Sie sind nicht angemeldet.

Selfhtml
.
Rhomäisches Reich: Der armenische Kronprinz wird Thekla Lekapene Argyre ehelichen. Allmählich wird es frühlingshaft. Die durchschnittliche Temperatur beträgt 15 Grad.
Kirchenstaat: Der Papst hat Legaten nach Konstantinopel und Augsburg entsandt. Des Schelmenromans zweiter Teil "Neues vom Theodul" erweist sich als Verkaufsschlager.
Alemannien: Der Papstdarsteller Theodoulos Philanthropenos wurde in Augsburg durch ein Gottesurteil gefällt; seine Überreste anschließend verbrannt und im Lech verstreut.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: BYZANTINISCHES REICH. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Konstantinos Phokas

Protoarchitektonas tes Rhomaikes Autokratorias

  • »Konstantinos Phokas« ist der Autor dieses Themas
  • Nachricht senden

1

Mittwoch, 13. Februar 2019, 15:54

Des Kaisers Landsitz - Bauarbeiten

Der Schnee war schon wieder geschmolzen, als sich Konstantinos Phokas, Protoarchitektonas des Reichs, mit einer stattlichen Eskorte bestehend aus bewaffneten Gardisten, seinen persönlichen Leibdienern sowie einer größeren Anzahl an Architekten, Baumeistern und deren Sekretäre und Diener; zu guter letzt noch die zahlreichen Facharbeiter – vom Steinmetz bis hin zum Seiler und zum Zeugschmied.
Mit dieser stattlichen Truppe zog der Phokas die Mese entlang, wobei sie beim Philadelpion rechts abbogen; denn hier teilte sich die Mese in zwei Hauptstraßen, wovon eine zum Goldenen- und zum Xylokerkos-Tor, die andere zum Adrianopel- bzw. Tor des Charisius führte. Letzteres Tor würden sie passieren. Obwohl in der Stadt geschäftiges Treiben wie eh und jäh herrschte, fiel so manchem Passanten die bunte Parade der etwa 120 Leuten auf. Der Chefarchitekt ritt voran, hinter ihm ein Flaggenträger der Phokadai, den er persönlich gut kannte und als erfahrenen Soldaten achtete. Der Rest der bewaffneten Truppe bestand aus einigen Leuten der Phokadai, hauptsächlich aber aus Soldaten, die dem Phokas von seinem Schwager, dem Kaiser, zur Verfügung gestellt worden waren.

Natürlich war auch der Kurier, der ihm unlängst die Nachricht gebracht hatte, dass die Rodung beendet worden war, dabei. Er ritt weiter hinten auf demselben Gaul, mit dem er zwei Tage zuvor nach Konstantinopel gekommen war. Es dauerte eine Stunde lang bis sie endlich das Stadttor erreichten und die großen Wälle passieren konnten. Jetzt erst entspannte sich der Phokas ein wenig, saß deutlich gemütlicher im Sattel, brauchte nicht mehr aristokratische Würde vor den abertausenden Augenpaaren vorspielen, die ihn in der Stadt beobachteten.

Konstantinos kam sich ein wenig wie ein Feldherr vor, der seine Armee in die Schlacht führte; allein, seine Schlacht war architektonischer Natur und sein Feind allein die Witterung und die Zeit. Gut, sein Drang zur Perfektion war vielleicht ein weiterer Umstand, den man als feindlich bezeichnen konnte.

Langsam wälzte sich die lange Schlange voran in Richtung Nordwesten; den Weg entlang, den er vor einigen Monaten bereits einmal gereist war. Damals noch mit Kyriakos Taronites. Als sie an diesem Tage Rast machten und schließlich am Abend ihre Zelte aufschlugen, war kein kameradschaftlicher Freund zur Erheiterung und Unterhaltung vorhanden. Also fuhr er mit den Lektionen des Lucius Verenus fort, denn er hatte beschlossen, ihm in einem Eil-Kurs zumindest das Lesen beizubringen. Seine Latein- und Italienischkenntnisse halfen ihm hierbei, konnte Verenus doch nur ein Griechisch sprechen, welches man allenfalls als holprig bezeichnet hätte.
Zwar liebte Konstantinos seine Muttersprache, sah jedoch auch ein, dass es zu viel gewesen wäre, dem jungen Analphabeten das Alphabet der Griechen beizubringen, wo er doch kein Griechisch verstand; also übte er mit ihm Italienisch und etwas Latein, welches ja mehr oder minder die Hochform des Ersteren war.

