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Rhomäisches Reich: Vor Edessa ist es zur Entscheidungsschlacht zwischen römischen und muslimischen Truppen gekommen.
Kirchenstaat: Der Papst hat Legaten nach Konstantinopel und Augsburg entsandt.

[Doukat Edessa: Stadt Edessa] Der Entsatz von Edessa (März 952)

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Dienstag, 5. März 2019, 20:58

Der Entsatz von Edessa (März 952)

Nach wochenlangem Marsch war es endlich so weit. Das kaiserliche Entsatzheer unter der Führung des Logothetes tou stratiotikou und des Megas domestikos näherte sich der von den Muslimen belagerten Stadt Edessa. Die mit Wällen bewehrte und von Rhomäern des Tagmas der Exkoubitoi sowie Milizen verteidigte Stadt war ringsum von einer gigantischen Armee umschlossen. Wie dringend ihre Hilfe benötigt wurde, war auf den ersten Blick ersichtlich: ein Ausbrechen war unmöglich, man konnte nur ausharren und auf Hilfe warten. Und es war erst Frühling, der Beginn der Feldzugsaison. Die zunehmende Wärme war außerdem ganz nach dem Geschmack der Araber.

Die Hilfe nahte indes. Das Entsatzheer bestand aus dem Tagma der Scholai, der absoluten Elite der Elite unter ihrem genialen Reichsmarschall Phokas, sowie aus dem Tagma der Hikanatoi, welches zusammen mit dem Reichskriegsminister eine eingespielte und erprobte Einheit darstellte. Verstärkt wurden diese Eliteeinheiten noch durch 2000 Mann, die ihnen relativ spontan u.a. in Caesarea zur Verfügung gestellt worden waren.
Die beiden Oberkommandeure ritten dem Heer in prachtvoller Rüstung voran, gefolgt von ihrem Stab sowie berittenen Trompetern, die auf der Stelle die Befehle der Kommandeure durch Trompetensignale weitergeben konnten. „Also eines steht schon einmal fest, das sind mehr als 10.000 Mann. Scheinbar ist der Argyros nicht der Einzige, der hier auf Verstärkung angewiesen war“, bemerkte er trocken zum Reichsmarschall. Überhaupt merkte man dem Logothetes keinerlei Aufregung an.

Den Sarazenen war das Herannahen einer solch massiven rhomäischen Entsatzarmee indes natürlich nicht entgangen. Bestimmt waren sie seit Tagen darüber informiert. Sarazenen waren eben keine stupiden Barbaren. Dementsprechend würde es zu einer heftigen Feldschlacht kommen. Den schönsten Platz für dieses aufkommende Spektakel hatte wohl der General Argyros, der dem Ganzen von einem der hohen Stadtmauertürme würde folgen können.

Gregorios Monomachs warf einen Blick zurück, als würde er sich vergewissern, dass sein Heer noch da war. Die Männer schienen motivierter denn je, nicht etwa müde und erschöpft vom Marsch: Nun setzte der Adrenalin ein, das aufwühlende Gefühl, das sich in einem jeden Magen vor einer Schlacht breitmachte. Dieses wurde noch durch das beständige laute Beten von den Priestern verstärkt, die einstweilen noch dem Heer auf Höhe der Generalität vorausgingen. Bald würden sich die Priester indes nicht mehr an der Spitze des Heeres befinden. Bald würde es zu einem Gemetzel kommen und vielleicht binnen Stunden Sieg oder Niederlage ausgerufen werden.

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Freitag, 8. März 2019, 15:52

Bardas Phokas stand mittlerweile im 74. Lebensjahr, war nach den Zeichen der Zeit längst ein Greis, doch nach wie vor aktiver Militär und ließ so manchen jungen Offizier hinsichtlich seiner körperlichen Verfassung hinter sich, von der Lebenserfahrung ganz zu schweigen. Der Marsch gen Edessa war relativ problemlos verlaufen. Sommerliche Hitze gab es noch nicht, die in diesen Breiten tückisch sein konnte. Dies lehrte ihn seine langjährige Erfahrung an der Ostgrenze.

Ein stetes Auf und Ab war dort seit langem üblich, hatte sich diese schwierige Grenze doch einerseits halbwegs stabilisiert, errang andererseits einmal diese, einmal die andere Seite einen Erfolg. Die Schwäche des Kalifats hatte die Byzantiner in der letzten Zeit begünstigt, doch war es ungeschriebenes Gesetz gewesen, dass Edessa in den Händen der Sarazenen blieb. Dieses Gesetz war nun gebrochen worden, seitdem Romanos Argyros die wichtige Stadt für das Imperium hatte zurückgewinnen können. Nun aber zuckte die arabische Welt auf und rückte zusammen, obwohl sie sonst so zerstritten war.

"Wenn es stimmt, was unsere Späher berichten, haben sich die notorisch uneinigen ad-Daula-Brüder zusammengetan", erwiderte der Reichsmarschall dem Kriegsminister knapp. "Überblickt man dieses Aufgebot, ist man geneigt, dem zuzustimmen." Damit ging auch Bardas von mehr als den erwarteten 10.000 Mann der Gegenseite aus. "Da hat Argyros einen schlafenden Drachen geweckt. Nicht unbedingt das, was wir gebraucht hätten." Es war wohl wirklich nicht die Absicht des Generals im Rufe eines Hasardeurs gewesen, die beiden Emirate von Aleppo und Mossul geschlossen zum Gegenschlag zu animieren. "Die Frage, die sich nun stellt, lautet: Wagt man im Alleingang eine Feldschlacht oder versucht man, bis Edessa vorzudringen." Beides barg Risiken. In einer direkten Schlacht wäre man numerisch unterlegen. Ein Vorstoß in Richtung der Stadt würde hohen Blutzoll fordern, würden ihn die Muslime doch um jeden Preis zu verhindern suchen.

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Samstag, 9. März 2019, 15:42

Ein warmer Südwestwind blies dem General ins Gesicht, als dieser angestrengt in Richtung des Gegners schielte. Bardas Phokas, so hatte es sich mittlerweile erwiesen, war im Alter noch ruhiger und wortkarger geworden, als er es seit jeher gewesen war. Seine Worte waren immer präzise und hatten ihre Berechtigung; kein Stuss entkam seiner Kehle, selbst im Humor blieb er niveauvoll und zurückhaltend. Den Monomachos hatte dies nie gestört, man war ja auch nicht zum Plaudern im Heer. Darin waren sie sich jedenfalls einig; bei manch einem Rekruten konnte man daran zweifeln.

Der Reichsmarschall stellte zwei Optionen in Aussicht: In die Stadt vorzudringen oder alleine gegen die Muslime, in einer offenen Feldschlacht, entgegenzutreten. „Nun ist wahrlich nicht der Augenblick, an dem man sich ein Blatt vor den Mund nehmen sollte!“, sagte er und meinte damit, dass er nun ganz offen reden würde. Seine Rüstung tschepperte im Trab des Pferdes. Seit Tagen hatte es nicht mehr geregnet und der Staub, den die Pferde vom ausgetrockneten Boden aufwirbelten, erschwerte die Sicht zum Teil. Das konnte ein Nachteil sein, genauso aber auch ein Vorteil. Gewiss würde schon bald der Boden vom Blute der Gegner getränkt werden.

Lieber wäre mir eine Feldschlacht an Eurer Seite, Megas domestikos, denn ein verlustreiches Vordringen in die Stadt, nur um dort mit dem General Argyros in Konflikt zu geraten. Das erscheint mir nicht gerade erstrebenswert. Selbstverständlich würde er – Oheim des Kaisers und Generalstatthalter - sich die oberste Befehlsgewalt vor Ort anmaßen, dann käme es zu kindischen Streitereien und das können wir nicht gebrauchen. Außerdem verlieren unsere Kataphrakten, dieser berittene Schrecken, ihren großen Vorteil als Kavallerie, sobald sie einmal in die Stadt vorgedrungen wären Nein, ich bin der Meinung, dass wir diese Schlacht [b]hier und heute schlagen müssen.“[/b] Er hielt sein Pferd kurz an und deutete nach unten zum aufgewirbelten Staub. „Wir können sie zum Narren halten. Eine Hundertschaft von Kataphrakten kann, im richtigen Abstand zueinander, den Eindruck erwecken, es handelte sich um eine ganze Armeeabteilung.“ Der Monomachos schlug also ein Täuschungsmanöver vor; Bardas wusste bestimmt, dass der Kriegsminister ein Freund des massierten Angriffs war. Das hieß, die Kräfte zu einem großen, kraftvollen und vernichtenden Schlag zusammenzuballen, in den Gegner einzudringen und dann die Front praktisch aufzurollen. „Ein Scheinangriff mit den 2000 Berittenen, die sich uns in Caesarea angeschlossen haben, sowie einigen Eskadronen unserer Kataphrakten; etwas zeitversetzt der tatsächliche Angriff der Scholai und Hikanatoi. Der Scheinangriff wird sie vielleicht dazu bewegen, Männer an die jeweilige Stelle zu verlegen; dementsprechend werden andere Stellen schwächer besetzt sein.“

Dieses Mal überkam den General ein stärkerer Windstoß und er musste kurz die Augen zusammenpressen. Weit und breit keine Wolke und doch fühlte es sich so an, als würde jeden Moment ein Gewitter losbrechen. Eine gar unheimliche Stimmung und ein Rekrut, der zum ersten Mal in die Schlacht zog, hätte sich in diesem Moment wohl in die Hose gemacht. „Meine Meinung kennt Ihr nun, alter Kamerad. Doch wie würdet Ihr Eure eigene Frage beantworten? Welche Option erscheint Euch billiger und wie würdet Ihr sie durchführen?“ Gregorios Monomachos schätzte die Meinung und Autorität des Reichsmarschalls in Kriegsangelegenheiten groß genug ein, um sich natürlich auch wieder umstimmen zu lassen. Vielleicht hatte Bardas ja eine bessere Idee, wie man den Feind am ehesten vernichten könnte.

