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[Arbeitszimmer des Autokrators] Unterredung mit dem Finanzminister

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Mittwoch, 13. Februar 2019, 17:11

Unterredung mit dem Finanzminister

Eigentlich war es fast skandalös, wie lange Diokles Phokas, seines Zeichens immerhin Reichsminister der Finanzen, darauf hatte warten müssen. Seit mehreren Wochen hielt man ihn hin und vertröstete ihn, als er dem Kaiser seinen jährlichen Bericht hinsichtlich des Staatshaushaltes vorlegen wollte. Jetzt war Mitte Februar und noch immer war das Budget für das Jahr 952 dem Kaiser nicht offiziell vorgelegt worden. Freilich war dies in den letzten Jahren auch immer eine reine Formsache gewesen, erfreute man sich doch guter Zahlen. Glaubte man unbestätigten Gerüchten, dann sah es aber heuer anders aus. Die Kostenexplosion der letzten Zeit blieb nicht ohne Folgen. Romanos wollte von alledem nichts wissen und tat es als Kinkerlitzchen ab. Schließlich ermunterte ihn seine engste Ergebung doch noch, den armen Finanzminister endlich zu empfangen. Da der Parakoimomenos den Zugang zum Autokrator regelte, ging ohne Kosmas Laskaris in der Frage auch nichts.

Es war ein trister Februarnachmittag, als man den recht beleibten Logothetes tou genikou zum Arbeitszimmer des Kaisers führte. Romanos saß dort bereits hinter seinem Schreibtisch, auf dem eine Karaffe Rotwein stand, und wartete auf die Ankunft des Mannes, der immerhin der Onkel seiner Gemahlin Ismene war.

"Minister, da seid Ihr ja", sprach der Kaiser, als der untypische Phokas den Raum betrat. "Setzt Euch und tut Eure Pflicht. Wie sehen die Zahlen denn aus?"

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Freitag, 15. Februar 2019, 15:36

Wochen-, ja monatelang hatte Diokles Phokas, seines Zeichens Reichsminister der Finanzen, versucht, beim Kaiser eine Unterredung zu bekommen. Und obwohl es dabei nicht einmal um eine lapidare Audienz ging, sondern um den Haushalt und die Finanzlage des Reiches, hatte man ihn bisher nicht vorgelassen. Eigentlich skandalös. Theoretisch wäre es in der Macht des Finanzministers gelegen, seinen Amtskollegen den Geldhahn zuzudrehen, bis der Reichshaushalt für dieses Jahr vom Kaiser abgenickt wurde. Für einen solchen Stillstand in der Regierung hätte man aber letzten Endes zweifelsohne Diokles verantwortlich gemacht, weswegen er sich bisher zurückhielt und zwar sparsam mit dem Geld umging, jedoch keine grundlegenden Ausgaben per se verweigerte.

Diokles war ein recht ungewöhnlicher Phokas. Während aus diesem alteingesessenen Adelsgeschlecht hauptsächlich große Feldherren hervorgingen - dabei musste man nicht lange suchen, sondern würde in seinem Bruder Bardas sofort einen solchen finden - war Diokles in der Kriegskunst alles andere als bewandert und hielt sich seit jeher an Zahlen. Kein Wunder, dass er seit jugendlichem Alter die privaten Finanzen seiner Familie verwaltete, sich um die Steuern kümmerte und dafür sorgte, dass die Phokadai stets in ausgezeichneter finanzieller Lage lebten. Mit Konstantinos hatte die Familie einen weiteren ganz außergewöhnlichen Phokas hervorgebracht, was seinen Neffen für Diokles um so interessanter machte. Möglicherweise würden die beiden zukünftig mehr zusammenarbeiten, was den Minister erfreuen würde.