Zwei Tage brauchten sie, bis sie die thrakischen Berge erreicht hatten. Schneefall war ihnen erspart geblieben und sogar die Nächte blieben frei von Frost. Ungewöhnlich, wie Konstantinos beschied, hatte er sich doch erwartet, dass es hier – nördlich von Konstantinopel – doch kälter sein müsste. Daher notierte er sich auch Wetter- und Witterung in sein Tagebuch, welches er seit 15 Jahren gründlichst führte und worauf er einst seine Memoiren basieren lassen würde.
Durch den großen Wald hatte man eine Bresche geschlagen, wo bald eine Straße gebaut werden würde; die Straße würde breit genug sein, sodass zwei entgegenkommende Kutschen oder Fuhrwerke ohne Probleme aneinander vorbeifahren konnten. Im Abstand von 1000 Metern würde jeweils ein steinerner Wachtturm stehen; im Wald selbst würde man unauffällige, hölzerne Türme in den Bäumen errichten, wo das Wachtpersonal praktisch unsichtbar die Zugänge abseits der Straßen kontrollieren könnte. Aber das war noch Zukunftsmusik. Langsam folgten sie der Bresche, über Kilometer, wobei sich die Straße nur hier und da abbog, wenn ihr ein Hügel im Wege stand.

Begeistert hob der Phokas das Tempo an, ritt voraus und dem höchsten Berg entgegen, der dort gründlichst gerodet worden war, wo der Protoarchitektonas den kaiserlichen Landsitz geplant hatte. Er ritt den Berg empor und zügelte erst auf dessen Plateau das Pferd. Er blickte in jede Richtung, erhob sich im Sattel, als könnte er sein Sichtfeld dadurch noch einmal verbessern: Die Lage war in der Tat perfekt. Er hatte sich damals nicht getäuscht! Es war der richtige Ort und ja, jetzt fiel es ihm wie Schuppen von den Augen, jetzt erst sah er, dass dieser allerhöchste Berg dieser Gegend von 6 kleineren Hügeln umgeben war. Welch wunderbare Symbolik, war doch auch Rom auf 7 Hügeln errichtet worden!

Am Fuße des Berges – fortan sollte Konstantinos ihn einfach nur „den Berg“ nennen – stand das Lager der Holzfäller und Bauarbeiter. Das Lager wurde nunmehr durch eine Hand voll Zimmersleute aus dem Gefolge des Phokas ausgebaut; zunächst wurde dem Protoarchitektonas eiligst eine hölzerne Hütte mit Feuerstelle und Bett aufgebaut; dann kamen die anderen Architekten und Baumeister zum Zuge. Die einfachen Diener und Soldaten würden sich mit den Bauarbeitern anfreunden und ihre Unterkünfte teilen müssen. So stand dort, am Fuße des Berges, eine kleine hölzerne Stadt von etwa 30 Gebäuden, wovon eines hallenartig war und so etwas wie eine Kantine darstellte. Jedenfalls traf man sich dort zum Essen und zum Plaudern; diese Halle war auch ganz ordentlich beheizt und man sah noch deutlich die Überreste vergangener Feierlichkeiten. Die Arbeiter hatten ihre Arbeit ja bereits beendet; zum Roden gab es nichts mehr.

Erschöpft ließ sich Konstantinos in sein Bett fallen und blickte zur niedrigen Decke des Holzgebäudes; die Wände waren mit Fellen behangen, die die Kälte isolieren sollten; der Boden war ebenso mit Fellen ausgelegt und in einem Ofen knisterte ein warmes Feuer. In eine dicke Decke eingewickelt schlief er bald ein und hatte die ganze Nacht über lebhafte Träume über die zukünftige, als aufregend zu bezeichnende, Zeit: Bald würden die Steinmetze in Zusammenarbeit mit anderen mit dem Bau der Straße beginnen; zugleich würden andere Bauarbeiter die Trassen für die Straße in den Berg hauen; andere würden mit der Errichtung des Fundaments des Landsitzes beginnen. Sollte das Wetter halten – oder sollte es gar noch wärmer werden – würde Konstantinos es als einen Segen Gottes werten.
Dass er am nächsten Tag einen (Dank-) Gottesdienst abhalten ließ – tatsächlich war ein Presbyter in seinem Gefolge – spricht daher Bände und beantwortet zugleich etwaige Fragen, wie sich denn das Wetter am nächsten Tage präsentierte.