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Montag, 11. März 2019, 16:19

Im Grunde genommen nahm der Kriegsminister in seinen Ausführungen weitgehend die Gedankengänge, die Bardas Phookas selbst bereits minutiös durchgespielt hatte, wiedergegeben. Dies zeugte davon, dass sie beide eben lang gediente Recken waren, die sich in solchen Situationen schnell den äußeren Umständen anzupassen im Stande waren. Tatsächlich war es nicht eben von der Hand zu weisen, dass sich dieser General Argyros dann kurzerhand auf seine Stellung als Generalstatthalter versteifen könnte, wenn man in einem riskanten Vorstoß bis nach Edessa vorstieße. Das Kompetenzgerangel konnte noch heiter genug werden, waren die kaiserlichen Instruktionen doch recht vage und würde Argyros wohl keine Gelegenheit auslassen, um seine eigene Position zur Schau zu stellen.

"Ich muss gestehen, dass ich Euch nur bei allem, was Ihr sagtet, beipflichten kann. Die zu erwartenden Schwierigkeiten mit Argyros könnte man durch eine siegreiche Schlacht im Vorfeld weitgehend eindämmen, setzte ihn dies doch in Zugzwang, mit den Befreiern von Edessa zu kooperieren. Sein eigener Anteil an diesem Ausgang wäre denkbar gering. So führt denn kein Weg vorbei an einem Waffengang in aller Bälde, so riskant er auch sein mag. Die beide Emire sind schließlich keine Dummköpfe, auch wenn jener von Mossul zur Kategorie wie Argyros zählen soll. Womöglich ist er es, der auf den Scheinangriff überstürzt reagieren wird. Insofern ist seine Anwesenheit womöglich ein Segen."

So konnte man dies zumindest sehen, denn der Emir von Aleppo galt als viel besonnener und durchschaute die byzantinische Taktik am Ende, während sein Bruder ein Haudrauf war und lieber ein Risiko zu viel in Kauf nahm. Man konnte nur hoffen, dass sich in diesem Falle nicht die Vernunft auf muslimischer Seite durchsetzen würde. Denn in dem scheinbaren Angriff lag das Momentum, welches den Sieg bringen konnte.

"So sollen also die Hinzugestoßenen aus Kaisareia diese gewagte Strategie ausführen, wohl wissend, dass ein Großteil derselben das Leben lassen wird. Der Heldenstatus ist ihnen jedenfalls gewiss, sollte unser Plan Erfolg haben", erwiderte der Reichsmarschall. "Also morgen in aller Frische, gleich nach Sonnenaufgang. Je länger wir warten, umso mehr spielen wir dem Feinde in die Hände, steht doch zu befürchten, dass die Ungläubigen weiteren Zuzug erhalten." Damit war das Wesentliche gesagt. Die genauen Details würde man noch mit den Offizieren des Generalstabes besprechen. Nicht alle würden den kommenden Tag überleben, doch galt es Opfer zu bringen, um noch viel größeren Schaden abzuwenden. Es stand schließlich einiges auf dem Spiel. So wenig Bardas und Monomachos den Kaiseronkel auch schätzten, galt es hier einer höheren Sache: dem Sein oder Nichtsein.

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Montag, 11. März 2019, 22:43

Im jare des Heils 952 als man schrieb Märzen : auch Lenz begab es sich , dass dero bäbstl.Heyl.keit Cardinales
Adeodatus Tituls S.Sergii et Bacchi wie auch Lukas Tituls S.Cruzis sich in die östl.Provincen begaben , umb der
Wiedergewinnung Edessas mit Rath und That zur Seite zu stehen , wie es unser Heyl.Vatter der Babst bestimmte.
Dahero gelangten die vorgenannten Cardinales bis zu genannter Stadt , die da ward gemacht zum Sitz des Du-
kates selbigen Namens , dem da vorstand der General und Gubernator Roman Argyr , ein Oheimb dero röm.kays.
Mayestät. Denselben Argyrum hätt Cardinal Lukas Kreszenz bereits in der Frankia Orientalis getroffen , so dass
dies ein gar freudiges Wiedersehn würd , so war sich Adeodat gewiss.
Also nahten die genannten Cardinäle , begleitet von funffzig Mannen , mit wehenden Kirchen=Fahnen dem näm-
lichen Lager , welches nicht allzu weit entfernt Edessas sich befand. Zuerst aber mussten sie die muselmanischen
Stellungen passieren.
Von Weitem bereits lobpriess Adeodat den HERRN und stimmte jauchzend ein Halleluja an , so dass die Ungläu-
bigen darauf aufmerksam werden mussten. Doch war sich Adeodat gewiss , der Herr Gott würde sie beschirmen ,
stand doch geschrieben , allein Gott Vertrauen sei hinreichend zur Festigung des Glaubens.
Hosianna dem Sohne Davids ! Gelobt sei , der da kommt in dem Namen des Herrn ! Hosianna in der Höhe !
Lautstark rief Adeodat , der fromme Mönch , diesen Lobpreis Gottes gen Himmeln.

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Dienstag, 12. März 2019, 10:28

Der Reichsmarschall stimmte dem Monomachos in allen Punkten zu, außer dem Zeitpunkt des Angriffs. Der Marschall schlug nämlich vor, erst beim morgigen Sonnenaufgang anzugreifen. Gregorios akzeptierte die Einschränkung ohne Widerrede und so begann man erstmal mit der Errichtung eines befestigten Lagers an einer günstigen Stelle. Der restliche Tag wurde mit allerlei Vorbereitungen verbracht: Schwerter wurden nochmals geschliffen, Rüstungen poliert, die Pferde gefüttert. Den 2000 in Caesarea hinzugestoßenen wurden darüber hinaus jeweils ein Becher Brandwein spendiert. Es war höchstwahrscheinlich ihr letzter Tag auf Gottes Erde. Nur ein besonders mächtiger Schutzengel würde sie am morgigen Tage vor dem Tode retten können.

Die Nacht brach schnell herein und verlief ruhig. Es erfolgten keine nächtlichen Überraschungsangriffe seitens der Sarazenen; auf Seiten der Rhomäer unterließ man solche Unternehmungen ebenso, konnten diese in der Finsternis schnell in ein Fiasko ausarten. Am nächsten Morgen also bestiegen 10.000 Männer ihre Schlachtrösser und stellten sich in Reih‘ und Glied auf. Der Monomachos erkannte in den Gesichtern der 2000 Kavalleristen, die den Scheinangriff führen würden, so etwas wie Todesverachtung. Der Kriegsminister persönlich schritt deren Reihe ab und drückte dem ein oder anderem Soldaten oder Offizier die Hand und wünschte Gottes Beistand. Er machte ihnen klar, dass er von ihnen nicht erwartete, die Front aufzurollen: Sie sollten vorstoßen, Chaos anrichten und sich dann so schnell wie möglich zurückziehen. Der Feind würde die Finte nämlich bald bemerken.

Nachdem er sich von den 2.000 Kavalleristen symbolisch verabschiedet hatte, ritt er zurück zum Reichsmarschall, der an der Spitze der Hikanatoi und Scholai stand: 8.000 schwer gepanzerte Kataphrakten. „Die Sarazenen erwarten unseren Angriff. Wohl lernten sie in den letzten Jahrzehnten die Sinnlosigkeit von Sturmangriffen gegen unsere Kataphrakten.“
Während sich die 2.000 Mann in einer breiten Front aufstellten und den Anschein einer gigantischen Armee erweckten, waren die Scholai und Hikanatoi tiefer gestaffelt. Boden und Luft waren nach wie vor trocken und die 2.000 Mann sollten genügend Staub aufwirbeln, um den Sarazenen Sand in die Augen zu streuen und sie die Finte schlucken zu lassen.

Nun gab es keinen Grund mehr zu warten. Die Warterei machte jeden Angehörigen des Heeres ohnehin verrückt. Gregorios hob die Hand und ließ sie herunterfahren. Daraufhin ertönte ein Trompetenstoß; die Trompeter der Kavallerie, die den Scheinangriff führen würden, antworteten und langsam setzte sich die lange Reihe in Bewegung. Sofort wurde Staub aufgewirbelt, sofort zogen sie das Tempo an und preschten unter weiteren Trompetenstößen in Richtung der angegebenen Stelle vor. Selbst für den Kriegsminister, der ja wusste, dass die Truppe weitaus kleiner war, als es den Anschein hatte, war von dem Anblick überwältigt. Ein kalter Schauer lief dem General über den Rücken und er wünschte den mutigen Männern alles erdenklich Gute. Der Heeresteil verschwand im aufgewirbelten Staub. „So beginnt es also…“, raunte er seinem Kollegen zu und gleich würde auch ihr großer Moment kommen; gleich würden die Trompeter der leichten Kavallerie ihr Aufeinanderprallen mit dem Feinde verkünden, was zugleich ihr Signal war, mit der gewaltigen Heerschar an Kataphrakten anzugreifen.

