Sie sind nicht angemeldet.

Selfhtml

Rhomäisches Reich: Der Papst besucht Konstantinopel. Die Sicherheitsmaßnahmen sind enorm verschärft worden, während die Behörden sich um Aufklärung des Anschlags bemühen.
Armenien: Sämtliche Zölle zwischen Armenien und dem Reich wurden aufgehoben. Das Kaiserreich plant den Bau einer Zweigstelle der Kaiserlichen Kreditanstalt in Kars.

[Gemächer für hochrangige Gäste] Gemächer des Papstes

1

Donnerstag, 1. August 2019, 00:56

Gemächer des Papstes

Das Staatsbankett zu Ehren des Heiligen Vaters ging kurz vor Mitternacht zu Ende. Es durfte als Erfolg auf ganzer Linie gelten, zumindest dem Eindruck des Kaisers nach. Nicht weniger als zwanzig Gänge hatte es gegeben, wobei der Kaiser ab dem zehnten Gang nur mehr der Form halber teilnahm. Das Dumme für die übrigen Gäste der Tafel war, dass immer dann abgedeckt wurde, sobald Seine Majestät der Kaiser fertig waren, weswegen man sich zuweilen einigermaßen beeilen musste, damit einem der Teller nicht vor der eigenen Nase weggezogen wurde, so dass der nächste aufgetischt werden konnte.

Jedenfalls verabschiedete man sich nach dem Ende des Banketts förmlich und zog sich in die jeweiligen Gemächer im Privaten Palasttrakt zurück. Es war kein Zufall, dass man die Gemächer des Papstes direkt neben diejenigen des Kaisers gelegt hatte. Romanos II. wollte einen möglichst geringen Abstand zu Ioannes XII., dadurch auch die Verbundenheit zwischen Kaiser- und Papsttum betonend. Was indes nur der Kaiser wusste, war, dass es einen Geheimgang zwischen diesen Gemächern gab, der dazu diente, es dem Kaiser zu ermöglichen, ungesehen in die päpstlichen Räumlichkeiten zu gelangen. Keineswegs mehr nüchtern (wie allerdings auch kaum jemand an diesem Abend), entschloss sich der Kaiser sodann, gegen halb eins nachts dazu, seinem zuvor bereits geäußerten Ansinnen einer Beichte beim Papst nachzukommen. Freilich dürfte der Heilige Vater kaum davon ausgegangen sein, dass es der Autokrator derart zeitig vorsah.

Nachdem er noch ein paar Gläser Rotwein geleert hatte, wies Romanos seinen Leibgardisten Daimonozannes an, niemanden in seine eigenen Gemächer einzulassen, bevor er sich selbst durch die geheime Tür in den Gang begab, der zu den anliegenden Räumen führte. Bereits dabei hatte Romanos einige Schwierigkeiten, sich aufrecht zu halten; zudem brauchte er eine Fackel, um sich in der Dunkelheit zurechtzufinden. Es waren etliche Meter zurückzulegen, ehe man am Zielort ankam. Die Tür war praktisch unsichtbar in der Wand verborgen. Nicht ganz geräuschlos drang er dann in den päpstlichen Gemächern ein, in denen noch nicht alle Kerzen gelöscht worden waren. Vom Papst indes keine Spur, so dass der Kaiser einen Moment ziemlich ratlos dastand. Auch in den anliegenden Räumen konnte er Ioannes nicht ausmachen.

Schließlich fiel ihm doch die noch offene Tür zum weiträumigen Balkon auf. Augenscheinlich hatte es der Papst vorgezogen, noch eine Weile dort draußen zu verharren. Die lauwarme Nacht lud dazu förmlich ein. "Heiliger Vater?", sprach Romanos in die Dunkelheit, als er hinaustrat. Dies auch, um den Papst nicht allzu sehr zu erschrecken. Da erblickte er am Geländer in einiger Entfernung tatsächlich eine Person, die niemand anderer sein konnte als der Papst. "Verzeiht mein Eindringen, Euer Heiligkeit, doch konnte ich mich nicht zu Bett begeben, bevor ich Euch nicht noch einmal meine persönliche Aufwartung gemacht habe", meinte er entschuldigend und trat etwas verstohlen näher. "Ein sternenklarer Himmel", wechselte er das Thema und blickte empor. "Eines Papstes würdig." Er grinste und trat nun direkt neben den Bischof von Rom, der ihn ein kleines Stück überragte. Wortlos verharrte er so einige Zeit. Das Zirpen der Grillen in den Kaiserlichen Gärten sorgte dafür, dass es nicht völlig still war. Seltsam unsicher fühlte er sich in der Gegenwart des einzigen Menschen, der ihm wohl ebenbürtig, vielleicht gar überlegen war. Allein die Schwärze der Nacht überdeckte diese Unsicherheit gnädig.

