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Rhomäisches Reich: Der armenische Kronprinz wird Thekla Lekapene Argyre ehelichen. Allmählich wird es frühlingshaft. Die durchschnittliche Temperatur beträgt 15 Grad.
Kirchenstaat: Der Papst hat Legaten nach Konstantinopel und Augsburg entsandt. Des Schelmenromans zweiter Teil "Neues vom Theodul" erweist sich als Verkaufsschlager.
Alemannien: Der Papstdarsteller Theodoulos Philanthropenos wurde in Augsburg durch ein Gottesurteil gefällt; seine Überreste anschließend verbrannt und im Lech verstreut.

[Arbeitszimmer des Papstes] Des Schelmenromans dritter Akt

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Samstag, 12. Januar 2019, 17:51

Des Schelmenromans dritter Akt

Es gab nicht viele Bücher, die Ioannes alias Octavian von Spoleto in seinem Leben gelesen hatte und die Bibel gehörte ganz sicher nicht dazu. Ein Schriftstück, das er jedoch nur zu gerne las, war der Schelmenroman des Italieners Enrico Palazzo "Der abenteuerliche Theodul", in welchem der Autor den Werdegang des Antichristen in geradezu possierlicher Manier beschrieben hatte. Die Fortsetzung, "Neues vom Theodul" hatte sich binnen kürzester Zeit als Verkaufsschlager etabliert und war von Groß und Klein gelesen worden. Der Autor hatte äußerst interessante Einblicke geliefert und war sogar an höchst brisante Interna herangekommen. Nun, da Theodoulos Philantorpenos von Gott selbst gerichtet worden war, war es Ioannes' Meinung nach an der Zeit, ein weiteres buch zu veröffentlichen. Aus... Gründen hatte Ioannes die Absicht, bei der Entstehung des Romanos mitzuwirken, weswegen er diesen Enrico Palazzo in den Lateranpalast bestellt hatte.

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Sonntag, 13. Januar 2019, 02:55


Enrico Palazzo, Honoratior zu Rom

Es dauerte nicht allzu lange, ehe man in der Ewigen Stadt die Kunde erhielt, der Antichrist sei nun tatsächlich zur Hölle gefahren. Obwohl es diesmal sogar von einem Kardinallegaten bestätigt wurde, blieb Enrico Palazzo ein wenig misstrauisch. Schon einmal hatte man schließlich vom Ableben des Erzschelms Theodul berichtet. Palazzo, der zwischenzeitlich ein vermögender Mann geworden war und bei Adeligen und Kirchenfürsten aus und ein ging, ertappte sich, dass er ein bisschen traurig war, dass ihm seine beste Geldquelle nun zu versiegen drohte. Andererseits hatte er sein Vermögen gut angelegt und unter anderem ein stattliches Palais hier in Rom erworben. Im Grunde genommen konnte er bereits jetzt von seinem Ertrag fast fürstlich leben.

Da erreichte ihn in den ersten Tagen des neuen Jahres die Nachricht, der Heilige Vater persönlich schicke nach ihm. Es war nicht so, dass er Papst Ioannes nicht schon getroffen hätte, doch war es immer ein Ereignis, zu Seiner Heiligkeit zitiert zu werden. In der letzten Zeit war Enrico Palazzo faul und träge geworden. Es lebte sich gut und unbekümmert als Quasi-Patrizier im Rom der Spoletos. Hoffentlich ging das noch lange so weiter. Gespannt, was der Papst von ihm wollte, sputete sich der wohlbeleibte Mann, zum Lateranpalast zu gelangen - natürlich standesgemäß per Kutsche, die er sich zwischenzeitlich nebst Kutscher geleistet hatte.

Im Papstpalast angekommen, führte man den mittlerweile berühmten Mann zum päpstlichen Arbeitszimmer. Auf dem Weg dorthin musste er noch ein paar Autogramme verteilen, denn selbst höhere Geistliche kannten und schätzten die Schelmenromane. Gewohnt jovial kam Enrico dem gerne nach und watschelte dann gemächlich weiter. Seine proletarischen Manieren hatte er in so kurzer Zeit natürlich nicht ablegen können, so dass er noch einmal ordentlich in sein arg in Mitleidenschaft gezogenes Taschentuch schnäuzte. In seinem ungepflegten Bart konnte man noch diverse Essensreste erkennen, wenn man genau hinsah. Seinen eher unangenehmen Körpergeruch überdeckte Palazzo mit einem süßlich riechenden Duftwässerchen. Schließlich trat er ein und verbeugte sich sogleich, als er des Papstes ersichtig wurde.

