest teilweise – offenlegen. Sieg und Niederlage lagen hier eng beieinander, könnte ihn die Dame doch mit einem Wink einsperren lassen. Nur hatte Petros das starke Gefühl, dass die Basilissa ihn in seinen kriminellen Handlungen vielmehr noch anfeuern, als ihm ein Hindernis darstellen würde.
Der Weinbaron nahm den exquisiten Tropfen dankend entgegen und lauschte den Worten der hohen Frau, die diese Kostbarkeit scheinbar vom Basileus Zenon geschenkt bekommen hatten. Ein Rotwein aus dem Nildelta. Petros nippte betont vorsichtig daran. „Ein vorzüglicher Wein, Majestät, doch nichts Anderes hätte ich mir bei Euch, gnädigste Frau, erwartet. Ein Poltos-Wein hätte mich in diesem hochherrschaftlichen Ambiente Eurer Gemächer auch eher enttäuscht, ja, fast schockiert, wenngleich ich Euch versprechen kann, dass der Poltos-Wein zur Zeit immerhin nicht nach Essig schmeckt, zumindest also zum Verzehr geeignet ist. Dafür kann ich bürgen.“ Bei den letzten Worten grinste er. Der Wein war in der Tat besonders gut, was den Balsamon zu der – für ihn ungewöhnlich philosophisch anmutenden – Bemerkung brachte: „Man meint fast, die Reinheit und Kraft des Nils herausschmecken zu können.“ Vielleicht sollte er einmal seine Fühler in diese Gegend ausstrecken? Würde er ein derartiges Weingut ergattern, egal zu welchem Preise, könnte er wohl den Basileus Zenon und auch die Basilissa Helena nachhaltig auf seine Seite ziehen – zumindest was die Präferenz des Weinlieferanten anbelangte. Vielleicht könnte er dann auch direkt an den Basileus liefern?

Einstweilen ging es aber nicht um die Zukunft, sondern um die Vergangenheit. Beim Wort „Unfall“ blickte die Basilissa zum Balkon und der Blick des Balsamon folgte ihr dorthin. Er war sich nicht sicher, was er darunter verstehen sollte, merkte sich die Begebenheit aber. „Natürlich war ich nicht selbst zugegen, als Schiffe gekentert und versenkt wurden, als Karawanen überfallen, Lagerhäuser angezündet, hunderte Fässer Wein durch Essigessenz ungenießbar gemacht wurden“, gab er zu und schien die Basilissa enttäuschen zu müssen. Dann aber fuhr er fort: „Aber ganz wir Ihr es sagt: Man muss schon auch einmal die eigenen Hände für das eigene Werk gebrauchen. Aber im Idealfall, wenn man es gut vorausplant, werden einem nicht einmal dann die Hände schmutzig.“

Petros war mit seinem Blick die ganze Zeit über der Basilissa gefolgt, die sich erst jetzt ihm gegenüber niederließ. Der Weinbaron stellte seinen Kelch ab und lehnte sich zurück. „Habt Ihr von dem Verschwinden der Lucretia Pergamos gehört? Diese Frau, die mit einem Hofbeamten liiert war, konnte mir den Weg in den Palast ebnen. Nunja, sie war ein willfähriges Werkzeug nur glaubte sie, es handele sich bei unserer Beziehung um wahre Liebe.“ Bei den letzten zwei Worten blickte er der Basilissa in die Augen und musste fast lachen. „Jedenfalls wollte sie mich erpressen und unsere Affäre publik machen, wenn ich ihr nicht mein Herz schenkte. Nunja, ich versprach ihr mein Herz und wir verabredeten uns zu einem romantischen, haha!, Spaziergang an der Seemauer. Dummerweise rutschte sie aus und fiel über die Brüstung.“ Er wischte sich die (ohnehin saubere) Hand symbolisch am Ärmel ab und zuckte mit den Schultern. „Es war ihre eigene Schuld, kann ich es doch nicht zulassen, dass irgendeine dahergelaufene lüsterne Hofschranze mir mein Lebenswerk zerstört.“ Freilich hatte er ihren möglichen Tod von Anfang an einkalkuliert. Nun kam der Höhepunkt der Diabolik: „Ihr trauernder Ehegatte war es übrigens, der mir soeben diesen Lieferauftrag ausgehändigt hat. Ich versprach ihm Hilfe bei der Suche nach seiner vermissten Frau. Zufällig weiß ich ungefähr, wo ihre Leiche herumschwimmen könnte, befürchte aber, dass sie längst zu Fischfutter geworden ist. Majestät sehen also, dass ich mir keineswegs zu schade bin, auch selbst Hand anzulegen. Ich bin zu allem bereit, was mich an diesen kaiserlichen Hof bringen könnte."

