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Samstag, 17. August 2019, 23:32

Erwählung eines Koadjutors?

Das Domkapitel zu Magdeburg tagte einige Tage nach der Eingabe der großen Mehrheit der hiesig ansässigen Weihbischöfe, um eine wichtige Entscheidung zu treffen: Die Frage war, ob man dem Erzbischof zur Unterstützung einen Koadjutor zur Seite stellen sollte. Dies war nicht völlig unüblich. Bereits der jetzige Erzbischof Johann Philipp war eine Zeitlang Koadjutor des vormaligen Erzbischofs Heribert gewesen. Diesmal sollte es aber um einen dauerhaften Helfer gehen, nicht in erster Linie um einen Wechsel im Erzbischofsamt.

Der Domdekan Godehard von der Heyde leitete die Sitzung, wie üblich. Der Dompropst stand zwar noch darüber, doch nahm dieser selten an den Sitzungen des Domkapitels teil; nun ohnehin nicht mehr, wurde doch Heribert von Mansfeld kürzlich wiederum in dieses Amt gewählt.


Domdekan Godehard von der Heyde

"Brüder in Christo, wir haben uns hier und heute versammelt, um der Frage nachzugehen, ob es sinnhaft wäre, Seiner Erzbischöflichen Gnaden einen Koadjutor als Helfer zur Seite zu stellen. Mich erreichte hierzu ein von nicht weniger als neun Bischöfen unterzeichnetes Schreiben, das nachdrücklich auf eine derartige Wahl drängt. Vorgeschlagen wird Seine Bischöfliche Gnaden Adelmar. Allein dem hiesigen Domkapitel steht diese Elektion zu. Daher richte ich die Frage an euch, verehrte Mitbrüder im Kapitel: Soll der Bischof Adelmar zum Koadjutor des Erzbischofs bestellt werden?"

Er blickte um sich und harrte erst einmal der Dinge. Das Domkapitel konnte mit einer solchen Entscheidung womöglich die Visitation verkürzen, indem es eigene Handlungsfähigkeit bewies und den angeschlagenen Erzbischof Johann Philipp ein wenig aus der Schusslinie nahm, indem es ihm einen zweiten Mann zur Seite stellte, der dann auch offiziell zum Mitführenden des Erzbistums werden würde.

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Sonntag, 18. August 2019, 11:35

Wenzel hatte genau zugehört, selbstredend nahm er in seiner Eigenschaft als Domkapitular,
Generalvikar und Weihbischof des Erzbistum an einer solch wichtigen Sitzung teil.
Ihm oblagen zwei Aufgaben, entweder einen Kandidaten seiner Wahl durchzuboxen oder ,was noch besser,
gleich selbst mit der Aufgabe betraut zu werden.

Die wiedergewonnene Macht des Hauses Rosenburg-Mühlingen-Eggehardsdorf , innerhalb der Diözese, musste
um jeden Preis und notfalls mit allen Mitteln, erhalten werden.
Wendelin würde sich auch nicht scheuen militärisch zu intervenieren, so es nicht, wie gewünscht liefe,
natürlich behielt er diese Pläne wohlweislich für sich.

Er Wendelin würde sich schon beim Visitator , genau so unentbehrlich machen, wie er es beim Erzbischof bereits war.
Wendelin wusste hier und heute entscheidet sich die Zukunft des Erzbistum über Jahre.

Aus diesem Grund hatte er zwei Kandidaten in der Hinterhand, Ludwigvon Wulffen, derzeit
Zehntvogt des Erzbistums und Kichherr zu St. Jacob in Osterode am
Harz
und Adalhard von Drachstedt, erzbischöflich magdeburgischer Obermünzmeister und Vogt der erzbischöflichen
Münze zu Gittelde , sowie Kirchherr zu St. Mauritius und St. Johannes zu Gittelde.
Beide waren seine Strohmänner, welche er neben sich in das Rennen ,um den Posten schicken wollte.