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Montag, 14. Januar 2019, 17:15

Ioannes wartete nicht. Ioannes ließ warten. Schließlich war er ein Spoleto. So und nicht anders hatte es Octavian von seinem Vater, dem Fürsten, dem Patriarchen der einflussreichsten aller Adelsfamilien Roms, gelernt. Der Papst war in seinen Gemächern zugegen gewesen, als man ihm die Ankunft des Autoren Enrico Palazzo verkündet hatte, woraufhin er sich gemächlich zu seinem Arbeitszimmer begeben hatte. Den Schreiberling hatte man derweil auf etwaige Waffen untersucht, das standardmäßige Prozedere, wenn jemand in das Herzstück des Laterans vorgelassen werden wollte. Ein Wachmann, der das päpstliche Wappen auf seinem Harnisch trug, begleitete Palazzo schließlich bis zum Zielort. Enrico musste draußen warten und konnte auf einer kleinen Bank Platz nehmen, bis der Papst über einen anderen Korridor, der sein Arbeitszimmer mit den Gemächern verband, den Raum betreten und schließlich auf seinem thronartigen Stuhl platz genommen hatte. Erst dann ließ man den Schriftsteller eintreten, der sich sogleich vor der Herrlichkeit des Heiligen Vaters verneigte.
"Mein lieber Enrico", grüßte der Papst seinen Gast und breitete jovial seine Arme aus, erhob sich gar und ging ein, zwei Schritte auf Palazzo zu. "Erhebt Euch, erhebt Euch und tretet näher!" Ioannes' breites Grinsen erstreckte sich von einem Ohr zum anderen. "Nehmt Platz und lasst Euch etwas Rotwein aus Thessaloniki kredenzen, ein persönliches Geschenk des Kaisers." Ioannes kam nicht umhin, dem Autoren seine enge Beziehung mit dem Autokrator ins Gedächtnis zu rufen. Dies würde sich sicher gut in seinem neuen Buch machen. "Ich wäre gerne so frei, direkt zum Kern der Sache zu kommen, wenn Ihr erlaubt. Sicher arbeitet Ihr bereits am letzten Teil Eurer Theodul-Triologie, nehme ich an?" Ioannes war gespannt, was sich Palazzo diesmal einfallen hatte lassen, um den geneigten Leser an seine Erzählungen zu binden.

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Montag, 14. Januar 2019, 21:48


Enrico Palazzo, Honoratior zu Rom

Natürlich war ein Besuch beim Heiligen Vater alles andere als alltäglich. Und selbst eine Berühmtheit wie Enrico Palazzo musste sich ein Weilchen gedulden, auch wenn die Zeit in dieser stattlichen Umgebung rasch verging. Selbst die Wache war an einem Autogramm des Autors interessiert, mit dem sie bei ihren Bekannten angeben konnte. In einem unbeobachteten Moment signierte Palazzo daher das Exemplar des Wachmannes von "Neues vom Theodul". So ließ es sich leben. Mittlerweile hieß es gar, Palazzo sei bekannter als so mancher Kardinal. Das mochte stimmen, da er das einfache Volk viel eher erreichte als irgendwelche Kirchenfürsten.

Schließlich wurde er vorgelassen. Selbstverständlich kannte selbst Enrico Palazzo soviel von guten Manieren, dass er sich tief verbeugte, stand er doch vor dem Stellvertreter Christi auf Erden. "Es ist mir die allergrößte Ehre, Heiliger Vater", begann er und grinste leutselig, so dass seine Pausbäckchen leicht erröteten. Gerne nahm er auf Geheiß des Papstes Platz und wurde gar mit erlesenem Wein verköstigt, den er sofort kostete. "Jawohl, Euer Heiligkeit, so ist es", blickte Palazzo auf und ließ von seinem Getränk erstmal ab. "Um die Wahrheit zu sagen, Heiliger Vater, geht es mir nicht mehr gar so leicht von der Hand wie in den ersten beiden Bänden, daher ist Band 3 bisher auch nicht erschienen." Bereits im zweiten Band waren einige monotone Wiederholungen eingebaut gewesen, denn so dermaßen interessant war dieser verrückte Theodulus ja auch wieder nicht. "Seit es mit dem theodulischen Schelmentum vorbei ist, wird es auch nicht einfacher, sich neue Geschichten auszudenken." Leider war der Typ ja abgekratzt, so dass Palazzo schauen musste, dass er mit leicht überarbeiteten Neuauflagen seiner Schelmenromane auch weiterhin ein gutes Auskommen hatte.

