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Donnerstag, 6. Dezember 2018, 20:46

Wenn man in Serpentinen geht ...

Der kaiserliche Geburtstag endete für den guten alten Poltos genau so feuchtfröhlich, wie er es sich erwartet hatte; zu zweit, also Poltos und der Basileus Konstantinos, hatten sie mehrere Fässer Wein geleert. Dazu allerlei Schnaps, Likör, Met und sogar Bier gesoffen. Dass der gemeine Volksmund meinte, dass man nicht mischen solle, war den beiden Saufkumpanen einerlei. Ihr Magen vertrug mittlerweile alles, ja, zu wenig Alkohol würde bei ihnen wohl sogar eine Magenverstimmung verursachen. Den Dauerpegel galt es zu halten. Nach oben hin war ausreichend Luft.

Es war wohl schon um 4 Uhr morgens, als der volltrunkene Poltos sich vom Palast nach Hause hin aufmachte. Noch war es dunkel und er hatte darauf bestanden, keinerlei Wachen mit sich zu führen. Eine kleine Flasche Wein hatte er noch bei sich, doch hatte er keinen Öffner für das elendige Teil. Noch auf dem Palastgelände entleerte er seine Blase an einem Wachhäuschen, blieb dann nach zehn Minuten inmitten der menschenleeren Straße noch einmal stehen und ließ einfach laufen; das konnte er daher tun, da er ja vorhin vergessen hatte, die Hose wieder raufzuziehen. Während seines Spazierganges sang er fröhlich vor sich hin. „Nur schen longsom voran, dass kein Unglück gschieht! Holt ma uns a bisl on, es is wegnan Übergwicht!“ Außer Atem musste er erstmal eine Pause einlegen, ließ sich an einer Hauswand auf den Boden nieder und beobachtete, wie sich die Häuser vor ihm drehten, gleichsam vor seinem inneren Auge zu Weinfässern wurden, mit denen er sich dann zu unterhalten begann.

'Eine erbärmliche Gestalt', dachte sich scheinbar ein einsamer Passant auf der Straße, schaute mitleidig drein und schnippte ihm gnädig eine Münze zu. Poltos nahm – in einem Anflug trunkener Genialität, auf die er selbst stolz war und sich wie ein Universalgenie vorkam - die Münze und bekam mit ihrer Hilfe endlich die Flasche Wein auf. Dieser neuartige Verschluss war ihm nicht geheuer. Die Flasche leerte er zur Hälfte mit zwei großen Zügen, dann erhob er sich schwerfällig und folgte der Straße zu seinem Palast, wobei er mal links, mal rechts der Straße ging. Wieder singend. „Jo I marschier mit mein Dulidulieh, und jetzt weiß i a schen langsam warum, dass i nur wie a Schnecke weiterkum! Weil I ollaweil in Serpentinen geh!“ So ging er mit seiner Flasche und seinem Dulidulieh, kam schließlich zu seinem Palast und klopfte lautstark an. Nach etwa fünf Minuten – Poltos klopfte und schrie ohne Unterbrechung – öffnete ihm scheinbar einer seiner älteren Diener im Nachtgewand, mit einer Mütze am Kopf und einer Kerze in der Hand. „Na endlich!“, gluckste Poltos, übergab sich neben der Haustür und wollte eintreten. Jetzt schrie ihn aber der Mann an, dass das eine Frechheit ist, was sich Poltos erlaube, ob er, Poltos, glaube, dass er (der Mann) sich das ewig gefallen lassen würde. Einmal wäre es doch in Ordnung, aber das sei nun schon das vierte Mal in einem Monat, dass Poltos mitten in der Nacht bei ihm, seinem Nachbarn, anklopfte und ihn und seine gesamte Familie, ja, das halbe Viertel aus dem Schlafe riss.

Wütend wurde dem Senator die Türe vor der Nase zugeschlagen, also entfernte er sich von seinem vermeintlichen Stadtpalast und ging weiter. Endlich fand er das richtige Gebäude, wurde auf der Stelle von einem seiner Diener reingelassen. Der schien ganz außer sich zu sein, laberte etwas von Leichen und Polizei im Garten. „Und wo homma die Leich‘ und de Polizei?“, fragte Poltos und der Diener antwortete, sie seien bereits am Nachmittag abgezogen. Der junge Mann fügte noch hinzu, dass die Leichen merkwürdig angeordnet gewesen wären; sie formten ein großes P. P wie Poltos? „Zu viel der Ehr‘, aber wenn de Leichn weg san, de Polizei a, dann hamma mia eh ka Problem, also a guate Nacht, net so aufgeregt sein, nix is passiert, soll Er einen Wein auf Unser Wohle trinken.“ Damit stieg er die Treppe hinunter in den Weinkeller und legte sich zwischen den Weinfässern nieder. Dass diese Weinfässer nach dem Anschlag auf sein Weinlagerhaus die nunmehr einzigen waren, die noch genießbar waren, ahnte der Arme nicht.

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