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Mittwoch, 13. März 2019, 16:31

Eine sarazenische Patrouille wurde im Morgengrauen auf eine seltsame Abordnung aufmerksam, die sich aus zwei christlichen Pfaffen und vielleicht 50 Mann Begleitung zusammensetzte. Der eine der Pfaffen rief unablässig und unüberhörbar irgendwelchen christlichen Unfug, zumindest hatte es genau diesen Anschein. Beinahe wirkte es so, als suchten diese Lebensmüden den Konflikt. Alsbald war eine stattliche Reiterstreitmacht von 300 Mann auf dem Weg, um diesem Schabernack ein Ende zu bereiten. Hohe Geistliche brachten ein beträchtliches Lösegeld, daher konnte es nur recht sein, würde man der Wahnwitzigen habhaft.

Doch was war das? Plötzlich und unerwartet vernahm man Fanfarensignale aus einer ganz anderen Richtung. Die 300 berittenen Sarazenen sahen sich alsbald einem scheinbar gewaltigen Kavallerieangriff der gefürchteten byzantinischen Kataphrakten ausgesetzt. Aus irgendeinem Grund war es den sarazenischen Spähern entgangen, dass die Byzantiner so zeitig die Entscheidung auf dem Schlachtfeld suchten.



"Die Rhomäer greifen an!!!", rief ein sichtlich schockierter Wachposten im muslimischen Heerlager, der von Weitem das Unheil herannahen sah. Sofort wurde Alarm geschlagen. In Windeseile schlüpften die Männer in ihre Rüstungen und griffen nach ihren Waffen. Ein ziemliches Durcheinander erschwerte die Koordination. Zumindest dem Anschein nach war es mindestens ein komplettes Tagma von 4.000 Mann, vielleicht auch derer zwei, das zum Sturmangriff überging. Dies war die Stärke der byzantinischen schweren Reiterei, die alles niedermähte, was sich ihr in den Weg stellte.

Dass es in Wahrheit ein Täuschungsmanöver war und nur 2.000 Mann daran beteiligt waren, musste den Sarazenen erst einmal entgehen. Noch im Morgenmantel stürmte der Emir von Mossul aus seinem Zelt herbei, der sich bis soeben noch mit mehreren Konkubinen die Nacht versüßt hatte. Die Morgendämmerung lag ja noch in der Luft.


Nasir ad-Daula, Emir von Mossul

"Beim Barte des Propheten, was hat das zu bedeuten?!", fluchte der Emir und ließ sich so schnell wie möglich in Kampfmontur stecken. "Alles zu den Waffen! Na wird's bald!", herrschte er die sichtlich verwirrten Männer an. "Wenn sie den Kampf suchen, sollen sie ihn bekommen! Noch vor der Mittagszeit werden die Leiber der Ungläubigen den Wüstensand säumen!"

Ohne weitere Rücksprache mit seinem Bruder Saif entschied Nasir dann eigenmächtig, sich den Angreifern mit geballter Heeresmacht entgegenzustellen, ging doch auch er von einem massierten Frontalangriff der gesamten byzantinischen Kavallerie aus, den es um jeden Preis zu stoppen galt.

Für die beiden Pfaffen (eigentliche Kardinäle) und ihre Begleiter interessierte sich mittlerweile natürlich niemand mehr.

8

Mittwoch, 13. März 2019, 23:16

So begab es sich , dass die Ungläubigen des Hl.Zugs gewahr wurden , der da angeführt ward von Adeodat
und Lukas Kreszenz , ihrs Zeichens Cardinäle der Heyl.Roem.Kirchen zu Rom. Und genannte Muselmänner
wollten die Hl.Schar behindern in ihrem Thun , das sie führte zu der rhomaischen Streitmacht.
Da aber erhob sich ein furchtbarer Tumult , da nämlich ganz unvermittelt der gottgewollte Ansturm der
Reiterei dero kays.Mayestät sich den Weg bahnte und die Aufmerksamkeit der Ungläubigen naturgemäss
auf sich zog. Adeodat aber wusste , dass dies ein weitres Zeichen des Himmels war , und so bekreuzigte
er sich gar demüthig und frömmig.
Im Lager der Morgenländer aber brach die blanke Panik aus , hatte der Allmächtige doch gerathschlagt ,
dass an diesem Tage die Entscheidung fallen sollt. Dieselben Mohammeds=Anhänger schenkten der
der Hl.Schar überwiegend überhaupt keine Aufmerksamkeit mehr , mussten sie sich doch vielmehr der
Reiter=Attacke erwehren , die da hereinbrach.
Allein , der Muselmänner zwey stellten sich den beiden Cardinälen in den Weg , die ohne ihr Gefolge
etwas näher herangekommen waren. In nährer Umgebung die einzige Gefahr für die Christen.

Muselmannen

Die Mohammads=Jünger huben an und dies in der Muselmannen Zung , so dass man sie gar nicht verstand.
Jedenfalls schienen sie aufgebracht und unwillig , die Gottesmänner passieren zu lassen. Da aber kam
Adeodat ein gar weiser Einfall , denn er ergab sich scheinbar , und er bedeutete dem Hrn.Lukas , dass er es ihm
gleichtun sollte. Die tumben Saracenen aber fielen darauf herein , als wie sie die Cardinäle generell gar arg
unterschätzten. Als sich die beiden nämlich den Pferden der Gottesfürchtigen näherten , einer Adeodat ,
der andre , ein Mohr , aber Lukas Kreszenz , da holte Adeodat , der Hammer Gottes , mit der Hl.Schrift , die er
gar immer bei sich trug , gar heftig aus und zog sie dem Schurken über die Rübe , worauf derselb sofort zu
Boden ging , wog die Bibel doch so einiges. Nun galts , dass Kreszentius ähnlich verfuhr.

9

Mittwoch, 13. März 2019, 23:57

Gemeinsam mit seinem göttlichen Mitstreiter Adeodat ritt Lucas der Stadt entgegen, als ihnen Berittene, wenige hundert an der Zahl, auffielen, die der schreiende Adeodatus wohl angelockt hatte. "Der ist wahnsinnig! Der ist verrückt, dieser Idiot!", brüllte der Kardinal in Richtung ihrer Begleiter in üblich grobschlächtiger Art und Weise. "Du spinnst doch! Dich muss man einsperren weil du nicht mehr normal bist!", schrie er in Richtung Adeodats und fuhr gerade erst richtig auf, als man von weitem Fanfaren hörte und sich einiges bewegte im Lager der Byzantiner. Offenbar ging man just in diesem Moment zum Angriff über. Die Hundertschaften der Muselmannen drehten im selben Moment ab, offenbar waren die Geistlichen nur noch wenig interessant im Angesicht des Angriffs. "Ihr! Los, zum Lager der Rhomäer und bietet Eure Unterstützung an!", bellte Lucas zu den päpstlichen Soldaten, die sich sogleich anschickten, den Befehl auszuführen. Damit ließen sie die beiden Geistlichen alleine, die das Geschehnis von hier aus gut beobachten konnten, befand man sich doch auf einer kleinen Anhöhe. Dass sich indes zwei der Muselmänner gefährlich angenähert hatten, war den Kardinälen entgangen, es fiel erst jetzt auf, als sie sich vor die beiden stellten und in irgendwelchem Kauderwelsch sprachen und wild mit den Händen gestikulierten. Lucas sprang von seinem Pferd und wiederholte die Gestikulationen mit weit ausgestreckten Armen, dabei brüllte er den Neger an. "Red in einer ordentlich Sprache mit mir! Du bist so bescheuert, du bist zu bescheuert, um zu kapieren, dass ich dich nicht verstehe, so bescheuert bist du! Du... du Arschloch!" Adeodatus hingegen machte die Sache etwas einfacher, als er - wohl reflexartig - einem der beiden die Bibel über den Schädel donnerte. Der Neger schaute ganz schockiert drein, damit hatte er wohl nicht gerechnet. "Leck mich doch am Arsch, Mensch!", rief Lucas und griff nach seinem Bischofsstab, den er trotz seiner Ernennung zum Kardinal immer bei sich hatte und zog dem Mohren damit eine über, sodass auch dieser ins Land der Träume geschickt wurde.

Nun standen die beiden Kardinäle vor den schnarchenden und sabbernden Muselmännern und blickten doof drein. "Bruder Adeodatus, es dünkt mich, als fielen wir zu sehr auf." Er bückte sich und zog behände dem Mohren, der etwa seine Statur hatte, die Kleider vom Leib, ehe er sie über seine eigenen Gewänder warf. Dann schmierte er sich etwas Erde ungeschickt ins Gesicht. "Schau her, nun bin ich auch ein Mohr!"



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Donnerstag, 14. März 2019, 10:01

Der Scheinangriff


Matthias, ein Hornist der 2.000 Kavalleristen
Matthias war erst zweiundzwanzig Jahre alt, hatte aber bereitsden ehrenhaften Rang eines Hornisten seiner Eskadron. Matthias und seine Kameraden
entstammten der Provinz Charsianon und bildeten eine effektive Einheit der Kavallerie des dortigen Statthalters. Unterteilte man die Kavallerie in
leichte, mittlere und die schwere, so gehörte Matthias mit seinen Leuten wohl zur mittelschweren Kavallerie. Seit der Statthalter das Eskadron, dessen Hornist
Matthias war, als Verstärkung entsandt hatte, waren zwei Wochen vergangen. Zunächst waren sie alle, ergriffen und aufgeregt ob der bevorstehenden
Schlacht, aufgebrochen; doch kein Mensch kann eine derartige Ergriffenheit, eine derartige innere Aufregung über zwei Wochen aufrechterhalten.

