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Rhomäisches Reich: Der armenische Kronprinz wird Thekla Lekapene Argyre ehelichen. Allmählich wird es frühlingshaft. Die durchschnittliche Temperatur beträgt 15 Grad.
Kirchenstaat: Der Papst hat Legaten nach Konstantinopel und Augsburg entsandt. Des Schelmenromans zweiter Teil "Neues vom Theodul" erweist sich als Verkaufsschlager.
Alemannien: Der Papstdarsteller Theodoulos Philanthropenos wurde in Augsburg durch ein Gottesurteil gefällt; seine Überreste anschließend verbrannt und im Lech verstreut.

[Gemächer des Autokrators] Ave Caesar

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Sonntag, 3. Februar 2019, 22:31

Ave Caesar

Einige Tage nach seinem letzten Aufeinandertreffen mit dem Kaiser, machte sich der Mystikos Belisarios Arianites wieder zum Autokrator auf. Das letzte Treffen mit dem Autokrator hatte leider kein glückliches Ende. Belisarios Disput mit Leon hatte den Kaiser ermündet und er hatte Belisarios rausgeschickt. Für den Mystikos war das eine peinliche Situation. Er der eigentlich als pflichtbewusste Beamter galt, hatte sich so gehen lassen. Als er in seine Gemächer zurückgekehrt war, hatte er viel über sein Verhalten nachgedacht und kam zum Schluss, dass das emotionale, das menschliche diesmal über die "ratio" Die Vernunft gesiegt hatte. Aber das war für Belisarios nicht weiter schlimm. Als Philosoph hatte er sich schon oft mit Fragen zum Menschen beschäftigt, und mit dessen Gefühlen. So konnte Belisarios schon am nächsten Tag mit neuen Elan und reinem Gewissen sich an die Arbeit machen.

Nun wollte er den Kaiser gnädig stimmen. Er hatte die Liste mit den Anwärtern der Gralsgemeinschaft dabei und wollte sie dem Autokrator überreichen. Belisarios liess sich anmelden und wurde einige Momente später zum Kaiser vorgelassen. Die Gardisten beobachteten den Mystikos sehr genau. Als Belisarios den Kaiser erblickte verneigte er sich und sprach: Eure Majestät. Ich habe die Listen mit den Anwärtern für Gralsgemeinschaft zur Durchsicht mitgenommen, sprach Belisarios und wartete die Reaktion des Kaisers ab.

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Sonntag, 3. Februar 2019, 23:38

Es waren einige Tage vergangen seit der letzten Unterhaltung zwischen dem Kaiser und seinem Privatsekretär. Für letzteren war diese wohl in eher unguter Erinnerung geblieben, da Belisarios Arianites von "Hermes", seiner eigenen Anwerbung für den Hof, selbst ausmanövriert worden war und am Ende recht suboptimal dagestanden hatte, so dass ihm nur ein Rückzieher blieb. Überhaupt schien kühle Rationalität, wie sie der Arianites vorbildlich verkörperte, bei Hofe in letzter Zeit weniger gefragt zu sein, fuhr die Reichsregierung doch einen Kurs, den man nur unter Zuhilfenahme der Lüge als realpolitisch bezeichnen konnte. So gab es nun nämlich ganz offizielle Bestrebungen, des Heiligen Grales habhaft zu werden, was mehr und mehr als der eigentliche Sinn des militärischen Vorgehens nach Osten erscheinen musste, weniger das Zurückdrängen der Mohammedaner, welches gleichsam lediglich notwendig war, um dieses hehre Ziel zu erreichen. Und so begab es sich auch, dass in der Reichshauptstadt und der Umgebung nun nach allfälligen Gralshütern Ausschau gehalten wurde, was auf der Prioritätenliste Seiner Majestät ganz weit oben zu stehen schien.