Konstantinos Phokas

Protoarchitektonas tes Rhomaikes Autokratorias

  • »Konstantinos Phokas« ist der Autor dieses Themas
  • Nachricht senden

2

Samstag, 16. Februar 2019, 13:11

Die nächsten Tage verbrachte Konstantinos mit Besichtigungen und Planungen; sein professioneller Stab konnte ihm ein Gros der Arbeit abnehmen. Ähnlich wie der Kaiser, brauchte der Protoarchitektonas im Grunde nur delegieren und gegebenenfalls überwachen und ausbessern. Während Ochsen karrenweise behauene Steinplatten herankarrten, andere wiederum Kies und Pflastersteine, bereiteten die Bauarbeiter den Straßenbau nach altbewährter römischer Machart vor; die Oberfläche der Straße, so hatte es der Phokas bestimmt, solle zwar rutschfest aber nicht zu holprig sein; der Kaiser und seine Entourage müssten über die Straße gleiten können ohne dass ein bis zum Rande gefülltes Glas überschwappte. Dann – und nur dann! – war das Ziel bezüglich des Straßenbaus erreicht. Konstantinos selbst würde mit einer Kutsche dereinst die Probe aufs Exempel machen und sollte die Straße nicht zu seiner Zufriedenheit gebaut worden sein, würde er sie eben wieder aufreißen und neubauen lassen. Der etwaige Verantwortliche würde dann allerdings die nächsten Jahre Straßen in Germanien bauen dürfen. Nun, sowohl Konstantinos als auch der Verantwortliche konnten nur hoffen, dass es dazu nicht kommen würde.



Bereits am zweiten Tag hatte seine Dienerschaft die für ihn gebaute hölzerne Hütte verschönert und ausgebaut; sein Leibdiener, ein junger Sklave mit künstlerischer Natur und femininen Händen, hatte im Wald sogar einige wohlriechende Kräuter und Zweige eingesammelt, sie zusammengebunden und in der Hütte aufgehängt. Ein eifriger Zimmermann hatte dem Phokas auf dessen Bitte hin sogar einen tadellosen Schaukelstuhl gebaut. Auf diesem pflegte der Phokas nun in der warmen, frühlingshaften Wintersonne zu verbringen, Pläne auf seinem Schoß ausgebreitet oder ein Buch in den Händen haltend. Mit der Anwesenheit des Kaisars und seiner Köche stieg auch die Qualität der täglichen Küche und gönnerhaft ließ er auch dem gemeinen Arbeiter die guten, ja fast aristokratischen Speisen, servieren. Um der Standesunterschiede willen saß der Phokas mit seinen Architekten und Baumeistern sowie dem Presbyter auf einem eigenen Tisch in der hallenartigen Kantine.

Nach etwa vier Tagen hatte der Phokas soweit alles organisiert und weiterdelegiert. Die Aufträge waren klar und er würde nur noch den Grundstein für die Straße legen, bevor er wieder nach Konstantinopel reisen könnte. Unter Anwesenheit aller Arbeiter und seiner gesamten Entourage ließ er sich feierlich einen der flachen rauen Steine reichen. „Hiermit lege ich, Kaisar Konstantinos aus dem Hause Phokas, den Grundstein der Kaiserstraße“, sprach er laut, setzte den Stein behutsam am Boden ab und schlug symbolisch einmal mit einem schweren Hammer darauf, der ihm von einem Arbeiter gerichtet wurde. Danach richtete er sich aufn und streckte feierlich die Hände zur Sonne entgegen: „Möge Gott der Allmächtige dieses Unser Werk, welches unserem großen Augustus gewidmet ist, segnen!“, sprach er und hörte ein vielstimmiges gemurmeltes „Amen.“