Doch nun war es wieder da, dieses Gefühl. Und es würde die erste große Schlacht des Matthias werden. Seine Eskadron war den restlichen 1.800 Mann zugeteilt worden, die der Hauptarmee in Caesarea anfügt wurden und die nun einen Scheinangriff führen sollten. Inklusive seiner Eskadron waren es also um die 2.000 Mann, die sich nun sammelten. Ein älterer Herr, es musste der Reichsmarschall oder der Reichskriegsminister sein, ritt ihre Reihe entlang und salutierte ihnen gegenüber, manchem schüttelte er sogar die Hand und wünschte Gottes Beistand.

Als wollte es der Zufall, blieb der ältere General auch vor ihm, Matthias stehen und schüttelte ihm die Hand. Er fragte ihn, ganz trocken, ob er
aufgeregt und ob es seine erste Schlacht sei. „Jawohl, Herr, meine erste Schlacht, Herr. Keine Aufregung, Herr, die machen wir fertig!“, sagte er
zuversichtlich, doch wurden ihm in Wahrheit die Knie weich, als er im Hintergrund die Reaktionen anderer Soldaten auf die fragwürdige Ehre mitbekam, einen
Scheinangriff führen zu dürfen. Der General blickte Matthias nachdenklich an, dann nickte er, klopfte ihm grob auf die Schulter und sagte so laut, dass es
jeder hören konnte, dass er sich erwartete, dass man sich auf sein Signal hin auf der Stelle umdrehte und abzog. Ihre Aufgabe sei nicht die Zerschlagung der
feindlichen Armee, sondern die Ablenkung, sodass die Kataphrakten die übrige, gewaltige Arbeit erledigen könnten.

Matthias salutierte und der General ritt weiter die Reihe ab. Die 2.000 Reiter standen gestaffelt in einem gewissen Abstand zueinander,
sodass sie den Eindruck erweckten, es handelte sich um ein ganzes Tagma. Der junge Hornist ließ sich von einem Priester segnen und bekreuzigte sich. Schon
ertönte eine Trompete und Matthias reagierte sofort mit seinem Horn; ein Schauer überkam ihn, eine Gänsehaut, wie er es noch nie erlebt hatte. Fast fürchtete
er, er könnte ohnmächtig werden. Doch die Kameraden neben ihm begannen langsam loszutraben; die hinter ihm drängten nach und so musste auch Matthias vorwärts.

Immer schneller ging es voran, immer wilder wurde der Angriff; alle Eskadronen folgten ihren Standarten, die ihnen vorauswehten,
Hörner und Trompeten erklangen von hier und dort, von hinten wie auch von vorne; schon machte er Bewegung im feindlichen Lager aus und mit jedem Moment,
der verstrich, konnte Matthias mehr erkennen. Er sah, dass Truppen abgezogen wurden und jener Punkt verstärkt wurde, an dem sie ihren Scheinangriff führen
sollten. Also ging alles nach Plan, ging es ihm durch den Kopf. Aber was hieß das für sie, die 2.000 Reiter?

Etwa eintausend Schritte vor dem Zusammenprall ergriff Matthias, dessen Haare sich nun im Nacken aufstellten, der Tränen in den Augen
hatte – ob von den vielen Gefühlen oder dem aufgewirbelten Staub – erneut sein Horn und bließ, gemeinsam mit den anderen Hornisten der Kavallerie, kräftig in
sein Horn. Neben ihm begannen die älteren Reiter wild zu schreien und ihre Schwerter über ihren Köpfen zu schwenken und wären sie nicht seine Freunde gewesen, so
hätte er es mit der Angst zu tun bekommen.

Mit ungebremster Geschwindigkeit rasten sie auf die Sarazenen zu. Matthias konnte bereits die ersten braunen Gesichter der Ungläubigen
erkennen. In ihren Gesichtern stand die Angst, da sie wohl meinten, sie hätten es mit der gesamten Armee zu tun. Nur noch wenige Minuten lang könnten die
Rhomäer den Bluff aufrechterhalten. Gleich würde das Chaos den ersten Höhepunkt erreichen. Matthias steckte das Horn weg und zog sein Schwert, dabei blickte er
rechts neben sich, wo sein Freund Patrikios ritt; ihre Blicke trafen sich, doch zugleich traf den Patrikios auch ein Pfeil an der Hüfte, woraufhin er aus dem
Sattel fiel und von hunderten Paaren Hufen der eigenen Leute erschlagen wurde. Jetzt schrie Matthias wie ein Wahnsinniger, wie alle seine Kameraden schrie er
aus Hass, Zorn, Verzweiflung und Raserei.

Jetzt erreichten sie die gegnerischen Stellungen! Gräßlich krachte es; Pferde fielen, Knochen brachen; Verteidiger wurden unter den Massen
der Angreifern erschlagen, ihre Schreie wurden erdrückt und Matthias glaubte kurz, sie könnten die ganze feindliche Armee niedermachen. Doch bald schon
kamen sie zum Stehen; konnten nicht mehr vorwärts und nur noch auf die Köpfe unter ihnen einhieben. Mehrere Reiter wurden mit Lanzen zu Fall gebracht; einem
Rhomäer wurde gar der Fuß mit einem Beil abgehauen, sodann wurde er vom Pferde heruntergezogen und regelrecht entweidet.

Während es den Arabern nach etlichen Minuten wohl dämmerte, dass hier etwas nicht in Ordnung war, hörte Matthias ein Signal. Wie er es
hörte, war ihm unklar, herrschte um ihn herum doch die Hölle. Vielleicht war es sein geübtes Gehör. Wieder hörte er das Signal. Es war das Kommando, langsam vom
Feinde abzuziehen. Gleichzeitig hörte er auch ein Angriffssignal: Jetzt würden wohl die Kataphrakten angreifen!

Den Horror um sich vergessend, griff er nach seinem Horn und blies so stark wie irgend möglich hinein. Ein ohrenbetäubendes Signal kam
heraus, wurde weitergegeben und langsam löste man sich vom Gegner, so weit dies ging. Fast die ganze Einheit des Matthias war bereits gefallen. Wieder bließ er
in sein Horn, doch da spürte er etwas an seiner Hüfte, ein Paar Hände, die ihn herunterziehen wollten. Matthias schrie und schlug mit seinem Horn nach den
Griffeln des Teufels, wendete sein Pferd und gab ihm die Sporen.

Während sie zurückritten, folgten ihnen Scharen von Wurfspießen und Pfeilen. Matthias sah bereits, wie an der anderen Seite des Schlachtfeldes
die Kataphrakten im Sturmangriff losritten, da wurde es ihm plötzlich schwarz vor Augen: Das letzte, was Matthias in seinem Leben sah, war der mitleidige
Blick eines Kameraden und die Spitze eines Speeres, der durch seinen – Matthias‘ – Bauch ragte.

Dann fiel er vom Pferd, nur zweiundzwanzig Jahre alt und blieb am Boden liegen. Wie durch ein Wunder wurde er nicht zu Tode getrampelt. Er überlebte. Er blieb liegen. Er schrie nach seiner Mutter. Er schrie nach Gott und Erlösung. Doch sein Schreien ging unter im Schlachtgetöse, sein Schmerz ging unter in einer Welle des Hasses, der Gewalt. Während Matthias durch den eigenen Darminhalt vergiftet wurde, während er so da lag und Blut erbrach, begann für das Gros des Heeres erst die Schlacht. Er hatte seine Pflicht getan und starb nun seinen Heldentod, vergiftet vom eigenen Kot und Blut, durch Staub bedeckt, alleine, von allen verlassen. "O Herr, Christos...", waren seine letzten tränenreichen Worte.

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Donnerstag, 14. März 2019, 15:29

Gemeinsam mit seinem göttlichen Mitstreiter Adeodat ritt Lucas der Stadt entgegen, als ihnen Berittene, wenige hundert an der Zahl, auffielen, die der schreiende Adeodatus wohl angelockt hatte. "Der ist wahnsinnig! Der ist verrückt, dieser Idiot!", brüllte der Kardinal in Richtung ihrer Begleiter in üblich grobschlächtiger Art und Weise. "Du spinnst doch! Dich muss man einsperren weil du nicht mehr normal bist!", schrie er in Richtung Adeodats und fuhr gerade erst richtig auf, als man von weitem Fanfaren hörte und sich einiges bewegte im Lager der Byzantiner. Offenbar ging man just in diesem Moment zum Angriff über. Die Hundertschaften der Muselmannen drehten im selben Moment ab, offenbar waren die Geistlichen nur noch wenig interessant im Angesicht des Angriffs. "Ihr! Los, zum Lager der Rhomäer und bietet Eure Unterstützung an!", bellte Lucas zu den päpstlichen Soldaten, die sich sogleich anschickten, den Befehl auszuführen. Damit ließen sie die beiden Geistlichen alleine, die das Geschehnis von hier aus gut beobachten konnten, befand man sich doch auf einer kleinen Anhöhe. Dass sich indes zwei der Muselmänner gefährlich angenähert hatten, war den Kardinälen entgangen, es fiel erst jetzt auf, als sie sich vor die beiden stellten und in irgendwelchem Kauderwelsch sprachen und wild mit den Händen gestikulierten. Lucas sprang von seinem Pferd und wiederholte die Gestikulationen mit weit ausgestreckten Armen, dabei brüllte er den Neger an. "Red in einer ordentlich Sprache mit mir! Du bist so bescheuert, du bist zu bescheuert, um zu kapieren, dass ich dich nicht verstehe, so bescheuert bist du! Du... du Arschloch!" Adeodatus hingegen machte die Sache etwas einfacher, als er - wohl reflexartig - einem der beiden die Bibel über den Schädel donnerte. Der Neger schaute ganz schockiert drein, damit hatte er wohl nicht gerechnet. "Leck mich doch am Arsch, Mensch!", rief Lucas und griff nach seinem Bischofsstab, den er trotz seiner Ernennung zum Kardinal immer bei sich hatte und zog dem Mohren damit eine über, sodass auch dieser ins Land der Träume geschickt wurde.

