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Johann Philipp Luder

Pfarrer von St. Laurenz bei Frohse an der Elbe

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Sonntag, 10. März 2019, 18:57

[Pastorat Frohse] Die neuen Vikare

Doktor Luder kam schließlich von seinem glücklichen Besuch bei den Nönninnen in Frohse zurück in sein gemütliches Pfarrhaus neben der Kirche St. Laurenz. Die Magd des Hauses begrüßte ihren geistlichen Herren zurück und war mehr als verwundert von der neuen Frische und körperlichen Reinheit des Mannes und auch erstaunt ob der neuen, viel feineren und gepflegteren Kleider. Doch Doktor Luder hielt sich kaum mit seiner Dienerin auf, sondern suchte sofort einen Raum im Hause auf, indem eine große verschlossene Holztruhe stand. Hierin nämlich war sein gesamtes pekuniäres Vermögen untergebracht und sogleich legte er die prallen Geldsäcke aus dem Kloster hinzu. Sodann blickte er auf seinen Reichtum und rieb sich freudig die Hände. Da war Einiges zusammen gekommen und er würde von nun an ein noch wohligeres Leben in Frohse führen können. Also am Ende mehr Essen und Bücher anschaffen und vielleicht sogar den Pfarrhof erweitern können. Als erste Handlung jedoch suchte der gute und nun sehr vermögende Doktor zwei Hilfsgeistliche, die er als Vikare aus seinem eigenen Vermögen beschäftigen würde. Der Lohn für die Dienste der Vikare in der Cura Animarum wäre natürlich nur ein Bruchteil dessen, was er als ordentlicher Pfarrherr und Kurat an Benefizien hieraus einnehmen würde. Seine Vikare würden die Arbeit machen und er selbst könnte ruhen und sich seinen Lieblingsdingen widmen. Eine grandiose Idee! Besonders junge Geistliche aus armen Ordensgemeinschaften würde er dafür anwerben. Am Anfang lassen die jungen Geistlichen nämlich noch alles Mögliche mit sich machen, ehe sie dann mit dem Alter selbst zu Benefiziaten oder Pfarrherren aufsteigen wollen.

Nachdem sich der Doktor also mit einer nahen Ordensgemeinschaft in Verbindung gesetzt und sich mit dem Abt geeinigt hatte, wurden 2 Altaristen nach Frohse gesandt. Es waren junge Geistliche, Ordenspriester, gerade geweiht mit den Namen Linus und Cletus.


Vikar Linus


Vikar Cletus

Mit dem Abt hatte sich Luder geeinigt für den Zeitraum der Beschäftigung die Vergütung direkt an die klösterliche Kasse zu senden, war den Ordenspriestern selbst ja kein eigenes Einkommen erlaubt. Der Abt würde für sein Kloster einige Zuwendungen erhalten und die jungen Geistlichen darüber hinaus eine sinnvolle Beschäftigung und Übung im geistlichen Dienst. Alle Seiten würden zufrieden sein. Im Pfarrhof hatte der Doktor einige Viehställe räumen und dort die Quartiere für die jungen Vikare einrichten lassen. Pater Cletus würde sodann die täglichen Dienste und Messen in St. Laurenz übernehmen und Pater Linus bei den Nönninnen. Nur an hohen Festen würde Luder selbst die geistlichen Dienste verrichten und sich sonst mit anderen Dingen, wie Essen oder theologischen Büchern und auch der grundsätzlichen Verwaltung der Pfarrei beschäftigen. Besonders aber auch der Gedanke an das stramme Weib Barbara ließ den Luder kaum noch los, der sonst kaum was fürs Weibsvolk übrig hatte. Diese Gedanken sorgten schließlich dafür, dass der Doktor einige seiner bisherigen Gewohnheiten änderte. Besonders das Essen, an dem ihm soviel lag, wollte er um seines Körpers willen etwas einschränken. Wenn er der strammen Barbara das nächste Mal begegnen würde, wollte er nämlich Eindruck auf sie machen, selbst wenn es zu Lasten des Essens ginge, was selbst seine Magd verwunderte. Auch sonst würde er wohl einen größeren Teil seiner neuen Freizeit mit Gängen in die Natur verbringen, um einen gesünderen Lebensstil zu pflegen.