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Montag, 11. März 2019, 18:24

Der Smalltalk - mehr war es nicht - über Wein schien das Gespräch nur wenig aufzulockern, ja, es wirkte versteift und künstlich. Ein solches Gespräch würde man bei einem offiziellen Anlass führen, wenn viele Menschen anwesend waren, doch nicht, wenn man unter sich war. Zugegeben, die Basilissa hatte das Gespräch angefangen, um das Eis zu brechen, doch wollte sie auch schnellst möglich von dem Thema wieder weg. Einzig eine Anmerkung erlaubte sie sich auf die Worte des Weinbarons, der Ausschank des Rebensaftes seines bittersten Konkurrenten hätte ihn enttäuscht. "In der Regel stellt ein Mundschenk den Wein zur Verfügung. Die Leute wissen, welcher Wein mir zusagt und sorgen für eine abwechslungsreiche Verköstigung - so ist mir meist unbekannt, was für einen Tropfen genau ich vor mir habe. Meine Zunge mag nicht ganz so feinfühlig sein wie die Eure... was den Wein belangt", fügte sie noch zu der recht doppeldeutigen Ausführung hinzu und ihrem Blick war keinerlei Regung zu entnehmen, wie sie diese gemeint haben könnte.

Das Gespräch nahm so dann eine interessante Wendung, welche die Basilissa dazu nötigte, sich vorzubeugen. Sie klebte förmlich an gen wohlgeformten Lippen des Weinbarons, als dieser schilderte, wie er an diesen Vertrag gekommen war, den er nun in der Tasche hatte. Offenbar war er selbst bereit dazu, äußerste Schritte einzugehen. So offen einen Mord vor einer Basilissa zu gestehen hätte in aller Regel deutlich nach hinten losgehen können. Man brauchte nicht einmal ein Gericht, nein, Helena hätte jeden x-beliebigen Bürger in Ketten legen und in den Kerker werfen lassen können. Nichts, was in der Vergangenheit nicht schon passiert wäre - mehr als ein Mal und aus weitaus harmloseren Gründen.
Die Perversion, dass er im Nachhinein ausgerechnet mit dem Gatten der verblichenen Hure, derer Liebe er sich bedient hatte, schien durchaus etwas Erregendes zu haben. "Mein lieber Baron, Ihr seid aus einem einzigartigen Holz geschnitzt. Ich muss sagen, ich habe Euch unterschätzt. Und dafür verdient Ihr meine Hochachtung." Helena deutete eine leichte Verneigung an, die eher ein tiefes Nicken war, aber es war da - und in seiner Art vermutlich einzigartig. Dabei erhob sie ihr Kristallglas, um auf das Wohl ihres Gastes zu trinken. "Nun sagt mir", fuhr sie dann in verführerischem Tonfall vort und beugte sich weiter nach vorne. "Was sind die nächsten Pläne des Petros Balsamon?" Sicher würde der Baron sich nicht auf diesem kleinen - wenn auch respektablem - Etappensieg ausruhen.

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Dienstag, 12. März 2019, 09:55

Gewiss spielte der Weinbaron hier mit einem hohen Einsatz. Der Einsatz war nichts geringeres als sein eigenes Leben. Diese seine Worte, die er hier so unverhohlen aussprach, wären in einer anderen Situation und gegenüber einer anderen Person schlichtweg als ein Mordgeständnis zu verstehen gewesen. Und nach dem geltenden Recht hätte jeder aufrechte, rechtsbeflissene Bürger dieses Geständnis an eine Behörde melden müssen, um sich nicht der Mittäterschaft schuldig zu machen.
Für die Basilissa galten derartige Regeln natürlich nicht. Oder im Grunde schon, doch wieso sollte sie sich darum scheren? Und spielte der Balsamon wirklich so hoch? Selbst ohne dieses Geständnis hätte die Basilissa, sollte sie auch nur Langeweile oder Überdruss handeln, grundsätzlich einen jeden Rhomäer mit einem Wink oder einem Wort einsperren lassen können. Das machte also keinen großen Unterschied.