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Mittwoch, 6. Februar 2019, 13:36

Das Grinsen im Gesicht des Heiligen Vaters war durchaus aufrichtig, sah er in Enrico doch eine Möglichkeit, sein eigenes Ansehen auf Kosten des Landstreichers Theodoulos zu mehren. Dass der Autor sich dabei auch noch eine goldene Nase verdiente, war Ioannes nur recht. "Ein Umstand, der Fluch und Segen zugleich sein dürfte, bietet er Euch doch die Möglichkeit eines feurigen Finales. Nun will es der Zufall, dass mein Legat und enger Freund Adelphus von Ivrea bei dem sagenumwobenen Abgang des Antichristen in höchsteigener Person anwesend war. Nun sagt mir, mein lieber Enrico, was könnte Euer Buch besser verkaufen, als Informationen aus allererster Hand des Laterans, ja gar ein Dialog mit dem Bischof von Rom persönlich?"
Auf dieses Stichwort hin näherte sich einer der Diener und hielt Enrico eine vorbereitete Feder samt Papier hin. Ioannes blickte zu seinem Gegenüber, fordernd, dennoch jovial grinsend - nach wie vor. "Nun schreibt schon!", forderte er den Autoren auf, lehnte sich zurück und schlug ein Bein über das andere. "Ich sage Euch, mein Freund, dieses Buch wird alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Fragt nur drauf los, was Euch interessiert." Dass das Buch vor Veröffentlichung von einem Lektor des Laterans geprüft werden würde, lag auf der Hand, sodass Ioannes es nicht für nötig erachtete, Palazzo darauf hinzuweiesen. Der Autor würde schon wissen, was er zu schreiben hatte - und was nicht.

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Freitag, 8. Februar 2019, 01:25


Enrico Palazzo, Honoratior zu Rom

Aufmerksam lauschte Palazzo den Ausführungen des Stellvertreters Christi auf Erden. Dazu gab es schließlich selten Gelegenheit, dem Heiligen Vater so direkt gegenüberzustehen. Dass er sich Zeit nahm für Enrico Palazzo, einen Mann, der im Grunde aus der Gosse kam, war umso bemerkenswerter und zeugte von der großen Weisheit und Menschenkenntnis des Papstes, der ein Pontifex für das gemeine Volk war, bei welchem er sich entgegen aller Unkenrufe hoher Beliebtheit erfreute.

"Ei, dies ist wahrlich wahr, Euer Heiligkeit! Ein im wahrsten Sinne des Wortes gar feuriges Finale, hehe", lachte Palazzo, so dass seine dicke Wampe, die er sich im Wohlstand angefressen hatte, etwas wackelte. "Dies wäre tatsächlich eine wunderbare Chance, diese Dinge von Zeugen der Vorgänge zu erfahren, Heiliger Vater! Ich wäre ganz begierig, meine neueste Geschichte darum anreichern zu dürfen, hehe."

Dann wurde Palazzo auch schon Schreibzeug gereicht. Nanu, dachte er sich, der Papst hat es aber eilig. Er neigte sein Haupt, um der päpstlichen Aufforderung nachzukommen. Etwas ungelenk ergriff er die Feder und kritzelte zunächst seinen Namen und das Datum auf das Pergament. "Jawohl, Euer Heiligkeit, jawohl! Sogleich will ich mit meinem Tagwerk beginnen." Er nickte eifrig und fühlte sich pudelwohl. "Tja, vielleicht sollten wir zuallererst klären, wie es sich denn genau zutrug, ich meine mit der Höllenfahrt dieses Unholdes, der sich wider jeden Menschenverstand Papst nannte. Wuchs ihm gar ein Ziegenfuß?" Dem Scharlatan war ja alles zuzutrauen. Womöglich hatte ihn wirklich der Höllenfürst entsandt. "Meine Inspiration bekomme ich zumeist bei einem gut gekühlten Bier. Oder derer zwei", lachte Palazzo und wollte dies als eine Bierbestellung verstanden haben.

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Montag, 11. Februar 2019, 14:25

Palazzo stimmte dem Papst - wie konnte es auch anders sein - sofort zu. Ein Buch, das den legendären Abgang des falschen Papstes aus erster Hand beschrieb, noch dazu ein Interview mit dem Papst; was konnte es für bessere Verkaufsargumente geben? Ioannes wartete, bis sein Gast bereit war und dann auch die erste Frage stellte. Wie Theodoulos vom Antlitz der Erde gefegt wurde wollte er wissen. Ioannes machte eine nachdenkliche Pose.