Nun war also jedoch der Tag gekommen, an dem man Diokles ins Arbeitszimmer des Kaisers bestellt hatte. Der Minister war überpünktlich, wie es eben seine Art war und hatte drei Sekretäre dabei, die Bücher und Schriftstücke schleppen mussten. Von einem der Wachmänner wurde den vollbepackten Beamten die Türe geöffnet, die daraufhin den Raum betraten. Seiner recht oppulenten Erscheinung geschuldet geriet Diokles von Natur aus leicht ins Schwitzen, was sich jedoch durch Druck von außen um ein vielfaches verschlimmerte. Dass er bereits seit vielen Jahren mehr und mehr seines Haupthaars verloren hatte, bis seine Stirn von hohen Geheimratsecken und dünnem Haar geprägt war, machte es ihm nicht unbedingt einfacher, sein Schwitzen zu verstecken. Die Stirn war von Schweißperlen übersät, als er sich vor Romanos verbeugte.
"Mein Kaiser", erwiderte er zur Begrüßung und trat dann näher, um sich anschließend auf den Stuhl gegenüber des Autokratos fallen zu lassen. Romanos ging direkt ans Eingemachte und erkundigte sich nach dem Haushalt für dieses Jahr. Nervös zog Diokles mit dem Zeigefinger am Kragen seines Hemdes. War es ungewöhnlich warm hier drin? Der Minister zog seine Mappe zu sich und fischte behände ein Pergament daraus. Im Grunde ging es ja nur darum, das Budget für die einzelnen Ministerien vorzustellen und absegnen zu lassen. Dass der Phokas eine Hiobsbotschaft bei sich hatte, wollte er solange es ging herauszögern. So überreichte er das Pergament dem Kaiser, damit dieser einen Blick auf die Verteilung der Gelder werfen konnte. Mit ein wenig Glück würde Romanos ja gar nicht auffallen, dass alle Ministerien einen nicht unerheblichen Schnitt in ihrem Budget zu verzeichnen hatten.

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Freitag, 15. Februar 2019, 21:58

Die Nervosität des Reichsfinanzministers fiel dem Kaiser zunächst gar nicht sonderlich auf. Dass Diokles Phokas schwitzte, führte Romanos eher auf dessen nicht unerhebliche Leibesfülle zurück, auch wenn der Minister freilich weit davon entfernt war, dem Patriarchen Konkurrenz zu machen. Gleichwohl war Diokles nicht gerade eine ehrfurchtgebietende Persönlichkeit. Hätte man es nicht besser gewusst, man wäre schwerlich auf den Gedanken gekommen, der Mann (bzw. der Eunuch) entstamme der Familie Phokas. Da er allerdings alles andere als unfähig war, hatte er eben gleichwohl Karriere gemacht und stand nun dem Reichsministerium der Finanzen, einem der mächtigsten überhaupt, vor.

Recht oberflächlich überflog der Kaiser das Pergament, das die Einnahmen und Ausgaben minutiös verzeichnete. Hätte er sorgfältiger hingesehen, wäre ihm wohl schon aufgefallen, dass die Zahlen deutliche Tendenzen hin zum Malus verzeichneten. Romanos war in Mathematik aber niemals eine Leuchte gewesen, so dass er sich damit begnügte, zumindest so zu tun, als habe er das Papier genau studiert. Dass dem nicht so wahr, konnte der Reichsminister wohl erahnen, da ihn der Kaiser anlächelte, als er das Blatt beiseite legte.

"So weit, so gut", meinte er knapp und beinahe wirkte es so, als sei die Sache damit bereits über den Berg. "Nun, ich darf Euch, da Ihr hier seid, von dem geplanten Kaisermanöver in Kenntnis setzen, welches mir vom Reichskriegsminister anempfohlen wurde. Dabei sollen unsere Eliteregimenter gleichsam gegeneinander antreten, was der weiteren Verbesserung der soldatischen Fähigkeiten dienlich sein wird. Die dazu notwendigen Ausgaben wird man dem Militärressort unbureaukratisch zur Verfügung stellen." Dies klang nun wie eine Anweisung, nicht wie eine Bitte. Er lehnte sich zurück und zeigte der Dienerschaft mittels Schnippen an, dass sie ihm und seinem Gast aus der Karaffe einschenken solle.

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Montag, 18. Februar 2019, 17:16

"So weit, so gut"
Diokles fiel ein Stein vom Herzen. Er atmete tief aus, denn während Romanos das Blatt studiert hatte, hatte er die Luft angehalten. Mit einem Taschentuch, das seine besten Tage bereits hinter sich hatte, wischte er sich den Schweiß von der hohen Stirn. Der Kaiser wollte gar nicht weiter ins Detail gehen und wechselte sodann das Thema. Dass Diokles nicht umhin kam, dem Kaiser von der desolaten Situation der Staatskasse zu erzählen, lag auf der Hand, doch wenn Romanos nicht genau nachfragte konnte der Minister dies auf seine Art und Weise machen. Eine Art und Weise, die ihm seine Arbeit erhalten würde.
Der Autokrator berichtete alsdann von einem groß angelegten Manöver, an welchem die gesamten Eliteregimenter beteiligt sein würden. Ein Manöver an sich war nicht unüblich, doch mit nicht zu verachtenden, immensen Kosten verbunden. Obwohl nicht beabsichtigt, kam es immer wieder zu Verletzungen, Ausrüstung ging kaputt und Munition wurde verschossen (man konnte annehmen, dass auch das römische Feuer bei einem derartigen Manöver nicht fehlen durfte). Diese Nachricht und mit einher die Aussicht auf unerwartete Ausgaben kamen für den Finanzminister derart überraschend, dass er unkontrollierbar in Schnappatmung ausbrach.
"Die... Ausgaben... jaja, sehr wohl, Majestät", japste Diokles und kramte erneut sein bereits feuchtes Taschentuch hervor, das heute ununterbrochen im Einsatz war.