3

Sonntag, 18. August 2019, 21:55

Also da fand sich ein auf Rathschlagung hiesigen Dom=Kapituls dasselbige , zu welchem mittlerweilen auch zählten die frommen Bischöff
Adelmar und Columban , die da waren einst gewest Mönch in Magdepurgk , nun aber längst aufgestiegen zu Apostel=Nachfolgern , dank
des Hrn.Cardinal Adeodatus , der da in eben dieser Ertz=Diöceß sass als erster Ertz=Bischoff.
Unser Herr der Domdekan Godehard berief eine Sitzung des Kapituls ein , umb die wichtige Frage zu klären , ob unser Herr der Ertz=Bischoff
Johann Philipp eines Koadjutors bedürfte. Daher also waren Adelmar und Columban ebenso zugegen wie unser Herr der General=Vizar.

Adelmar

Hochlöblicher Herr Domdechant ! hub Adelmar an. Mich ehrt dies Ansinnen , doch bin ich nicht auf Machtzuwachs und Tituln aus , dahero möcht
ich die Nothwendigkeit nicht an meine geringe Person gebunden wissen. Vielmehro söllt aber der Vortheil eines Koadjutors erörtert werden , der
in der Lage wär , unsern Herrn , den Herrn Ertz=Bischoffen Hannß , zu entlasten. Derzeitige Visitation bedrückt das ertz=bischöfflich Gemüth ,
hört man von Hannßen doch seithero nicht allzu viel ; scheint ihm gar eine Laus über die Leber gelaufen , so nicht von übler Krankheit geplagt.
Wie wärs also , umb des lieben Frieden willen , schlüg man den Herrn General=Vizar Wendleyn für die Koadjutorey vor ?


Dies sprach Adelmar , Bischoff und Domcapitular , und wartete sodann ab , wie wohl wär die Reaction der übrigen Domherren , besonders aber
die des Glatzkopfs , wie man den Rosenburger hiess hinter vorgehaltner Hand ( dabei war Adelmar selbst gar kahl ).

4

Samstag, 24. August 2019, 10:33

Auch der Bischoffen saß im Capitulum der Cathedral=Kirchen, denn er war ia immer noch eyn Domherr zu Magdepurgck. Man wöllt heut disputieren über die Nothwendigckeit eyn's Coadiutors. Der Primaten Luder wusst' nicht recht, was er davon halten söllt' unnd sprach also erst eyn Mal vorsichtig. Frömm' Confratres, so scheynt's doch billig unnd recht ab=zuwarten bis die Vysitation zu Ende ist, eh man über sölich Dingck berathen unnd entschieden will, auch muss ia noch der Kounig zustimmen unnd der wird's gewisslich nicht thun, ohn' ebenfalls item die Vysitation unnd yhr Ergebnis abzuwarten! Wär ia auch ein bisschen voreilig. Abber so kam man schnell in der Disputatio auf den Namen Wendelyn von Rosenpurgck, hier wittert' der Luder alsodann ein Chance, nämlich, dass er konnt' gar gut ein Nachfolger in dies' Ampt noch zu seynen Lebzeiten einsetzen unnd somit das Dom=capitul einer spät'ren Entscheydung berauben. Mit Wendelyn hätt' er gar einen Vertrauten umb sich. Andererseyts, sprach's dann aus'm bischöfflich' Schlund, ist's schon viel Arpeit in dies Ampte und ideo gibt's ia auch's apostolische Dutzend vor allem für die Mission. Wär wohl gar nicht schlecht zu haben eynen Adiutor. So will ich als Bischoffen unnd Primaten unterstützen die Nominierung des guthen Bischoffen unnd Abten Wendelyn von Rosenpurgck, aufdass derselb werde meyn Adiutor unnd so Gottis Wille ist, auch Nachfolger im Ampte des Primaten, so der Herr=gott micht wöllt' abberufen. Wenn's Capitel also entscheidet, will ich's auch dem Kounig mit Überzeugung vortragen. Man konnt nur hoffen, daß es so würd beschlossen, dann hätt der Bischoffen sogleich eynen guten Vertrauten als Nachfolger und Berather sowie als Hülf, der ia schon auch General=Vicar war unnd somit vertraut.