Nun standen die beiden Kardinäle vor den schnarchenden und sabbernden Muselmännern und blickten doof drein. "Bruder Adeodatus, es dünkt mich, als fielen wir zu sehr auf." Er bückte sich und zog behände dem Mohren, der etwa seine Statur hatte, die Kleider vom Leib, ehe er sie über seine eigenen Gewänder warf. Dann schmierte er sich etwas Erde ungeschickt ins Gesicht. "Schau her, nun bin ich auch ein Mohr!"


Zuvörderst hatte sich der heiligmässige Cardinal Lukas gar widerspenstig erzeiget ob der Vorgehensweise des frommen Adeodat ,
doch erwies es sich , dass eben dieselbige mit Bedacht erwählet wurde , da nunmehro die Principes Ecclesie sich selbst beweisen
konnten im Angesicht des schröcklichen Feindes , der da sein Unwesen trieb.
Des Hrn.Lukas ihm eigne ungestüme Art beförderte , sich dem Vorbild Adeodati anzuschliessen , denn bald schon lag auch der
Mohr niedergestreckt zu seinen Füssen , machte derselb doch Bekanntschaft mit dem bischöffl.Stab , welchen Kreszentius mit
sich führte. Da aber kam dem christgläubigen Lukas Kreszenz ein gar weiser Einfall , welchen auch Adeodat sogleich erwog ,
dass sie nämlich als Cardinäle hier allzu gar auffielen und darumb sich einer alten List bedienten , indem sie sich verkleideten.
Gar widerwillig streifte sodann auch Adeodat , seins Zeichens Ordens Benedikti , sein purpurnes Cardinalskleid ab und schlüpfte
in das Gewand des Ungläubigen , worauff sich der fromme Mönch bekreuzigte , war dies doch der Noth geschuldet.
Halleluja ! gepriesen sei der HERR ! jauchzte der Cardinal=Grossinquisitor ob des genialen Planes , konnten sie nunmehro doch
unerkannt agieren. Hr.Lukas aber gefiel sich , gar nach Mohren Art zu beschwärzen , was Adeodat an den Hl.Maurus erinnerte ,
der da war ein heiliger Neger.
Auf denn o Bruder , auf dass wir dies feindliche Lager infiltrieren , womöglich gut christliche Kriegsgefangene der Freyheit
zuführen , welche wurden von üblem Mohammadanerthum entführt und versklavt hub Adeodat an.
Im Hintergrund aber entartete die Schlacht , welche war ein gar blutiges Handwerk.


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Samstag, 16. März 2019, 21:35

Abū Schudschāʿ Fannā Chosrou Adud ad-Daula oder kurz Adud ad-Daula stammte aus der Dynastie der schiitischen Buyiden und herrschte seit 949 über die Gebiete des späteren Iran und Iraks und kontrollierte quasi das Kalifat von Bagdad, das religiöse Zentrum des muslimischen Glaubens. Trotz seines jungen Alters - ad-Daula wurde 936 geboren - herrschte er bereits mit strenger Hand und einer für sein Alter unerwarteter Weisheit. Er genoss einen guten Ruf sowohl beim Volk als auch in der Kirche und verfügte über großes Ansehen bei den anderen muslimischen Herrschern.
Der Angriff der byzantinischen Aggressoren auf Edessa war natürlich auch weit im Osten nicht unbemerkt geblieben. Nachdem das Kaiserreich sich erst gen Süden und Südwesten ausgebreitet hatte, war es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis sich der Expansionsdrang des jungen Autokraten gen Osten richtete, weswegen man schon vor Jahren ein gewaltiges stehendes Heer bereit hielt, um im Falle eines Angriffs einschreiten zu können. Bisher war es recht ruhig geblieben, trotz der rechtswidrigen Eroberung der Griechen von Zypern, das unter dem besonderen Schutz sowohl des römischen Kaisers als auch des Kalifen von Badgad gestanden hatte. Zu zerstritten waren die einzelnen muslimischen Völker, um sich mit dem aggressiven Nachbarn auseinanderzusetzen. Der Einmarsch eines griechischen Generals in Edessa und die brutale Ermordung muslimischer Geistlicher und der Bevölkerung hatte jedoch nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch den Zorn der islamischen Nationen auf sich gezogen. Der Emir von Aleppo war mit einem gewaltigen Heer von 10.000 Mann gen Edessa gezogen, um den Griechen hinauszuwerfen. Da die Armee um diesen General Argyros recht überschaulich war, lag es nahe, dass Verstärkung kommen würde, weswegen der Emir von Mossul mit einem ebenso großen Heer aufgebrochen war, um seinen Bruder zu unterstützen.
Alle Augen richteten sich dieser Tage auf diese Stadt, die die Griechen nun für sich beanspruchten und die nur die erste sein würde; die erste von vielen eines langen Eroberungszugs. Die Nachrichten waren wahrlich brenzlig und so hatte Adud ad-Daula in seiner Weisheit entschieden, ein gigantisches Heer gen Westen zu entsenden, um den beiden Emiren beizustehen. Es war entscheidend, die Aggressoren aus dem Westen zurückzuschlagen und ihnen eine Grenze aufzuzeigen, den giftigen Stachel sofort aus dem Fleisch zu ziehen, ehe sich die griechischen Soldaten wie die Parasiten die sie waren ausbreiteten und die islamischen Völker zerbrachen.

16.000 Mann hatte der König aufbringen können, darunter 10.000 Mann Kavallerie, 4.000 Bogenschützen und 2.000 Infanteristen, die nun in Begleitung von rund 400 Kriegselefanten und einigem Kriegsgerät unterwegs waren, um den Emiren zur Unterstützung zu eilen. Zudem hatte er die umliegenden Herrscher wie die von Samaniden oder Ziyariden, zu denen Heiratsallianzen bestanden, aufgefordert, es ihm gleich zu tun, so war zu erwarten, dass die nächsten Tage einige tausend Mann folgen würden.


Qawam ad-Sahira Abu l-Fawaris, General der Streitkräfte

Angeführt wurde das riesige Heer von Qawam ad-Sahira Abu l-Fawaris, einem Schwager des Königs Adud ad-Daula, der schon viele Schlachten erfolgreich geschlagen hatte. Als man sich Edessa näherte, wurden Boten ausgesandt, die vorausreiten und die Lage klären würden. Sie kamen mit schlechten Nachrichten zurück, war die Schlacht doch bereits im vollen Gang.


Befehle wurden gebrüllt, der Schritt der Infanteristen verschnellte sich, die Pferde wechselten die Geschwindigkeit und die Elefanten wurden noch härter angetrieben. Man kam auf einem kleinen Hügel vor Edessa zum Stehen, von hier aus bot sich ein Blick über die gesamte Ebene, die die Stadt umgab. Edessa war übel zugerichtet, in der Luft lag der Geruch nach Asche und verbranntem Fleisch. Hier und da qualmte es aus der Stadt. Um die Stadt herum konnte man den Ring der Belagerer ausmachen, in dem ein heilloses Durcheinander ausgebrochen war, offensichtlich war man vom Angriff der Griechen überrascht worden. Diese befanden sich westlich der Stadt. Noch ein paar Stunden, und sie hätten die Sonne im Rücken, was ihnen einen strategischen Vorteil gebracht hätte. Qawan ignorierte die taktische Dummheit der Griechen, am Mittag anzugreifen, wenn die Sonne hochstand und die heimischen Soldaten ganz klar im Vorteil waren. Auch er brüllte einige Befehle, während er das Schlachtfeld, das immer größer wurde, nicht aus den Augen ließ.
Zwei gigantische Katapulte, wie sie nur die Ingenieure aus dem Morgenland entwerfen konnten, wurden mit einem Abstand von gut 120 Metern nebeneinander aufgefahren und in Stellung gebracht. Sie waren mit riesigen Felsen bestückt, an denen mit dicken Nägeln ein Tuch eingeschlagen war, je eine von zwei nebenander liegenden Ecken an einem Felsen. Dieses riesige Tuch lag nun zusammengefaltet zwischen den Katapulten. Die 16.000 Mann hatten inzwischen Stellung bezogen und es wurde bis auf das Kampfgeschrei, das der Wind von Edessa aus zu ihnen wehte, absolut still.

"Aaaalnnaaaar fi al'iiradaaaaaa!", Feuer frei, brüllte Qawam mit autoritärer Stimme und die Katapulte schnalzten mit einem tiefen Wuppen nach vorne. Die beiden Felsen flogen mit einer ungeahnten Leichtigkeit durch die Luft und zogen nun das riesige Tuch hinter sich her, das wie ein fliegender Teppich durch die Luft flog - direkt auf die Stellungen der griechischen Feinde zu. Wahnsinn erfüllte die Augen des Generals, als er zusah, wie die runden Felsen kurz vor den Stellungen der Feinde zu Boden krachten und angeschoben durch die schiere Kraft ihres Fluges eine Schneise der Verwüstung in die feindliche Armee schlugen. Das riesige, rote Tuch flatterte hinterher und begrub nun über eintausend byzantinische Solaten unter sich.
Panik breitete sich aus, erste Infanteristen schnitten sich mit ihren Schwertern durch das Tuch in die Freiheit. Der stechende Geruch von Öl erfüllte die Luft. Zufrieden ließ Qawam sich Pfeil und Bogen reichen. Der Pfeil wurde entflammt, der General machte einige Schritte vor, zielte - und schoss ab. Blitzschnell zischte der brennende Pfeil durch die Luft und traf das Tuch relativ mittig. Das in Öl getränkte Tuch fing sofort Feuer und hüllte die Soldaten in ein tödliches Meer aus Flammen.
"Zeit den Griechen zu offenbaren, dass wir mitspielen", knurrte Qawam und sah mit zusammengekniffenen Augen den Feinden beim Sterben zu. Währenddessen wurden die Katapulte mit Hilfe eines ausgeklügeltes Kransystems und einigen Elefanten neu bestückt.