5

Mittwoch, 20. Februar 2019, 15:42

Manch ein Dicker behielt sich ja auch mit der Leibesfülle seine Würde – man musste nur an den Patriarchen denken, dem seine weiten Gewänder dabei aber wohl auch recht behilflich waren –, während andere dadurch noch lächerlicher wirkten als ohnehin schon. Zu letzteren zählte wohl Diokles Phokas, der unscheinbarste aller Phokadai und der untypischste zugleich. Dass sich der Mann schwer tat mit dem Atmen lag aus Sicht des Kaisers an seinem Fettwanst. Er hätte mit dem Patriarchen ja eine Selbsthilfegruppe gründen können, doch wenn ihn bereits ein einfaches Gespräch derart forderte, konnte sportliche Betätigung für Diokles gar den Tod bedeuten.

"Ausgezeichnet, ganz ausgezeichnet", betrachtete der Kaiser die Sache damit formal vom Finanzminister abgesegnet. "Wenn es sonst nichts gibt, dann dürft Ihr Euch wieder zurückziehen, Reichsminister." Natürlich gab es eigentlich noch etwas, auch wenn es Diokles Phokas wohl überaus unangenehm war, darauf gesondert hinweisen zu müssen. Der latente Wink mit dem Zaunpfahl mittels der bloßen Zahlen hatte ja nicht gezündet.

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Gestern, 21:26

Jetzt oder nie. Dass der Kaiser eines Tages von der miserablen Lage der Finanzen erfahren würde, stand außer Frage - da musste sich ja nur ein Minister bei ihm über den gekürzten Etat beschweren. Besser also, Diokles rückte gleich mit der Sprache heraus. Er hüstelte. "Ähem. Majestät, wenn ich Euch vielleicht auf einige der Schreiben erinnern dürfte, die Euch in den vergangenen Wochen aus meinem Ministerium erreicht haben dürften..." Mitten im Satz stockte Diokles. So, wie er es ausdrückte, könnte man meinen, er wolle dem Kaiser für die desolate Situation die Schuld geben. "...erreichen hätten müssen", korrigierte er und spielte nervös mit den Händen herum, so dass es aussah, als würde er sie sich mit unsichtbaren Wasser waschen. Er spürte, wie eine Schweißperle von seinem lichten Haar am Hinterkopf heruntertropfte, sich ihren Weg über seinen Nacken suchte und ihm schließlich unangenehm über den ohnehin schon recht feuchten Rücken floss. "Wir.... äh. Die.. Die Staatskasse, sie... nun, seit Jahren haben die Ausgaben im letzten Jahr die Einnahmen überstiegen, Majestät. Gravierend." Damit war es heraus. Grundsätzlich hatte das Reich ein dickes Polster, es bestand also kein Grund zur allzu großen Sorge - konnte man meinen. "Der Krieg im Westen, der Neuaufbau der Flotte...." Ja, es war ein glorreiches Jahr gewesen, doch jeder Glanz wollte auch finanziert werden. Nachdem die Schwester des Kaisers in einem Anflug von Wahnsinn die halbe byzantinische Flotte eigenhändig zerlegt und auch Teile der Insel Zypern angezündet hatte, war es zu deutlich höheren Ausgaben gekommen, als man vor der Zypernmission hätte meinen können. Viele hundert Schiffe waren gebaut worden. Und schließlich hatte der Krieg in Ostfranken ein Loch in den Etat gerissen, das mehr Geld schluckte, als Diokles beidhändig und mit einem großen Eimer nachschütten konnte.
Tatsächlich hatte das Finanzministerium den Kaiser mehr als einmal über die hohen Ausgaben informiert, doch muss die Korrespondenz irgendwo zwischen Phokas und Kaiser hängen geblieben sein. "Wenn Ihr vielleicht den Parakoimomenos.... also, den Ex-Parakoimomenos... also...äh." Diokles war mit seinem Latein am Ende. Im Grunde war er selbst nicht Schuld, er hatte das Geld nicht ausgegeben, hatte sogar versucht, hier und da einige zusätzliche Gelder zu generieren und schlussendlich hatte er sogar seine Informationspflicht erfüllt - wenn ihm nur der Doukas-Sprössling keinen Strich durch die Rechnung gemacht hätte, indem er den Schriftverkehr nicht weitergeleitet hatte...
Hilflos saß Diokles auf dem sprichwörtlichen heißen Stuhl und wartete auf eine erste Reaktion des Kaisers.