Es war in diesem Falle also keineswegs ein Geständnis. Prahlerei war es auch nicht unbedingt, denn Prahlerei würden sowohl den Akrita als auch die Basilissa von Natur aus ablehnen. Wie man ein solches Gespräch überhaupt bezeichnen könnte, erscheint ein Rätsel. Ein Arbeitsbericht trifft den Nagel ja auch nicht auf den Kopf. Aber über solche Fragen könnten sich die Neuplatoniker den Kopf zerbrechen; ebenso schienen beide, Helena und Petros, sich einig, auch das Sinnieren über den Wein den Philosophen zu überlassen. Die Andeutung bezüglich ihrer Zunge, die zumindest was das Erkennen von Rebsorten nicht so feinfühlig sei, verstand der Weinbaron natürlich und wäre er nicht er selbst gewesen, so wäre ihm sicherlich die Röte ins Gesicht gefahren. So aber lächelte er stumm und sein Blick hing an ihren Lippen.

Seinen Bericht fand die ehemalige Kaiserin aber ganz offensichtlich weitaus interessanter. Sie beugte sich nach vor und sog jedes seiner Worte auf. Am Ende überschüttete sie ihn – für ihre Verhältnisse! – mit Lob und neigte gar den Kopf aus Respekt. Der Weinbaron erwiderte diese Geste auf der Stelle. „Ich danke Euch für Eure Anerkennung meiner Arbeit, Majestät. Tatsächlich waren mir Eure damaligen Worte ein großer Ansporn. Nicht nur mir wollte ich es beweisen, nicht nur dem Poltos möchte ich vernichten, sondern auch Euch, Majestät, mit meinen geringen Möglichkeiten imponieren.“

Die hohe Frau fragte ihn sogleich nach seinen nächsten Plänen. Petros nippte zunächst an seinem Kelch Wein und führte dann den Status Quo aus: „Zur Zeit bin ich in Phase Zwei meines Feldzuges. Der Senator ist mittlerweile so beschädigt, dass sein Finanzverwalter die ersten kleineren Weingüter zum Verkauf ausschreibt.“ Das klang jetzt nicht sehr spektakulär oder großartig, aber der Balsamon begann breit zu grinsen. „Der Verwalter scheint indes ähnlich unfähig wie sein Herr zu sein. Diese kleineren Weingüter produzieren nämlich den qualitativ hochwertigeren Wein. Ein gewisser Manes Malekes kaufte das erste dieser Weingüter günstig auf; blöderweise wird sich in den nächsten Monaten zeigen, dass der Mann völlig unfähig zum Führen eines Weingutes ist, daher wird es Konkurs gehen und wiederum billig zum Verkauf ausgeschrieben.“

Er lehnte sich ebenfalls nach vor, sodass er der Basilissa fast ungehörig nahe kam. Jedoch schenkte er sich nur aus der Karaffe nach, ließ Helena dabei aber keine Sekunde lang aus den Augen. „Der Mann arbeitet freilich für mich. Und klarerweise zweigt er die Einnahmen des Gutes seit dem ersten Tage an mich ab, der Konkurs wird nur der Vorwand sein, um es praktisch zum Schleuderpreis an mich zu überschreiben. Ich veranschauliche Euch dieses Exempel daher, da es symptomatisch für mein System ist. Phase Eins war die Beschädigung. Phase Zwei ist die Übernahme. Phase Drei ist die Vernichtung des Gegners.“

Petros verharrte so in dieser nach vorne gelehnten Position und die beiden mussten auf einen Dritten wie zwei Verschwörer wirken. „Ich weiß, es ist nicht gerade spektakulär. Aber es ist effizient. Im Übrigen vermeide ich auch das Morden, bin ich doch der Meinung, dass ein Mord nur die kausale Schlussfolgerung, die Konsequenz eines selbst begangenen Fehlers oder einer Unachtsamkeit, der Nichtbeachtung einer Variabel, darstellt. Selbstverständlich schrecke ich aber auch nicht davor zurück, wenn mein Lebenswerk gefährdet erscheint. Gerne würde ich aber auch Eure Meinung hierzu hören, so Ihr geruht, diese mir gegenüber preiszugeben.“

Er hob die Karaffe und blickte die Basilissa fragend an. „Darf ich mich als Mundschenk anbieten, Majestät, und Euch nachschenken?“, fragte er dann mit einem Lächeln auf den Lippen.