Zwischenzeitlich machte unbestätigte Gerüchte aus dem Finanzministerium die Runde, der Staat schreibe zum ersten Male seit geraumer Zeit rote Zahlen. Tatsächlich sollte der Reichsminister der Finanzen eigentlich seit Tagen den Staatshaushalt für das Jahr 952 vorlegen, doch empfingen Seine Majestät der Kaiser den wohlbeleibten Mann schlicht und ergreifend nicht. Vielmehr gewann der Eunuchenhofstaat zusehends an Macht, denn seit der Parakoimomenos Kosmas Laskaris hieß, gab es einen tatkräftigen und scheinbar keine Skrupel kennenden Chefeunuchen, der sich die zuletzt eher wirre kaiserliche Staatsführung zu Nutzen machte. Immer häufiger kam es nämlich vor, dass selbst wichtige Würdenträger keine Audienzen erhielten und unverrichteter Dinge wieder abziehen mussten. Da sich dieselben zumeist anschließend an den Basileus Zenon II. wandten, fielen diese Zustände nicht weiter auf, auch wenn das Agieren Zenons im Grunde genommen allenfalls halb legal war, durfte ohne die Zustimmung des Autokrators doch keine Entscheidung von Tragweite getroffen werden. Freilich ließ Romanos den ambitionierten Schwager faktisch gewähren, nahm er ihm dergestalt doch ungeliebte Verpflichtungen ab.

In dieser Situation also wurde der Mystikos hereingeführt, wie gesagt nicht einmal eine Selbstverständlichkeit, die wohl einzig dem Eigeninteresse des Kaisers zuzuschreiben war, sah es der Oberstkämmerer doch ungern, wenn Nichteunuchen in sein Terrain vorstießen. Der Kaiser saß in Gedanken versunken auf einem bequemen Sofa und lauschte dem Gesang zweier kastrierter Knabensoprane, so dass sich Arianites gezwungenermaßen noch gedulden musste. Schließlich sprang Romanos applaudierend auf, nachdem die Kastraten ihren musikalischen Vortrag beendet hatten, und zwang seinen Gast quasi, darin einzustimmen.

"Was für ein göttlicher Gesang! Findest du nicht, Mystikos?", meinte er zu diesem und lauschte dann erst seinen Worten. "Ausgezeichnete Neuigkeiten. So zeige mir dieselben Listen und erläutere sie mir."

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Samstag, 16. Februar 2019, 16:19

Auch Bellisarios hatte die Gerüchte über die roten Zahlen im Staatshaushalt vernommen. Sollte dies stimmen wäre der Byzantinische Staat in Gefahr und dass machte Belisarios am meisten Sorgen. Auch wenn er ein Philosoph wusste er genau was passierte wenn die Staatsschuld zunahm und damit grössere Verbindlichkeiten fällig wurden und die Forderungen des Staates wie Steuern und Abgaben die Bervindlichkeiten nicht ausgleichen konnten, dann war der Staat dazu gezwungen Kredite und Darlehen aufzunehmen um diese Verbindlichkeiten zu tilgen, leider mussten die Kredite auch wieder zurückgezahlt werden. Für Belisarios war klar dass auch die Korruption eine gewichtigen Anteil daran hätte, wenn der Staat dieses Jahr rote Zahlen schreiben würde. Für Belisarios bedeutet dies auch Reformen voranzutreiben um den Staat zu reformieren und zu stärken. Aber hier waren auch berechtigte Zweifel angebracht, würde der Imperator einem solchen Vorgehen zustimmen. Man hatte das Gefühl das Romanos sich mehr und mehr mit sich selbst beschäftigte als mit dem Staat, auch wenn er mit Zenon einen fähigen Basisleus ernannt hatte, der sich in der byzantinischen Politik auskannte, so befürchteten viele Fachleute in der Verwaltung dass etwas schlimmes passieren würde dass das Reich geschwächt würde wenn diese Zustände weiter anhielten.

Und auch Belisarios hatte dies bei seinem letzten Treffen zu spüren bekommen, dass die Rationalität die er verkörperte am nicht unbedingt er wünscht war. Belisarios hatte nicht lange über den Vorfall nachgedacht, er reflektierte ihn ein wenig und stellte Berechnungen an aber ansonsten legte er den Vorfall ad acta. Aber man konnte nicht leugnen dass Belisarios gewisse Zweifel an der "Realpolitik" der Kaiserlichen Reichsregierung hatte und er beobachtete mit gewisser Skepsis den Aufstieg eines "Eunuchensydikates" am Hofe zu Konstantinopel. Belisarios machte dass ein wenig zu schaffen. Die Eunuchen rissen sich wahrlich um die Gunst des Kaisers, aber die meisten hatten nicht das Wohl Reiches im Sinn sondern ihr eigenes und dies machte Belisarios zu schaffen. So etwas konnte nicht im Sinne der Reichspolitik sein. Aber Belisarios wollte sich nicht dem Vorwurf aussetzen illoyal gegenüber dem Kaiser zu sein. Schon zu viele Leute hatten Romanos Loyalität genutzt um sich persönlich zu bereichern aber sie hatten ihn allesamt hinters Licht geführt und enttäuscht. Die Geduld des Kaisers war niedrig ein kleiner Akt von Illoyalität und man konnte sich sicher sein das der Zorn des Kaisers einen treffen würde.