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Sonntag, 17. März 2019, 00:35

'So beginnt es also', meinte Reichskriegsminister Monomachos trocken zum Reichsmarschall Phokas, der sich bislang nicht in den Vordergrund gedrängt hatte. Wer Bardas aus früheren Zeiten kannte, musste sich fast wundern, doch die stoische Ruhe und Gelassenheit, die ihm schon seit sehr langer Zeit gemein war, hatte noch zugenommen, seitdem er die siebzig überschritten hatte. Bardas war immer jemand gewesen, der eine Feldschlacht, wenn möglich, vermied. Er war ein Meister im Vermeiden unnötiger Verluste, was seinen guten Ruf bei der Truppe mitunter begründete, opferte er seine Männer doch nicht leichtfertig um des Ruhmes willen. Manchmal ließ sich eine Schlacht allerdings nicht vermeiden. Solange sie nicht zur Schlachterei ausartete, war dies auch in Ordnung, denn welcher Militär wäre er gewesen, hätte er dies anders beurteilt. Ultima ratio eben, aber wenn nötig erforderlich. General Monomachos war von seinem Temperament her ein anderes Naturell, was ihn bei diesem offensiv geführten Feldzug zum Hauptakteur auf der kaiserlichen Seite machte. Zudem vermied es Bardas tunlichst, den formal höherrangigeren Kriegsminister vor den Offizieren zu brüskieren, indem er sich auf ein kindisches Kompetenzgerangel einließe. Mit einem solchen durfte man noch früh genug rechnen, wenn General Argyros hinzustieß.

Der rhomäische Schlachtenplan war an und für sich wohl durchdacht. Dass er eine Finte beinhaltete, die mit der Inkaufnahme des Todes der meisten der daran beteiligten rhomäischen Soldaten erkauft war, behaftete ihn gleichwohl mit einem moralischen Makel. Auch wenn es den beiden Co-Oberbefehlshabern nicht leicht fiel, kam genau dieser Plan zur Umsetzung. Im besten Falle rettete das Opfer der Beteiligten ja vielen tausend anderen das Leben. So begann der besagte Scheinangriff, der entgegen der Wirkung, die er auf den Feind haben musste, keineswegs die sämtliche Kavallerie beteiligte.

Der Trick ging auch zunächst auf, konzentrierten sich die Sarazenen doch darauf, ihren durch den massierten Kavallerieangriff vermeintlich in ernsthafteste Bedrohung gebrachten Flügel zu verstärken, wofür sie andernorts ihre Verteidigungslinie aufweichten. Nun wäre es an den beiden Tagmata, genau diesen taktischen Fehler des Gegners gnadenlos auszunutzen. Es konnte schließlich die vorzeitige Entscheidung bringen.

Doch was war das? Gerade als der Reichsmarschall im Begriff war, seine Scholai auf den wirklichen Angriff einzustimmen, bot sich ein völlig unerwartetes Spektakel, das sich für die Byzantiner als fatal herausstellen sollte. Ein offenkundig in leicht brennbares Öl getränktes gewaltiges Tuch flog erst wie ein Phönix durch die Luft, bevor es auf die byzantinische Hauptarmee, bestehend aus Scholai und Hikanatoi, zuraste. Bardas erkannte augenblicklich, dass da Gefahr im Verzuge war. Monomachos erging es sicherlich ähnlich.

"Sofort verteilen!!!", rief der greise Phokas nun mit seiner mächtigen und sonoren Stimme, die klang wie Donnerhall. Gerade dadurch, weil er sein Organ bisher nicht eingesetzt hat, verfehlte es seine Wirkung mitnichten. Die Elitekavalleristen folgten dem Befehl binnen Sekundenbruchteilen. Gleichwohl: Zaubern konnten auch sie nicht. Obwohl ein Großteil der insgesamt 8.000 Mann auseinander stob, erwischte es sicherlich einige hundert, wenn nicht gar etwa tausend, die von diesem wahnwitzigen orientalischen Teppich bedeckt wurden.

Als er den brennenden Pfeil kurz darauf fliegen sah, bekreuzte sich Bardas Phokas unwillkürlich. Er selbst stand zwar fernab der unmittelbaren Gefahrenzone, doch für zahllose tapfere Kavalleristen, die er teilweise seit vielen Jahrzehnten kannte, bedeutete dies das sichere Todesurteil. Fassungslos verfolgte der hart gesottene Marschall das furchtbare Inferno, das sich seinem Auge bot. Wie das überhaupt hatte geschehen können, blieb zunächst ungeklärt. Trotz der fürchterlichen Situation behielt der Reichsmarschall aber die Nerven. Mit seiner vollen Autorität gelang es ihm, die restlichen Scholai neu zu formieren.

Da wurde er auch der Urheber dieser Wahnsinnstat gewahr. Mehrere Offiziere deuteten bereits in Richtung eines unscheinbaren Hügels in der Umgebung, auf dem sich offenbar eine weitere Streitmacht der Sarazenen versammelt hatte - bisher unbemerkt von den Byzantinern.

"Monomachos!", rief Bardas und suchte in dem Chaos nach dem Kriegsminister. "Augenblicklich den Reichskriegsminister ausfindig machen!", herrschte er dann zwei Kataphrakten an. Inmitten des Feuerballs hatten sich Bardas und Gregorios aus den Augen verloren. Nun galt es trotz allem einen möglichst kühlen Kopf zu behalten, wollte man eine Katastrophe verhindern.

Dass zwischenzeitlich die Reiterei des Scheinangriffs praktisch vollständig niedergemacht worden war, hatte man bisher gar nicht ausnutzen können. Das machte die Sache noch bitterer, denn sollten die vielen Männer da sinnlos ihr Leben geopfert haben?!

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Sonntag, 17. März 2019, 08:50

Generalangriff der Hikanatoi

Gregorios Monomachos saß aufrecht in seinem Sattel und
blickte den 2.000 auf den Feind zustürmenden Kavalleristen hinterher.
Währenddessen zog er sich die Handschuhe an und ließ sich vom Adjutanten den
Helm reichen. Der Kriegsminister ritt gerade die Reihe seiner Hikanatoi ab, als
die Vorhut bzw. die Ablenkungstruppe scheppernd auf den Feind traf.

Gregorios wandte sein Pferd und stellte sich an die Spitze der
Hikanatoi. Schon hatte er sein Schwert gezogen, da sah er von weit her etwas
durch die Luft fliegen; sofort erfasste der Logothetes, der im Kriege gegen die
Sarazenen erfahren war, die Situation und schrie den Befehl,
auseinanderzurücken. Kurz brachen Unruhe und Chaos aus, doch die Rhomäer waren
diszipliniert. „Verdammte Scheiße“, entfuhr es der rauen Kehle des Kriegsministers,
der sein Schwert wieder in die Scheide fallen ließ. Schon kam ein Kataphrakt
herangeprescht und Gregorios folgte ihm eiligst zum Reichsmarschall. „Wir
können nicht länger warten, Phokas“
, rief der Monomachos dem Marschall zu, als
er auf ihn zu ritt. „Entweder wir werfen den Feind, oder wir werden unter
seiner Höllenmaschinerie begraben! Ein Zurück gibt es nicht!“
, fügte er mit
erhobener Stimme hinzu und hörte plötzlich ein gewaltiges Poltern aus der
Ferne. „Seht, Bardas, die Kriegselefanten! Das ist unsere einzige Möglichkeit,
die Verwirrung unseres Feindes wird heute und in nächster Zeit nicht mehr dieses
Ausmaß erreichen! Der Scheinangriff bricht bereits in sich zusammen, die Kriegselefanten
werden früher oder später von der gegnerischen Artillerie und den Peilhageln
zurückgedrängt werden. Jetzt oder nie, alter Kamerad, jetzt oder nie!“
Wieder
zog er sein Schwert und hielt es hoch empor. „HIKANATOI! RHOMÄER STERBEN! WIR
KÖNNEN DEM NICHT WEITER TATENLOS ZUSEHEN! SEIT WOCHEN ERWARTEN WIR DIESEN MOMENT, BRACHTEN
TAUSEND MEILEN HINTER UNS, UM HIERHERZUKOMMEN! AUF, AUF, HIKANATOI, SPEER WIRD
ZERSCHELLEN; SCHILD ZERSPLITTERN! AUF,
IHR KATAPHRAKTEN!“
Langsam fiel sein Pferd in einen Trab, er beschleunigte das
Tempo und hinter ihm die gesamte Hikanatoi, die zwar bereits 20 Mann verloren
hatten, aber noch immer etwa 3.980 Mann umfassten. „VORWÄRTS!“

Die Erde begann unter den Hufen der tausenden Pferde zu
beben; Harnische schepperten, Kettenhemde rasselten, Hörner und Trompeten
ertönten. Bewusst ließ Gregorios den Hornisten seines Stabes das Signal „Hilfe
naht“
, "Vorwärts!“ und "Angriff" blasen. Gregorios, der zunächst noch an der Spitze
geritten war, wurde bald von den eifrigsten Kataphrakten überholt; sie waren
seine Familie und wie erwachsen gewordene Kinder wollten sie ihn, Gregorios,
ihren Familienvater, vor Unheil schützen. Auch wenn es ihr Leben kostete. Kein
Hikanatoi wollte sich die Blöße geben, weniger bereitwillig sein Leben zu
riskieren, als es der alte General so gerne tat.

