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Kirchenstaat: Der Papst hat Legaten nach Konstantinopel und Augsburg entsandt. Des Schelmenromans zweiter Teil "Neues vom Theodul" erweist sich als Verkaufsschlager.
Alemannien: Dem Papstdarsteller Theodoulos Philanthropenos wird vor einem Kirchengericht in Augsburg der Prozess gemacht.

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Dienstag, 4. Dezember 2018, 15:53

[Ostmark] Der Zug des Grossinquisitors

Der HERR aber sprach: Es werde Licht , und es ward Licht.

So trug es sich in dieser Zeit zu , dass der fünff tausend Mannen starke Zug , welcher von Rom ausging und unter dem Befehle des aller frömmigsten Gross= auch General=Inquistors dero päpstl.Hlg.keit Erzbischoff Adeodat stand , sich wie ein Lindwurm schlängelte durch die Marken Istrien , Krain unndt Kärndten , bis er schliesslich in die östlichste Mark des Alemannenreiches , die eben darnach benannte Ostmark , gelangte , die das östlichste Bollwerk des Teutschen Reiches darstellte. Denn die süd= auch südwestlichen Provinzen des Reiches der Ostfranken waren an Ludolf gefallen , der sich König der Alemannen hiess.
So zoch der Zug durch dieses unwirtliche Land und Adeodat , seins Zeichens frömmig und GOTTES=fürchtig , liess in dieser und jener Ortschafft , die sie durchkämmten , Häresie und Ketzerey ausfindig machen und ihre Anhänger mit dem Fewer vom Leben zum Todt richten nach der gemeynen Art. Denn dardurch steigerte er das Ansehen der Heyl.Röm.Kirchen.

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Mittwoch, 5. Dezember 2018, 22:22

Da begab es sich , dass der Zug der fünff tausend , wie man ihn mittlerweilen nannte , sich dem Strome Inn näherte , der da trennte die Ostmark vom bairischen Land , welches der Gross:Inquisitor passierten musste , wollte er gen dem Heidenlande gelangen , welches im Norden lag.
So näherte man sich einer Ortschafft , am nämliche Fluss gelegen , die da hiess Prounaw : im Volksmund auch Rantersdorff. Dieser Ort aber trennte die beiden späteren teutschen Staaten.
Adeodat , gewesner frömmiger Benediktiner Mönch , zog mit grossem Ceremoniell alldorten ein und rathschlagte auff dem Marktplatz im Zentrum des Ortes.
Er sprach an die Prounawer gewandt : So höre christgläubige Schar zu Prounaw am Inn ! Üble Ketzerey ist die Geißel hiesiger Landschafft , so halte man nicht zurück mit der Anzeigung derselben bei der geist= wie weltlichen Obrigkeit. Gibt es hinsichtlich der Häresie etwas zu berichten ?
Das Volk aber war angetan von der charismatischen Persönlichkeit des GrossInquisitors , der da sprach gar in teutscher Zung.



Da trat einer , den man Hüttler nannte , aus der Menge hervor. Der aber hub an: Heil Euch GrossInquisitor ! Hüttler schreibe ich mich , bin hiesiger Brauer und weiss gar manches zu berichten über unselige Zustände hier zu Prounaw. Die Ketzerey nämlich ist gar allgegenwärtig in hiesiger Gemeinde. Doch grad auch der Jüden Trug schwächt die örtliche Wirtschafft gar über Gebühr. So weiset dies von der christlichen Gnade abgefallne Volk in seine Schranken , hoch heiliger Mann ! Und umstehender Pöbel applaudierte.

Adeodat aber vernahm die üble Klage des hiesigen Brauers und erwiderte : So sei die ketzerische Häresie ausgeforscht und die Ketzer seien dem Scheiterhauffen überantwortet ; ganz nach der gemeynen Gewohnheit. Die Jüden aber sollen eine Steuer , genannt den Jüdenpfennig , an die Heyl.Röm.Kirche abführen , die da sei eine Kopf Steuer und einem jeden diesen Glaubens auferlegt.
So kam es , dass bald schon die Scheiterhaufen zu Prounaw brannten und die Jüden geschröpft wurden , besassen sie doch ohnehin viel zu viel des Geldes im Überfluss und blieben auch nach der Begleichung des Jüdenpfennigs wohlhabend.
Adeodat aber , der schlaue Mönch , wusste , dass er den dreyten Theil des Ertrages an sich selbst abzuzweigen hatte , wollt er sich doch eine standesgemässe Wohnstatt zu Rom errichten lassen , die ihm als aller frömmigsten GOTTES=Mann auch zustand.