Belisarios wartete und wartete. Den der Kaiser vergnügte sich gerade am musikalischen Vortrag zweier Eunuchen. Belisarios verharrte weiterhin auf den Knien bis die musikalische Vorstellung zu Ende war und der Kaiser den Eunuchen mit Begeisterung applaudierte. Erst dann wandte er sich seinem Privatsekretär zu und fragte diesen wie er die Vorstellung denn gefunden habe. Belisarios sprach frei heraus: Durchaus Eure Majestät ein wahrlich göttlicher Gesang, sprach Belisarios und erhob sich erst als der Kaiser ihn bat die vorgefertigten Listen mit den Anwärtern für den Gral vorzulegen. Bevor der Kaiser erreicht hatte deutete Belisarios wieder eine Verbeugung an und übergab dem Kaiser dann die Listen. Dann folgte seine Erklärung:

Wie Ihr den Listen entnehmen könnt eure Majestät, haben sich viele Anwärter für die Gralsgemeinschaft interessiert. Darunter sind Philosophen, Theologen,Handwerker und Soldaten etc. die Eurer Majestät dabei behilflich sein wollen den Heiligen Gral zu finden. Die Gründe der Anwärter sind in der Mehrzahl fast identisch. Sie wollen " Seiner Majestät helfen den Gral zu finden und sein Geheimnis zu entschlüsseln um den Kaiser eine ewige Macht zu sicher". Außerdem haben sich einige reiche Bankiers entschlossen eurer Majestät eine fürstliche Dotation oder besser gesagt eine fürstliche Finanzierung für dieses Unternehmen zuzusichern. Und dann haben wir noch einen Musiker unter den Anwärtern der behauptet das Geheimis des Heiligen Grals mit seiner Musik entschlüsseln zu können. Ist dies für Eure Majestät so in Ordnung?, fragte Belisarios respektvoll und wartete das Urteil des Kaisers ab.

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Samstag, 16. Februar 2019, 16:49

Kunst und Musik waren mitunter die großen Leidenschaften des Kaisers, sah man von der Historie und dem Militär ab. Regelmäßige musikalische Darbietungen gehörten bei Hofe zum Standard, versüßten sie doch die Atmosphäre und reicherten sie an. Dabei wurde nicht nur gesungen, sondern auch auf Instrumenten musiziert, wie schon Orpheus, der als Erfinder der Musik galt.

Nachdem die Sänger also fertig waren, konnte man sich dem Anliegen des Arianites widmen. Aufmerksam lauschte der Kaiser den Ausführungen desselben. Besonders als Belisarios auf einen Musiker zu sprechen kam, der das Gralsgeheimnis mittels seiner Musik zu entschlüsseln glaubte, wurde Romanos hellhörig.

"Tatsächlich? Man bringe diesen Mann herbei, auf dem schnellsten Wege", ordnete er sogleich an und war ganz gebannt von der besagten Vorstellung einer musikalischen Ergründung des Gralsmythos. "Ansonsten soweit sehr gut, ja, ich bin durchaus entzückt ob deiner Tatkraft in diesen Dingen." Er deutete ihm an, dass er sich zu ihm auf die Chaiselongue gesellen könne. "Solange wir uns hier unterhalten, wird man nach diesem mysteriösen Musiker Ausschau halten und ihn direkt hierher zitieren." Die genauen Details gab man sogleich weiter, damit die Handlanger des Kaisers auch fündig würden. "Mithilfe des Grales werden wir bald schon eine unbesiegbare Armee haben – mit allen sich daraus ergebenden Vorteilen."