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Freitag, 15. März 2019, 20:57

Der Weinbaron war ganz angetan von der Würdigung ihrer Majestät - wie konnte aus auch anders sein - und bedankte sich artig und demütig. Nicht, dass Helena wert darauf gelegt hätte, doch wäre ihr wohl das Gegenteil direkt aufgefallen. In ihrer Position hatte man eben Ansprüche an die Menschen, die einen umgaben, und dieser Anspruch war in der Regel, dass man vor ihr kuschte und sich devot gab. Wer ihr auf Augenhöhe begegnen wollte, der tat dies ganz unfreiwillig, weil man die Autorität dazu besaß; der angestrengte Versuch würde aber nichts weiter bleiben als eben das, was es war: ein Versuch. Es gab nur eine Hand voll Menschen, denen Helena mit beidseitigem Respekt gegenüber trat, darunter war Bardas Phokas als Paradebeispiel zu nennen. Der Mann hatte sich nie groß angestrengt oder einen kläglichen Anlauf gestartet, der Majestät zu imponieren, er besaß eine naturgegebene Autorität, die Helena respektierte und würdigte. Und wer nicht zu dieser Handvoll Menschen gehörte (im Grunde konnte man sich sogar unsicher sein, ob der Kaiser zu diesen Personen zählte, schließlich war er ein ständiges Opfer ihrer Manipulation und Einflussnahme), der musste eben versuchen, der Dame zu imponieren und um ihre Aufmkersamkeit und Anerkennung zu buhlen.

Wie dem auch sei, der Weinbaron hatte es geschafft, dass Helena ihm nun aufmerksam zuhörte, was nun auch nicht alle Tage passierte. "Wozu der Mittelsmann?", fragte sie zwischendurch frei heraus. "Wenn dieser Makreles (der falsche Name unterstreicht nur das Desinteresse der Basilissa an dieser Person) für Euch arbeitet und das Weingut für Euch gekauft hat, habt Ihr es dann nicht letzten Endes bezahlt?" Dann hätte Balsamon es ja auch direkt kaufen können. Durch einen Mittelsmann die Pläne zu verschleiern, wäre auch wenig erfolgversprechend, wenn der Weinbaron vor hatte, schlussendlich mehrere Weingüter aufzukaufen.
Als ihr Gegenüber von der "Vernichtung des Gegners" sprach, zauberte er der Basilissa ein Lächeln ins Gesicht. "Ich bin gespannt, wie diese Vernichtung aussehen wird, lieber Baron", sagte sie verschmitzt. "Bleibt es beim finanziellen Ruin? Werdet ihr den Mann um seinen Ruf bringen, gar um seine Ämter?" Sie pausierte kurz, dann hob sie die Hand. "Verratet es mir nicht, sonst nehmt Ihr der Sache die Spannung. So habt Ihr schon bei unserer nächsten Begegnung etwas zu erzählen." Zumindest stellte Helena mit diesen Worten ein weiteres Treffen in Aussicht. Ob dieses dann wieder zufällig passieren würde oder geplant würde, war ihrem Tonfall nicht zu entnehmen.

"Es gibt viel Schlimmeres als nur den Tod", bestätigte Helena die Aussage des Weinbarons, Mord sei nur ein Werkzeug, ein Mittel zum Zweck und nicht unbedingt immer notwendig - oder gar von Vorteil. Wenn Menschen starben, wichtige Menschen, dann wurden Fragen gestellt.

Bereitwillig hielt sie ihm ihr Glas hin, damit er ihr nachschenken konnte. Anschlißenend lehnte sie sich wieder zurück.

"Nun sagt mir, Baron...", nun hatte Helena sich entspannt und schenkte dem Baron einen eindringlichen Blick, "... bei so vielen komplexen Umständen und Teilen Eures Plans, bei so vielen Handlangern - wie könnt Ihr sicher sein, keine offenen Enden übersehen zu haben? Es wäre eine Schande, wenn irgendwer etwas ausplaudern würde. Zwar ist nicht viel auf das Wort von jemandem aus der Gosse zu geben, doch verbreiten sich derlei Nachrichten und Gerüchte bisweilen wie ein Lauffeuer." Die Basilissa trank von ihrem Wein und beobachtete den Baron über den Rand ihres Glases hinweg, gespannt auf dessen Reaktion, unwissend, dass es tatsächlich ein solches offenes Ende geben könnte.

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