5

Samstag, 24. August 2019, 11:44

So wards gerathschlagt und beschlossen , dass erwählt werden sollt unser Herr der General=Vizar Wendel von Rosempurgk , der nun auch Koadjutor hiesiger
Ertz=Diöceß seyn sollt , zum frommen Beistand : auch zur allgemeinen Hebung des Niveaus , das ein wenig gelitten unter der Stabführung unsers Herrn des
Ertz=Bischoffen Hannßen , sah man doch den Wald vor lauter Bischöffen nicht mehr.

Columban

So erwähl ich , Columban , den Abt=Bischoff und General=Vizar Wendleyn zum Koadjutor. Folg ein jeder meinem Beispiel , auf dass Eynigkeytt entstünd.

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Sonntag, 25. August 2019, 11:31

Bisher ist Wendelin recht zufrieden mit dem verlauf der Wahl. Je meht stimmen er auf sich vereidigt um so besser. Denn je mächtiger um so mehr kann er das Erzbistum nach seinen Gutdünken leiten und formen.
Er freute sich bereits auf die neue Aufgabe, auch wurde sein Klöster und dessen Töchter eine bedeutendere rolle zukommen.
In Erwartung dessen hatte er bereits an magdeburgische Hundwerker Augträge erteilt, so an Schuhmacher, Handschuhmacher, Gürtler, Kirschner, Schneider und Hutmacher, allerdings auch an Plattener und Waffenschmied ergingen Aufträge. Er gab eine Montranz und einen Krummstab in Auftrag.
Jetzt ersteinmal, sass er zufrieden mit dem Gehörten da und warte das Ende der Wahl ab.

7

Donnerstag, 29. August 2019, 20:48

Die Wahl nahm ihren Lauf. Am Ende stand eine sehr breite und stabile Mehrheit: Wendelin von Rosenburg wurde beinahe einstimmig zum Koadjutor des Erzbischofs und somit zum Co-Regierer des Erzbistums Magdeburg gekürt. Sämtliche Domkapitulare gratulierten dem Rosenburger anschließend zur Wahl. Man würde die Wahl dem König alsbald anzeigen. Den Apostolischen Visitator suchte man durch diese Wahl von der eigenen Reformwilligkeit zu überzeugen, auf dass schwerwiegende Eingriffe in die Erzdiözese unterblieben. Dr. Luder hatte von heute an eine Art Aufpasser an seiner Seite, ohne den keine Entscheidung von größerer Tragweite mehr möglich war.

8

Donnerstag, 29. August 2019, 21:18

Wendelin hatte während die Wahl von statten ging, etwas ungewönliches getan, allsein Prunkt hatte er gegen eine einfache graue Mönchskutte getauscht.
So trat der Rosenburger vor die Versammelten.
Um es vorweg zu nehmen, denen welche die Zähne locker sassen und selbst jenen denen die Zähne noch fest, fielen beim Anblick des Rosenburgers, die selbigen fast aus dem Gesicht, so unbelannt, so ungewöhnlich, war dessen Anblick.
Schon hob jener die Hände und hub an zu sprechen.
"Ehrenwerte Brüder in Christi, ich danke Euch dasss Ihr mich erwählt. Ich tete nun nicht aks Abt und weihbischof vor euch ,sondern als einfacher Kleriker. Als solcher bin ich nun bereit die wahl des Koadjutor anzunehmen.
Allerdings sollte sich niemand falscher Hoffnung hingeben, ich bleibe was ich bin, nur heute trete ich so vor Euch."
Wenn der Rosenburger etwas tat, so tat er es mit Bedacht und was bitte hatte mehr Symbolkraft, als wenn ein hoher Geistlicher ,als einfacher Kleriker vor die Wahlversammlung trat.