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Samstag, 16. Februar 2019, 20:40

Der Kaiser war von der Meldung Belisarios begeistert. Ein Musiker der angeblich mit Musik das Geheimnis des Heiligen Grals entschlüsseln konnte. Belisarios war eher skeptisch und hatte ein wenig Vorbehalte. Aber der Kaiser hatte die Entscheidung getroffen Alea Iacta Est. Dann lobte er Belisarios für seine Arbeit und bat ihn Platz zu nehmen. Der Kaiser sprach darüber dass die Armee Mithilfe des Grals unbesiegbar wäre mit allen dazugehörigen Vorteilen. Natürlich Eure Majestät, antwortete Belisarios kurz und knapp. Die Geschichten über die Kräfte des Heiligen Grals waren legendär. Aber eben eine Legende hatte vielleicht einen wahren Kern aber wer wusste was die ganze Wahrheit war.

Nun ich möchte bei Euch für den letzten Fauxpas entschuldigen Majestät. Ich wollte weder gegenüber Euch oder Eurem Gast "Hermes" als unhöflich erscheinen. Ich habe mich einen kurzen Moment vergessen,meinte Belisarios zum Kaiser. Es war ihm ein Anliegen dass der Kaiser verstand dass Belisarios seine Tat bereute.

Nun informierte er den Kaiser über den Musiker: Nun eure Majestät. Der Musiker trägt den Namen Perdikkas dem legendären General von Alexandros dem Grossen. Er stammt aus dem Nahen Osten und spielt Laute und Flöte. Und er behauptet mit Hilfe seiner Flöte das Geheimnis des Grals zu lüften, dass sie "wundersame" Kräfte besitzt, erzählte Belisarios dem Kaiser.

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Samstag, 16. Februar 2019, 21:35

Mit einer unbesiegbaren Armee könnte man schließlich die ganze Welt unterwerfen, da sich ihr niemand in den Weg stellen konnte. Gleich den himmlischen Heerscharen würde so der große Traum eine rhomäischen Welt in Erfüllung gehen. Brav pflichtete der Mystikos seinem obersten Herrn bei, mochte er auch insgeheim anders darüber denken. Ein schöner Gedanke, doch musste man eben zuallererst des Heiligen Grales habhaft werden. Dazu gab es die Operation im Osten, die nur oberflächlich ein Kriegszug war.

"Die Sache ist der Rede nicht wert", wiegelte Romanos überraschend kulant ab. Dass sich Belisarios mit diesem "Hermes" selbst nicht unbedingt einen Gefallen getan hatte, war eher amüsant als wirklich ärgerlich. "Zumindest hast du mir da einen eloquenten Zeitgenossen herbei geschafft. Das spricht für deine Fähigkeiten." Womöglich konnte ihm der Mystikos auch künftig in der Hinsicht dienlich sein. Allerdings sollte er das nächste Mal wohl etwas diskreter vorgehen, hatte er letztens in dieser Taverne doch unfreiwillig den Kaiser zum Gespött gemacht.

"Sieh an. Perdikkas, fürwahr ein altehrwürdiger Name, wenngleich nicht unbedingt mit Glück gesegnet." Der gleichnamige Diadoche verlor den Machtkampf um die Nachfolge des großen Alexanders und wurde ermordet. "Ah, das ist dann wohl die legendäre Zauberflöte", mutmaßte der Kaiser.

Sim-Off:
Musste sein. :pfeif:

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Sonntag, 17. Februar 2019, 15:25

Tatsächlich nahm der Kaiser die Sache mit Leon alaias "Hermes" nicht so ernst, für Belisarios war die Sache damit endgültig erledigt. Der Kaiser lobte Belisarios für seinen erfolgreichen Fang und würde wahrscheinlich auf ihn zurückkommen, wenn es um weitere solche Aufträge ginge, aber Belisarios musste beim nächsten Mal diskreter vorgehen, hatte er doch den Kaiser ungewollt zum Gespött der Menge gemacht.