Noch waren die Truppen, die die Sarazenen zuvor zu dem
Flügel abgezogen hatten, an dem der Scheinangriff stattgefunden hat, nicht in
ihre Stellungen zurückgekehrt; noch herrschte ein regelrechtes Chaos, verstärkt
durch die Kriegselefanten, die der Monomachos einst in Alemannien selbst
befehligt hatte. Auf halbem Wege teilten sich seine Hikanatoi in zwei Flügel auf.
Es dauerte etwa drei Minuten, bis der große Moment gekommen war: Zum Lärm der
Hufe und der scheppernden Rüstungen kam nun noch das dumpfe Geräusch
aufeinanderprallenden Fleisches hinzu; Pferde, die gegen Abwehrmaßnahmen
krachten, geübte Reiter, die mit ihren Pferden über die Pfähle sprangen und
mitten in den Feind hinein und, ohne das Schwert genutzt zu haben, bereits
etliche Sarazenen niedermachten. Noch hatten sie den Vorteil der Bewegung; ihre
Pferde schnitten durch die feindlichen Reihen wie ein Messer durch Butter, doch
das fortdauernde Aufeinanderprallen verlangsamte sie schließlich und bald
standen sie beinahe, mussten wahl- und ziellos auf die Köpfe unter ihnen hauen
und stechen. Gregorios war zwar nicht in der ersten Reihe, doch auch um ihn
herum tobte der Kampf.

Nun kamen die restlichen Hikanatoi hinzu, die einen leichten
Bogen geritten waren und nun, da ihre Freunde bereits mitten im Hauen und
Stechen waren, in die gegnerische Infanterie hineinpreschten und ihrerseits
wieder alleine durch die Wucht ihres Angriffs wohl fast tausend Gegner in den

Tod rissen.___
[Anm.: Ich habe keine Ahnung, warum mir das Forum immer wieder meine Beiträge so merkwürdig umformatiert... :mumie]

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Sonntag, 17. März 2019, 21:31


Qawam ad-Sahira Abu l-Fawaris, General der Streitkräfte

Zufrieden überblickte Qawam das Chaos, das der erste Einschlag in den griechischen Reihen ausgelöst hatte. Dass er damit dem Scheinangriff des Gegners gewissermaßen einen Strich durch die Rechnung machte, wusste er natürlich nicht, doch war es ein glücklicher Zufall. Die rund 2.000 Mann starke Vorhut des byzantinischen Angriffs war indes so gut wie dezimiert worden, während die Katapulte beladen und bereits abgeschossen waren. Genügsam verflogte Qawam die Flugplan des zweiten Tuches, der die Legende der sagenumwobenen fliegenden orientalischen Teppiche wunderbar komplettierte und beobachtete, wie die Felsen in die Angriffsformation der Byzantiner krachte. Erneut wurde der Teppich in Brand gesetzt, die Schmerzensschreie der verbrennenden Männer war bis hierher zu hören. Während die Katapulte ein drittes Mal beladen wurden, wandte der General sich an seine Männer in einer letzten Motivationsrede vor der Schlacht.
Bevor die riesigen Katapulte abgeschossen wurden, richtete man sie neu aus, hatte man doch die Elefanten erblickt, die sich aus Edessa auf das Lager der beiden Emire zubewegten. Das war das Problem mit diesen riesigen Tieren, sie waren stark und schwer zu töten, doch auch langsam in der Fortbewegung und träge im Kampf. Auf Befehl des Generals wurden die Katapulte ein drittes Mal abgeschossen. Diesmal hatte man das Tuch bereits im Flug unter Brand gesetzt. Die Felsen flogen durch die Luft und krachten in die byzantinische Elefanteneinheit. Die Flammen legten sich über die Elefanten, verwundeten diese schwer und steckten einige von ihnen in Brand. Schnell breitete sich Panik unter den Tieren aus, die unkoordiniert auseinander stoben. Qawam lachte wahnsinnserfüllt.

Unter Kampfgebrüll setzte sich die 16.000 Mann starke Armee unter Qawam ad-Sahira Abu I-Fawaris in Bewegung, die Kavallerie ritt in wahnwitzigem Tempo voraus, um den Glaubensbrüdern zur Hilfe zu eilen. Die Griechen waren zahlenmäßig weit unterlegen und konnten nicht gewinnen. "Allahu akbar!", brüllte der General, der sich nicht zu schade war, mit seinen Brüdern in den Kampf zu ziehen und die Soldaten um ihn herum taten es ihm gleich. Es war Zeit, den römischen Thronfurzer in seine Schranken zu verweisen.

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Sonntag, 17. März 2019, 23:35


Nasir ad-Daula, Emir von Mossul


Da kamen sie also: Tausende griechische Kavalleristen, die berüchtigten Kataphtraken, die sich schon mehr als einmal als schlachtenentscheidend erwiesen hatten. Die Luft war trocken, ebenso wie der Boden, weswegen die herannahenden Truppen ordentlich Staub aufwirbelten. Es würde ein dreckiges Gemetzel werden, geprägt von Staub und Blut. Ganz nach dem Geschmack des Emirs von Mossul, der diesem Tag schon Jahre entgegen gesehen hatte. Er hoffte, dass man nach einem Sieg über die Griechen an dieser Stelle mit dem restlichen Heer gen Westen ziehen und den Spieß umdrehen würde. War die Armee der verhassten Ungläubigen geschlagen, war der Weg nach Westen frei.
An die Disziplin und Ausbildung der römischen Armee kam man im Osten freilich nicht heran, doch fehlte es den Griechen am Glauben, an der Überzeugung. Sie kämpften für den Kaiser, der sich im Ruhme suhlte und dem es völlig egal war, wie viele seiner Soldaten hier heute starben. Ganz anders ging es da den Sarazenen, die diese fehlende Disziplin durch ihre Leidenschaft und Unerschrockenheit wett machten. Nasir war mitten drin, er ließ sich eine gute Schlacht nur höchst ungern entgehen. Während er Befehle brüllte schlug er einem Griechen den Kopf ab und trieb einem anderen sein Schwert in den Nacken.

Ein riesiger Schatten warf sich plötzlich auf das Schlachtfeld. Nanu? Zogen etwa die ersten Wolken auf? Nasirs Blick ging gen Himmel und traute seinen Augen kaum: Er sah einen fliegenden Teppich! Er sah zu, die der Teppich irgendwo in der Ferne unterging und er meinte, das Krachen der einschlagenden Felsen bis hierher zu hören. Angestrengt suchte sein Blick den Horizont auf der anderen Seite des Tals um Edessa ab und tatsächlich! Dort oben befand sich eine riesige Armee! Im nächsten Moment erhob sich der nächste fliegende Teppich in den Himmel. Auch einigen anderen Soldaten war das Geschehen nicht unbemerkt geblieben und Euphorie machte sich breit. Die Männer kannten diese brutale Kriegsmaschinerie nur zu gut und ihre Ankunft hier bedeutete: Verstärkung war da! Der König Adud ad-Daula muss Unterstützung geschickt haben.
Viel wichtiger war jedoch, dass der Angriff der Katapulte nicht nur auf die herannahende Verstärkung schließen ließ, sondern auch, dass ein Gros der byzantinischen Armee noch weit weg war - warum sonst sollten die Verbündeten nach dort hinten zielen? Nasir gab seinem Pferd die Sporen, um seinen Bruder zu warnen. Offensichtlich handelte es sich beim Feind, mit dem man gerade kämpfte, nur um eine Art Vorhut und die große Armee würde erst noch nachrücken. Dieses Wissen konnte hunderten, gar tausenden Sarazenen das Leben retten, als neue Befehle gebrüllt wurden und man sich neu formierte - die gut 2.000 Soldaten des Feindes waren ohnehin so gut wie besiegt.

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Sonntag, 17. März 2019, 23:55


Saif ad-Daula, Emir von Aleppo

Für die Sarazenen entwickelte sich der Tag trotz anfänglicher Schwierigkeiten doch noch vielversprechend. Nachdem ein byzantinischer Angriff mit gemeinsamen Kräften abgewehrt werden konnte, kam ganz unverhofft massive Verstärkung hinzu. Der Emir von Aleppo hielt sich anders als sein Bruder zunächst zurück und ließ sich die Identität der herbeigeeilten Hilfstruppen bestätigen: Es waren tatsächlich die Verbände des Königs Adud ad-Daula, der trotz Namensgleichheit nicht direkt verwandt war, aber gewaltige Gebiete im Iran und Irak kontrollierte und der Herr über des Kalifat war. Ein Bote des Generals Qawam ad-Sahira bestätigte Saif ad-Daula zudem, dass der Kalif von Bagad al-Muti, der gewissermaßen der religiöse Führer des Islams war, den Dschihad, also den Heiligen Krieg, gegen den Kaiser der Griechen erklärt hatte, der alle Muslime zur tatkräftigen Unterstützung der geheiligten Sache aufrief. Ob König Adud den Kalifen dazu genötigt hatte, war nicht eindeutig, doch obwohl der Kalif kaum mehr weltliche Macht besaß, hatte sein Wort in der islamischen Welt doch nach wie vor ungeheures Gewicht. Der Grenzkrieg gegen die Griechen bekam nun eine wahrhaft weltpolitische Dimension.