"Sehr gut, sehr gut. Nun, wie Ihr wisst, wurde der Schändliche in Magdeburg gefasst, als er mit seinen heidnischen Truppen die Stadt des frommen Königs Otto I. angegriffen hatte. Vorbildlich wie der Ostfranke nun ist, hatte er dem Antichristen, der ja nach wie vor dem geistlichen Stand angehörte, einen fairen Prozess versprochen, der vom Kardinallegaten Adelphus von Ivrea geleitet wurde." Ioannes selbst war nicht vor Ort gewesen, doch war er bis ins letzte Detail über die Vorgänge informiert worden und würde sich hier und da, wo er sich nicht mehr ganz erinnern konnte, eben unwichtige Kleinigkeiten zusammenreimen.
"Der Antichrist muss wahrhaftig über dunkle Magie verfügt haben, gelang es ihm doch, den bis dato geschätzten und klugen Doktor des Rechts, Sebastiano Confalonieri, dazu zu überreden, ihn bei diesem Prozess zu verteidigen. Wer, der bei Verstand war, würde einem solchem Mammon zustimmen?" Ioannes zuckte mit den Schultern. Theodoulos muss den Anwalt verhext haben. "Doch will ich Euch nicht allzu lange mit dem recht langweiligen, doch empörenden Prozess aufhalten und werde dafür sorgen, dass Euch das Protokoll der gesamten Sitzung zugestellt wird." Er nickte in Richtung einer der Bediensteten, auf dass er sich darum kümmern möge. Die Niederschrift des Prozesses war nachträglich an einigen Stellen angepasst worden, um dem unbeteiligten Leser den richtigen Eindruck vom Antichristen zu vermitteln.

"Gehen wir also direkt zum Hauptteil des denkwürdigen Prozesses über. Da saß er nun also, der schändliche Verbrecher, der sich selbst Diener Gottes schimpfte und dabei ein Verbrechen am Herrn nach dem anderen begangen hatte. Der Kardinallegat, mein enger und persönlicher Freund, ein treuer Mann im Dienste der Kirche, war gerade drauf und dran, eine Zeugin zu vernehmen, da richtete der Angeklagte sich auf. Es war den Anwesenden, als verdunkelte sich in diesem Moment der Raum, just da der Antichrist die Stimme erhob. Mit gespaltener Zunge rief er wüst, eine Stimme, als käme sie aus dem tiefsten Schlund der Erde. Den Anwesenden war kein Zweifel, dass der Leibhaftige persönlich durch den Schändlichen sprach. Doch der Herr ist allmächtig und beschützt das Gute, sodass dem Theodul das Wort im Halse stecken blieb, an dem er sich selbst verschluckte. So wie der Leibhaftige Feuer verspeit, so spuckte der Antichrist nun Blut, Flüche zischend, eher er zu Boden fiel. Der Herr selbst hatte ihn niedergestreckt, lauter Donner und Blitze folgten, der Himmel war zugezogen und von dicken Wolken behangen. Mit offenen Augen war er darniedergegangen, man berichtete mir, sie waren einer Katze gleich, gelblick, mit schlitzigen Pupillen, weit aufgerissen. Das Gesicht blutverschmiert, einem Raubtier gleich, das ein armes Lamm gerissen hat. So und nicht anders soll das Andenken des Antichristen in die Annalen der Geschichte eingehen, denn nicht mehr und nicht weniger ward er gewesen; ein wildes Tier, das im Auftrag des Leibhaftigen auf der Erde wandelte!"
Damit stellte Ioannes eindeutig klar, dass Theodul nicht selbst der Teufel gewesen war, aber sehr wohl mit jenem im Bunde gestanden und in dessen Auftrag gehandelt hatte. Ein schwacher Trost für die Seele des Verstorbenen, konnte man es doch so verstehen, dass der Papst ihn doch mehr oder weniger von seinem Handeln freisprach und die Sünden des Theodoulos Philantropenos auf den Teufel persönlich schob. Auf diese Weise würde Ioannes im neuen Buch des Palazzo wenigstens als gutmütiger Samariter dastehen, der dem Herrn gleich einem jedem seine Sünden vergeben würde.