Zum Thema des Musikers äußerte der Kaiser seine Meinung: Ja genau die Zauberflöte Majestät. Auf den Namen des Musikers angesprochen meinte Belisarios: Nun hoffen wir dass es mehr Erfolg hat. Belisarios war immer noch skeptisch was diesen Musiker betraf, als weitere Ausführungen tätigen wollte öffnete sich plötzlich Türe der kaiserlichen Gemächer und der betreffende Musiker wurde von der kaiserlichen Garde in das Gemach des Kaisers gebracht: Das ist er Eure Majestät, sprach Belisarios. Der Mann glich in gewissen Zügen dem Kaiser Nero, der ebenfalls ein Musiker war, hoffentlich war er nicht so grössenwahsinig wie dieser.

Der Musiker trat vor den Kaiser vor und verneigte sich. Daraufhin sprach er in theatralischer Art.




OH MEIN KAISER! Hellster Stern am Himmel des Orpheus. Die Vorsehung hat mich Zu Euch geführt, Romanos ehrwürdiger Kaiser der Rhomäer und Herrscher über die ganze Welt, Nachfahre des grossen Alexandros der seine Feinde zerschmettert. Mit meiner Musik werdet ihr nicht nur das Geheimnis des Grals lüften sondern auch das ewige Leben und die ewige Jugend erlagen, und ihr werdet über diesen Welt herrschen in alle Ewigkeit, dann begann der Musiker mit seiner Flöte zu spielen. Dieser Mann beherrschte die Kunst der Musik offensichtlich wie kein zweiter. Aber Belisarios zweifelte am Verstand des Musikers. Als der Vortrag beendet war, sprach der Musik wieder: Nun Mein Kaiser mit meiner Kunst werdet Ihr die Welt erobern, er lächelte schelmisch. Belisarios schaute den Kaiser an und fragte:

Nun Eure Majestät. Wie sieht Euer Urteil aus? Belisarios war gespannt und er macht sich langsam Sorgen ob es eine richtige Entscheidung gewesen sei diese Mann an den Hof zu holen.


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Montag, 18. Februar 2019, 20:29

Nüchterne Betrachter späterer Zeiten mochten sich wundern, welch Mysteriengläubigkeit am kaiserlichen Hofe zu Konstantinopel offenbar Einzug gehalten hatte. Diese Hinwendung des Kaisers zum Mirakulösen öffnete ja auch Scharlatanen Tür und Tor, die daraus eigenes Kapital schlagen wollten. Ob nämlich besagter Musiker tatsächlich in der glücklichen Lage war, den Heiligen Gral gleichsam musikalisch heraufzubeschwören, durfte doch bei rationaler Herangehensweise in Zweifel gezogen werden.

Lange mussten sie gar nicht warten, da wurde jener Wunderknabe auch schon hereingeführt. Offenbar war der Bursche bereits in der Nähe gewesen, um bei Bedarf einzutreten. Mit gar pathetischem Tonfalle lobpries er den Autokrator als den Erben Alexanders des Großen, dem die ganze Welt untertan sei. Das ewige Leben und die ewige Jugend stellte er dem Kaiser neben der Weltherrschaft in Aussicht, was bei Romanos freilich auf sichtbares Interesse stieß. Als Arianites am Ende des Vortrages nachfragte, wie der Kaiser den Musiker finde, sprang dieser spontan auf und applaudierte Perdikkas stürmisch.

"Bravourös! Ganz deliziös!", meinte er schließlich zum Mystikos, das Auge indes noch auf Perdikkas gerichtet. "Deine Gabe, mir die richtigen Personen heranzuschaffen, spricht sehr für dich, Belisarios." So klopfte er ihm anerkennend auf die Schulter und tat ein paar Schritte auf den Musicus zu, der sich pflichtschuldig verbeugte.

"Ein hübscher Vortrag, der von der Güte deiner Kunst zeugt, Musikant. Sicherlich bist du auch imstande, ein paar alte Verse darzubieten, die in einer alten Schriftrolle stehen." Dieselben hatte er einst schon Kosmas Laskaris und Konstantinos Phokas vorgelesen; mittlerweile konnte er sie auswendig. "Rezitier Er uns das Folgende: 'Wer nun dem Gral zu dienen ist erkoren, / den rüstet er mit überirdischer Macht; / an dem ist jedes Bösen Trug verloren, / wenn ihn er sieht, weicht dem des Todes Nacht.' " Gespannt ob der Darbietung verharrte der Kaiser wiederum und wartete ab.