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Rhomäisches Reich: Der armenische Kronprinz wird Thekla Lekapene Argyre ehelichen. Allmählich wird es frühlingshaft. Die durchschnittliche Temperatur beträgt 15 Grad.
Kirchenstaat: Der Papst hat Legaten nach Konstantinopel und Augsburg entsandt. Des Schelmenromans zweiter Teil "Neues vom Theodul" erweist sich als Verkaufsschlager.
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Dienstag, 12. Februar 2019, 18:41

Eine Volkspredigt auf dem Forum Romanum

Item darnach in demselben Jahr von Christi unsers Heilands Geburt dem neun hundert zwey und fünffzigsten Jahr , als man zählt das erste Jahr im Pontifikate unsers Hailigen Vatters Babst Johans des Zwölfften , war im Monat Hornung : auch Februar , der Winter im Ausklang.
Da geschach es zu Rom der Ewigen Stadt , dass der allerfrömmigst in Christo Erzbischoff Adeodat sich auf das Forum Romanum begab , umb christgläubiger Schar eine gar volksnahe Predigt zu halten.
Adeodat , der fromme Mönch , aber hub an und sprach : Und der HERR sprach zu Mose :
ICH bin der HERR , dein GOTT , der dich aus Egyptenland , aus dem Diensthause geführet hat.

(1) Du sollst keine andere Götter neben mir haben. Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ain Gleichnis machen , weder des das oben im Himmel , noch des das unten auff Erden , oder des das im Wasser unter der Erden ist. Bete sie nicht an und dienen ihnen nicht , denn ich der HERR dein GOTT bin euriger GOTT. (2) Du sollst den Namen des HERRN deines GOTTES nicht missbrauchen. (3) Gedenke des Sabbaths Tages , das du ihn heiligst. (4) Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren. (5) Du sollst nicht tödten. (6) Du sollst nicht ehebrechen. (7) Du sollst nicht stehlen. (8) Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nähesten. (9) Lass dich nicht gelüsten deines Nähesten Weib (10) noch seines Hauses noch seines Knechts noch seiner Magd noch seines Ochsen noch seines Esels noch alles , was dein Nähester hat.
Und all Volck sah den Donner und Blitz und den Ton der Posaunen und den Berg rauchen.
So sprach GOTT. Denn es sind der Gebote zehn an der Zahl , nicht neun oder elff , sondern die Zehnzahl alleinig (die acht aber scheidet völlig aus).
Denn wisset dies :
Es verhält sich bei der Anzahl an Geboten
wie mit den Fingern an den Pfoten.
So erklärte der fromme Erzbischoff , auch Grossinquisitor , dem Christvolk die Zehn Gebote und gemeiner Pöbel lobpriess den HERRN mit einem dreyfältigen Halleluja.

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Dienstag, 12. Februar 2019, 19:59

Silvio, Zechpreller

Der Säufer Silvio, der von Beruf Zechpreller war, stand an jenem Tage ebenfalls auf dem Forum Romanum - bzw. lag er dort angetrunken und vernahm einige Fetzen der sonderbaren Predigt. Ein gewisse Erzbischof Adolat oder so ähnlich schwadroniert über die göttlichen Gebote. Es gab also so viele Gebote, wie man Finger an den Händen hatte!

"Ach so ist das, jetzt versteh ich den Sinn!", hickste er und blickte auf seine beiden Hände. Dort fehlten beide kleinen Finger, hatte man sie ihm doch einst abgeschlagen, da man ihn zweimal beim Diebstahl erwischt hatte. "Soso, es gibt der Gebote also acht!" Nach der Gleichung konnte er die letzten beiden abziehen. Sprich: Er durfte seines Nächsten Weib und Hab und Gut problemlos begehren. Wie praktisch! Mit Mühe erhob er sich und rief: "Ein Hoch auf Erzbischof Automatus!" und hob dazu seine noch halb volle Weinflasche, zwischen den Gläubigen hin und her torkelnd.

3

Mittwoch, 13. Februar 2019, 17:03

Die Kutsche der Herzogin von Urbino fuhr an diesem Tag gerade über das Forum Romanum, als man auf eine große Menschenansammlung aufmerksam wurde. Bei näherer Betrachtung entpuppte sich das Ganze als eine Art Volkspredigt durch einen hohen Geistlichen, gar einen Bischof. Der etwas seltsam aussehende Zeitgenosse hielt eine etwas makaber anmutende Predigt, die der Herzogin ein Schmunzeln abverlangte. Wie leicht war das gemeine Volk doch hinters Licht zu führen, dachte sich Giulia Montini, die den Kutscher nun anwies, sie in Richtung des Lateranpalastes zu kutschieren.

4

Mittwoch, 13. Februar 2019, 18:09

Während er am Forum entlang spazieren
und nach Opfern Ausschau hielt, hörte Domenico plötzlich
Stimmengewirr. Das rollte auch noch eine hochherrschaftliche Kutsche
heran und hielt kurz. Domenico Valente, ein junger Zigeuner, erkannte
das Wappen der Montini, welche Urbino besaßen. Er wusste das es
nicht ungefährlich war sich der Kutsche zu nähren. Ergo
konzentrierte er sich auf den Menschenauflauf. ein hoher Geistlicher,
entweder betrunken oder verwirrt , erklärte mit wirren Worten die
Zehn Gebote. Domenico , Dieb, Taschendieb, Gaukler und
Gelegenheitsspion in fünfter Generation, interessierte besonders "Du
sollst stehlen", dass "Nicht " überhörte er geflissentlich.

Schon machte er sich ans Werk, dort wo
der Beutel locker hing, mit den geschickten Händen , da wo er fester
hing mit dem Messer. Stets achtete er darauf das ihm kein Wachmann
ertappte oder einer der Opfer etwas merke. Auch seine Schwester
Domenica war bereits fleißig am Werk, sie ging dem selben Tagwerk
nach wie er, wenn sie nicht gerade tanzte oder wahrsagte. Heute
schien es sich besonders zu lohnen ,bei diesem Auflauf. Domenico
überlegte kurz ob er dem verwirrten Priester auch heimsuchen solle,
jedoch verwarf er den Gedanken wieder. Schließlich hatte er, seit
der Großvater vor einem Jahren verstorben war , Vater, Bruder und
Onkel wegen Diebstahls gehängt und die Mutter wegen
Wahrsagens, auf dem Scheiterhaufen landete, zusammen mit der
Schwester für den Rest der Familie, sprich die vier jüngeren
Geschwister und die beiden Vettern zu sorgen.



Domenico Valente Domenica Valente

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