Dies erklärte wohl auch, wieso nicht weniger als 16.000 Mann sich hierher bewegt hatten, um den beiden Emiren zur Seite zu stehen. Innermuslimische Konflikte standen auf einmal hintenan, war der Dschihad doch für jeden gläubigen Moslem von höchster Priorität. Von daher ging Saif ad-Daula auch von lauteren Absichten des mächtigen Königs Adud ad-Daula aus und begrüßte das Hinzustoßen seiner Truppen ohne Einschränkung.

Trotzdem war die Schlacht noch nicht entschieden. Die Griechen galten zurecht als überaus zähe und hartnäckige Gegner. Außerdem hatten sie nach wie vor das gut befestigte Edessa in ihren Händen. Selbst mit nun über 30.000 Mann konnte man diese Festung nicht so einfach nehmen, zumal der griechische Generalstatthalter Argyros die Befestigungsanlagen nachhaltig verstärkt hatte.

Sein Bruder Nasir ließ sich davon nicht beeindrucken und war bereits auf dem Schlachtfeld. Er wollte die Entscheidung wohl hier und heute erzwingen und hoffte, die Griechen seien so verrückt, ihre gesamten Truppen nun ins Feld zu werfen, obwohl sie selbst mit zwei Tagmata letztlich den Kürzeren ziehen würden angesichts der feindlichen Übermacht. Dass der berühmt-berüchtigte Bardas Phokas und der kaum weniger geachtete Gregorios Monomachos die kaiserlichen Truppen befehligten, war mittlerweile bis zu Saif vorgedrungen. Zumindest eines der kaiserlichen Eliteregimenter schien sich nun aller Widrigkeiten zum Trotze ins Kampfgetümmel geworfen zu haben. Saif konnte sich nicht recht vorstellen, dass es sich um jenes des Phokas handelte. Gegen diesen war er schon im Felde gestanden vor etlichen Jahren. Damals war eine Schlacht vermieden worden, doch heute tobte sie bereits.

"Wie wirst du dich wohl entscheiden, Bardas Phokas", murmelte der Emir von Aleppo halb zu sich selbst, halb zu seinen Offizieren und blickte in die Richtung, wo er denselben Marschall vermutete. "Greifst du nicht ein, gehen die bereits kämpfenden Kataphrakten vor die Hunde. Greifst du ein, riskierst du den Untergang der gesamten Armee und eine ungeschützte Grenze." Der Emir grinste hinterlistig. "Wie du dich auch entscheidest, ist es die falsche Entscheidung." Er war froh, sich nicht an Bardas' Stelle zu befinden.

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Montag, 18. März 2019, 00:26

Adeodat alias " Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah "

Item so wurde aus Adeodatum , seins Zeichens gut catholischem Cardinalis , ein Muselmann , zumindest dem äußren Anscheine nach.
Denn wie auch der Hr.Lukas war Adeodat nun gewandet in der Art der Ungläubigen , sodass man unerkannt im Feindeslager eindringen
konnte. Es zeigte sich gar ein übles Fatum , alswie die Mohammedaner immer zahlreicher wurden und die Kayserlichen in Bedrängnis
brachten , sodass es gar ein Gräuel ward.
Adeodat aber wusste guten Rath , wie er hierbei zur höhern Ehr Gottes behilflich sein konnte und legte sich rasch einen arabisch klingenden
Namen zu , der da lautete Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah , kurz : Hadschi Halef Omar.
Ein paar Brocken der Sarazenen=Zunge hatte er unlängst aufgeschnappt , so dass er mit Hrn.Lukas , der sich gewiss ebenfalls einen andren
Namen ausgedacht hatte , auf ein Zelt zutrat , wo die Ungläubigen ein Lager hatten mit Fässern voll Öles.
Trat heran und hub an : Salam alaikum ! Was da war eine saracenische Grussformel , die ausreichte , um die Ungläubigen hinters Licht
zu führen. Vor nämlichem Zelt nämlich standen bloss einer , der da Wache hielt.

Sarazene

Adeodat aber verwickelte den in ein Gespräch und fuhr in einem pseudo=sarazenischen Kauderwelsch fort :
Aismi hu Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah. Kayf halik ha sadiq ?
Al'amir yatamanaa lak. Harum hab harum alaikum salam.
Der Kerl aber verstand kein Wort und wirkte gar verwirrt , doch gab dies dem Hrn.Lukas nun Gelegenheit ,
ihn hinterrücks aus dem Wege zu räumen , war der Maure doch so durcheinander , dass er Adeodat ganz
ungläubig anschaute.

19

Montag, 18. März 2019, 00:39



In der neuen Verkleidung gelang es den beiden ungleichen Kirchlichen, hinter die Linie des Feindes zu gelangen und sich im Lager ein wenig umzusehen. Da inzwischen eine Schlacht ausgebrochen war, konnten sie sich hier relativ frei bewegen, beachtete die beiden doch niemand groß. Nur wenige Sarazenen waren zurückgeblieben, um hier und da Wache zu halten, doch die meisten Soldaten waren auf dem Schlachtfeld. "Wir sollten uns ein wenig umsehen, vielleicht finden wir ja irgendwas Wichtiges", flüsterte Lucas zu seinem Begleiter neben sich, von dem er jedoch keine Antwort erhielt. Lucas sah sich um - und war alleine! Fluchend sah er sich um, blickte hinter ein Zelt, doch Adeodatus war verschwunden. "So ein Trottel! So ein hirnverbrannter, absoluter Nichtskönner!", bruddelte der Italiener in seiner Muttersprache in sich hinein. "Adeodat! Adeodatus!", rief er flüsternd und schlich durch das Lager. Keine Spur von Adeodatus. Lucas blieb stehen und kratzte sich am Kopf. Dann vernahm er Schritte und ehe er sich verstecken konnte, liefen zwei bewaffnete Sarazenen an ihm vorbei, die ihn kaum beachteten, die er jedoch falsch freundlich anlächelte. Sein Herz schlug bis zum Anschlag. Adeodat würde es hinbekommen und sich verhaften lassen. Oder noch schlimmer: Er könnte ihre Verkleidung auffliegen lassen!
Wüste Flüche schimpfend schlich Lucas von Zelt zu Zelt und warf einen Blick hinein. Aus einem der Zelte hörte er Stimmen und schlich sich an. Durch einen Spalt blickte er nach drinnen und traute seinen Augen kaum! Da war doch Adeodat in Verkleidung und plauderte munter mit einem Muselmann, der jedoch nicht viel zu verstehen schien von dem was "Hadschi" ihm da erzählte. Lucas rollte mit den Augen.
"Deus vult!", rief er und sprang durch den Zelteingang, er hatte die Hände zusammen geballt und verpasste dem überraschten Sarazenen einen ordentlichen Kinnhaken, der sich durch die Wucht des kardinälschen Schlags ins Land der Träume verabschiedete. Adrenalin durchfloss den Körper des Geistlichen, der langsam Gefallen an der Sache zu finden schien.
"Hadschi!", sagte er dann vorwurfsvoll in Richtung seines Freundes und schüttelte den Kopf.

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Montag, 18. März 2019, 15:14

Adeodat alias " Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah "

So begab es sich , dass der Herr Cardinal von Mantua sich abermals als die Faust Gottes betätigte und das kleine Problem aus
der Welt schuf. Denn bereits in der Hl.Schrift hiess es ja : Aug' um Aug' , Zahn um Zahn. So erwies sich Hr.Lukas als gar bibelfest.
Der Muselmann aber bekam ein blaues Auge und verlor wohl mindestens einen der Zähne , was Adeodat-Hadschi sehr amüsant
fand und gar grinste ob der Darbietung.
Den Hrn.Lukas Kreszenz aber mochte der fromme Mönch immer mehr , kannten sie sich doch bereits seit geraumer Zeit , auch
wenn die erste Begegnung seinerzeit noch unter dem Vorzeichen des aberwitzigen Papst=Darstellers Theudul erfolgt war. Mittler-
weile waren die Cardinales indes ein eingespieltes Duo , auch wenn Kreszenz zuweilen hitzig und impulsiv hantierte , doch wusste
Adeodat um die gut christliche Gesinnung desselbigen.
So also gelangten die frommen Mannen in die Gewalt hiesiger Ölfässer , welche die Ungläubigen gar unglaublich hier von grad
einem einzgen Manne bewachen liessen. Dies nun eröffnete die Möglichkeit einer Wirrung im feindlichen Lager , sodass Adeodat
sogleich daran ging , die genannten Fässer umzukippen , worauff sich das Öl gar massenhaft vergoss und bald das halbe Lager
überschwemmt hatte , lag dasselb doch etwas abschüssig , sodass es gut floss.
Gar schade um dies Öl , wär es doch gar nützlich zur Beölung ! hub Adeodat an und dachte zurück , wie dereinst dem Abten zu
Mont Zelio auf Befehlnis des falschen Papsten Theudul die Beölung : auch letzte Ölung zutheil ward , kurz bevor der abstarb.
Doch musste dies Öl nun herhalten , Wirrnis im sarracenischen Lager zu schaffen , weshalb sowie das sämtliche Öl ausgelaufen
Adeodat mittels eines Funkens ein hübsches Feuer entzündete , welches bald schon seinen Theil beitrug zur allgemeinen Ver-
wirrung , brannte es doch lichterloh.

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