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Freitag, 15. Februar 2019, 16:07


Enrico Palazzo, Honoratior zu Rom

Gebannt und mit zunehmender Anteilnahme verfolgte Palazzo die überaus anschaulichen Ausführungen des Papstes, der vom Ende des Landschelms Theodoulos Philanthropenos zu berichten wusste. Er breitete jedes Detail genüsslich aus und an dieser und jener Stelle kam Palazzo aus dem Staunen nicht heraus. Wenn nämlich der Papst selbst dies berichtete, musste es ja in jeder Kleinigkeit wirklich genauso gewesen sein und nicht anders. Ganz eindeutig war der Verfluchte ein Werkzeug Satans gewesen, da war sich Enrico nun völlig sicher. Wie sonst hätte der Mann eine solche Show abziehen können, die ihn am Ende ums eigene Seelenheil brachte? Natürlich siege am Ende das Gute und der Strolch wurde für seinen Teufelsdienst bestraft, während die Sache des wahren Papstes triumphierte.

"Ungemein anregend, Heiliger Vater, wirklich ungemein!", brachte Palazzo gebannt hervor und vergaß gar, dass er bisher gar kein Bier bekommen hatte. "So siegte natürlich auch hier wieder das Gute und der Bösewicht befindet sich nun bei seinem teuflischen Herrn in der Hölle, wo er hin gehört." Was auch sonst, immerhin war das mit das übelste Verbrechen an der Christenheit, was man überhaupt begehen konnte. "Gar überdeutlich hat der Allmächtige damit Eurem Pontifikat, Heiliger Vater, vor aller Welt die Legitimation abermals bestätigt, so dass selbst die letzten Zweifler nun keinen Vorwand mehr haben, Euer Heiligkeit aus fadenscheinigen Gründen nicht anzuerkennen." Kein Mensch bei Verstand hatte jemals an der Rechtmäßigkeit der Wahl von Ioannes XII. gezweifelt. Nur geistig Umnachtete waren auf den billigen Spuk des vorzeitige gealterten Theodoulos hereingefallen. Oder solche, die sich persönliche Vorteile dadurch versprachen. Denn allenfalls Kinder und Idioten hatten jemals daran geglaubt, dass der Witzbold Theodoulos der echte Papst sei. "Gerne will ich mein neues Werk mit eben diesen Tatsachen bereichern, Heiliger Vater. Und Eure Rolle soll besonders hervorgehoben werden, so wahr ich Enrico Palazzo bin."

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Dienstag, 19. Februar 2019, 14:02

Der Autor zeigte sich gar mitgerissen und überrascht von den Schilderungen des Papstes, die er wohl 1:1 übernehmen konnte. Dass er hier und da der künstlerischen Freiheit geschuldete Anpassungen vornehmen würde, erwartete Ioannes, schließlich musste das Buch ja auch verkauft werden.
"Das Pontifikat des Ioannes XII. ist unbestritten", stellte der Papst über sich selbst fest, als gäbe es hier irgendwelche Zweifler, die man darauf hinweisen musste. Dem war natürlich nicht so. "Einmal mehr hat der wahre Glaube seine Standhaftigkeit erfahren; denn wie eine Welle des aufgewühlten Meeres so ist auch der Versuch des Landschelms Theodul an den Felsen des Glaubens gebrochen." Dass er selbst als Held in dieser Erzählung da stand, schmeichelte ihm. "Sagt, mein lieber Enrico, habt Ihr auch vor, eine Illustration des Heiligen Vaters Eurem Buche hinzuzufügen? Geben wir der Damenwelt ein wenig Glanz des hiesigen Klerus' und lassen sie teilhaben", fügte er grinsend hinzu. "Stellt Euch das Titelbild doch einmal vor: Zur rechten der Papst, siegesgewiss, fromm und ehrfürchtig, zur linken der teuflische Landschelm, wie ihm die Hörner aus dem Kopf wachsen, mit Ziegenfuß und schlitzigen Augen, vom Höllenfeuer umgeben."
Ioannes musste ob dieser heiteren Vorstellung schmunzeln.

"Ich freue mich bereits sehr, ein erstes Exemplar lesen zu können. Ich bin mir sicher, dass Ihr wie immer das beste daraus machen werdet." Der Papst erhob sich. Für ihn war alles wichtige erledigt. Er wandte sich also an einen der Bediensteten: "Du! Führe den ehrenwerten Enrico Palazzo in den Speisesaal, auf dass er als mein Gast in den Genuss der besten Speisen kommen möge." An den Autor gewandt fügte er hinzu: "Verzeiht, dass ich Euch keine Gesellschaft leisten kann. Nehmt Euch nur nicht zurück, genießt Euer Mittagessen und dann rasch ans Werk!"
Damit verabschiedete er sich und verschwand durch eine Seitentüre.

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