Sein Blick fuhr über die rauen und zerfurchten Gesichter der Arbeiter. Langsam schlenderte er zu einem hinüber und blickte ihm geradeaus in die Augen, woraufhin der Arbeiter – er mochte mehr als doppelt so alt sein wie der Phokas und der älteste hier anwesende Mensch - die Augen niederschlug, wie ein schüchternes Kind. Konstantinos lächelte darüber, zeigte es doch eindrucksvoll, dass man keine körperliche Stärke brauchte, um jemanden einzuschüchtern. Alleine Stellung und Macht reichten hierzu aus. „Wie lautet dein Name?“, sprach der Kaisar den Mann an. Dieser erwiderte nach kurzem Zögern, dass sein Name Markus sei. Mit deutlich vernehmbarer Stimme stellte er sich neben den Mann und blickte zu den hunderten aufgestellten Arbeiter. „Männer! Nehmt euch ein Beispiel an Markus!“ Er ergriff dessen Hand und hielt sie hoch. „Sehet euch diese Hände an! Die Hände eines Arbeiters. Die Hände eines Schaffenden. Was haben diese Hände schon alles erschaffen? Und was werden sie wohl noch erschaffen? Seid euch gewiss, brave Arbeitersleut‘, dass euer Werk noch in tausend Jahren von unser aller Nachkommen bestaunt werden wird! In eurem Werk verewigt ihr euch gleichsam wie ein Feldherr in einer ruhmreichen Schlacht.“ Die Worte gefielen den Männern; Ruhm und Glorie, davon träumte selbst ein Straßenbauer insgeheim. Und genau das versprach er ihnen. Und er versprach ihnen noch mehr: „Doch nicht nur Ruhm und Ehre sollen euch in Zukunft bedschieden sein! Ich persönlich gebe euch allen mein Wort als Kaisar", rief er aus und hob eine Hand, als würde er einen Eid vor Gericht ablegen, "Dass ihr bei erfolgreich getaner Arbeit mit einer stattlichen Belohnung, zusätzlich zu eurem Lohn, bedacht werdet! Und noch mehr, ich verspreche euch eine lebenslange Pension, sollten wir dieses unser Werk noch vor dem Sommer vollenden können. Und überdies stelle ich den besonders talentierten und fleißigen Leuten unter euch in Aussicht, auch in Zukunft als Teil meiner Truppe an den großartigen künftigen Bauprojekten teilnehmen zu dürfen, denn glaubt mir, dies ist nicht das letzte Projekt meines Schaffens und Tuns! Ich selbst muss euch heute noch verlassen, um dem Kaiser persönlich vom Fortschritt eures Tuns zu benachrichtigen. Also auf auf, Mannen, ran an die Arbeit! Für den Kaiser, für die höhere Ehre unseres Reiches!“ Und für eure eigene Geldtasche, hätte er noch am liebsten dazu gerufen, doch hatte er sich zuvor klar genug ausgedrückt, um dies nicht noch einmal betonen zu müssen.

Nach einem dreifachen „Vivat“ und einem gemeinsamen Gebet stoben die Arbeiter auseinander und machten sich sofort an ihr Schaffen. Konstantinos sprach vor seiner Abreise noch kurz mit seinem Stellvertreter vor Ort, der das Heft in seiner Abwesenheit innehaben würde; er bläute ihm ein, die Arbeiter streng aber gut zu behandeln; Strafen sollten auf ein Mindestmaß reduziert werden. Beim Alkohol solle man sparen, dafür auf die Qualität und die Quantität des Essens achten; überdies ließ er dem Stellvertreter sämtliche Lebensmittel da, die seine Diener im Übermaß für ihn hierher mitgezerrt hatten; Kiloweise hochwertiges Fleisch, Gemüse, kostbare Gewürze und vieles mehr. Auf keinen Fall, betonte der Phokas, solle der Stellvertreter mit den hochqualitativen Lebensmitteln geizen. Ein glücklicher Arbeiter, so schätzte es Konstantinos ein, war ein Arbeiter, auf den man sich verlassen konnte. Seinem Stellvertreter überließ er einstweilen auch seine hölzerne Hütte, was dieser sehr zu schätzen wusste. Außerdem solle er ein Auge auf den Arbeiter namens Markus behalten und ihn nicht bei den schwersten Arbeiten einsetzen.

War Konstantinos mit einer Hundertschaft von Leuten hergekommen, so verließ er die thrakischen Berge mit kaum mehr als zwanzig Personen; fünf gehörten zur Dienerschaft, der Rest zum Wachpersonal. Einige Arbeiter winkten dem Kaisar fröhlich hinterher und der Phokas nickte ihnen zu, dem alternden Markus winkte er sogar.