9

Freitag, 30. August 2019, 12:22

Item begab's sich in der hoch=löplichen Stadt Magedpurgck, die da war Sitz eyn's Primaten, nämlich des Doctor Hanß Luderns, welcher b'sagtes Ampt redlich alswie pflichtg'mäß ausfüllte, daß da war von hiesig Domcapitul electiert zum Co=adiutor, was da ist ein Helfer des Bischoffen, abber auch Nachfolger durch iure successionis, der guthe Abten alswie General=Vicar Wendelyn von Rosenpurgck, den der Luder guth kannte unnd als Vertrauten einst gar schon zumb General=Vicarius gemacht hätt'. Doctor Ludern, der da die Wähl des B'sagten hätt' also yn Sonderheyt untertützt, sprach frewdig zum newen Adiutor. Meyn lieper Bruder Wendelyn. Ein Frewd fürwahr, daß ich nu' weiß, daß du werden wirst meyn Nachfolger in dies'm gottgefällig' Ampte yn Magdepurgck. Alsobald der Sitz allhier vacant ist, wird's eyn Frewd sein, 's Ampt dir gäntzlich zu übergeben. Dann nähert' sich der Luder dem Wendelyn mit eyn brüderlich Umarmung unnd sprach sodann in gesenkter Stimmt, sodaß nur Wendelyn's vernehmen konnt' So bin ich gar überzeugt, daß wenn die Vysitation guth endet unnd der Vysitator die Vortheil meyner Amptsführung nach Alt=roma vermeldet, der Heyligck Vadder mich berufen wird zum Cardinalen unnd vielleicht gar auch Bischoffen odder Patriarchen yn Ytalien, da die Kirchen hochgelehrte Doctores unnd gut' Bischöff wie mich dort ia gewisslich geprauchen könnt. So kann ich bey eyner sölichen Trans=lation den Primaten=sitz unnd's Ampt des Arsch=bischoffs allhier dyr übergeben. Wär also abber besser, daß du mir yn der Sach hülfst, sodaß es auch bald zustande kommen unnd du newer Primaten wirst, nicht wahr? Sodann folgt' eyn weiter brüderlich Umarmung. Primaten Luder war fürwahr sehr erfrewt ob dies glücklichen Ausgangs der Electio unnd, daß er hätt' nu eyn vertrauthen, guthen Mann als Nachfolger!

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Freitag, 30. August 2019, 12:52

Was nun geschah, liess die Domlapitulare, abermals schockerstarren, dass hatte sich seit Bestehen der Erzdiözese noch niemand gewagt. Wendelin ging in seiner grauen Mönchskutte , die Hände gefaltet auf den Erzbischof zu , knirete kurz nieder, senkte das Haupt um dann hoch zuschnellen und den doch recht verdutzt dreinblicken Luder ,zu umarmen und ihn die Bruderküsse zu reichen.Dazu flüßterte er ihm zu.
"Nunc ergo inter pares sumus, pares mi archiepiscopo semper fatigari. Nemo debet dare inter me et vos hortari tantum."
Dann liess er von Luder ab und kniete wieder gesenkten Hauptes kurz vor jenem, bevor er so wie er hekommen an seinen Platz zurück ging. Wer genauer hinsah , der sah das versteckte Grinsen des Rosenburgers.

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Freitag, 30. August 2019, 21:48

Adelmar , Columban

So begab es sich dannenhero , dass unser Generalvikar zu Magdeburg , Bischoff Wendleyn , zum Koadjutor bestellt ward.
Adelmar und Columban aber frohlockten ob dieser weisen Entschliessung , dergestalt würd die Leitung der Ertz Diöceß doch künftiglich wieder in thatkräftiger Hand seyn.
Luther aber ward in seyner Macht nun eingeschränkt und konnt keine Handlung mehr vollziehen ohne die Consultation Wendleyns.
So jubilierten die Bischöff und stimmten an ein dreyfaches Halleluja.

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