2

Sonntag, 4. August 2019, 00:17

Nach dem ausschweifenden und andauernden Staatsbankett, das bis tief in die Nacht gedauert hatte, hatte man sich schließlich gegen Mitternacht verabschiedet. Der Papst hatte sich in die Gastgemächer zurückgezogen, die sich ganz in der Nähe zu den kaiserlichen befanden, eine weitere, symbolträchtige Entscheidung der Rhomäer. Durch das Fest war Ioannes aufgedreht, die laute Musik, das viele (und gute) Essen, anregende Gespräche mit dem Kaiser, den Basileis und sogar dem Patriarchen schwirrten ihm auch noch lange nachdem das Bankett zu Ende war durch den Kopf. An Schlaf war nur unmöglich zu denken. Er hatte sich von der Dienerschaft etwas Kräutertee bringen lassen, dazu Saft, hatte er vom Wein doch erst einmal genug. Mit einem Glas Traubensaft stand er nun auf dem Balkon und genoss die Ruhe nach all dem Trubel der letzten Stunden. Der Balkon war riesig, größer als die Stube manch eines reichen Patriziers, und bot einen atemberaubenden Ausblick über den Bosporus. Es war eine laue Nacht, ein warmer, angenehm leichter Wind trug die salzige Seeluft landeinwärts und Ioannes schloss die Augen. Nach Stunden des ausgelassenen Feierns würde er morgen erste wichtige Gespräche mit dem Kaiser führen. Neben einigen anderen Unterfangen war der Hauptgrund der Reise seine Tochter. Bisher war der Sohn des Kaisers unbeweibt und wenn man sich nicht sputete, würde das nicht mehr lange so bleiben. Sämtliche Herrscher der westlichen Welt standen in ihren Startlöchern, um Töchter, Schwestern und Kusinen mit dem Jungen zu verloben, der einst der mächtigste Mann der Welt sein würde. Gut, dass der Papst den anderen weit voraus war, unterhielt er doch ein gutes Verhältnis mit dem Mann, der über die Zukunft des Prinzen entscheiden würde.

Da vernahm der Papst plötzlich schlurfende Schritte hinter sich. Ganz sicher ein Diener, der sich um das Wohlbefinden des wichtigen Gastes erkundigen wollte. Dann erkannte er die Stimme des Kaisers. Während dieser näher kam, drehte sich Ioannes nicht zu ihm um, sondern folgte den Worten Romanos' und blickte in die unendlichen Weiten des Himmels. "Einige behaupten, sie sagen uns die Zukunft voraus. Könnt Ihr in den Sternen lesen, Majestät?", fragte Ioannes, ohne den Blick von der Weite zu lösen und als der Kaiser schließlich neben ihm stand, legte er ihm einen Arm über die Schulter. "Sie versprechen eine verheißungsvolle Nacht", deutete er vielsagend an und drückte Romanos ein wenig an sich.

3

Sonntag, 4. August 2019, 00:39

Glücklicherweise schien der Papst keineswegs zu erschrecken, als ihn der wahrlich höchst ungewöhnliche Besucher nächtens aufsuchte. Er behielt äußerlich völlig die Ruhe und reagierte damit wirklich wie ein ganz besonderes Wesen, welches den gewöhnlichen Menschen deutlich überlegen war. Auf den Hinweis des Papstes hin blickte auch der Kaiser abermals gen Himmel, wo man unzählige Sterne am Firmament erschauen konnte.

"Man berichtet von einem persischen Priester namens Zarathustra, der wohl diese Fähigkeit besessen haben soll", begann Romanos, nun gleich neben dem Heiligen Vater stehend. "Ich vermag zumindest eine große Zukunft für das Papsttum darin zu erkennen", fuhr der Kaiser fort und suchte bewusst Worte, die seinem Allerhöchsten Gast schmeicheln würden. "Allerhöchst sind nur wir beide auf Erden, Euer Heiligkeit. Daher auch ein weiterer Grund meines ungewöhnlichen Erscheinens, ersuche ich Euer Heiligkeit doch nochmal um Vergebung für die wahrlich ungebührliche Anrede, die ich Euch, Heiliger Vater, angedeihen ließ." Er bezog sich auf das Duzen, das dem Kaiser in einem Moment der Unüberlegtheit entfleucht war. Da der Papst (wie der Kaiser) von sich selbst für gewöhnlich im Plural Maiestatis sprach, ein gewisser Fauxpas.

Die unmittelbare Reaktion des Papstes ließ gleichwohl erkennen, dass sich derselbige nicht wirklich gekränkt fühlte; ganz im Gegenteil drückte sich eine Innigkeit aus, wie man sie nur unter engen Freunden fand. "Was gedenkt Ihr in dieser Nacht zu finden, Euer Heiligkeit?", fragte ihn Romanos sogleich und drehte sich zu Ioannes, dessen in der Nacht wie Diamanten funkelnde Augen langanhaltend fixierend. Offenkundig beruhte das Verlangen nach Vertraulichkeit durchaus auf Gegenseitigkeit. Nur das Zirpen der Grillen überdeckte gnädig das leise Schluchzen des Kaisers, dessen Barthaar die glattrasierte Wange des Papstes berührte. "Seht, eine Sternschnuppe!", deutete Romanos plötzlich in den Nachthimmel. "Jetzt müsst Ihr Euch etwas wünschen."

4

Sonntag, 11. August 2019, 19:48

Ioannes wandte den Blick nicht von den Sternen ab, nicht dann, als er selbst sprach, aber auch nicht dann, als der Kaiser das Wort erhob. Er lauschte den interessanten Ausführungen des Kaisers, der eine "große Zukunft" für das Papsttum voraus sagte. Ganz erstaunte drehte er sich dann völlig abrupt zu Romanos hin, als dieser sich entschuldigte ob seiner Wortwahl bei ihrer Begegnung an der Anlegestelle. "Aber ich bitte Euch, Majestät!", antwortete er nun gespielt brüskiert. "Es würde mich viel eher verletzen, bliebet Ihr stets auf Distanz. So darf ein vertrautes "du" unter guten Freunden in einem intimen Moment nicht schaden...", antwortete er, nahm die Hände des Kaisers und zog ihn zu sich. Er blickte ihm tief in die Augen, die im Mondschein glänzten "...meinst du nicht?"
Dann drückte er dem Kaiser die päpstlichen Lippen auf die seinigen und liebkoste Romanos für einen kurzen, jedoch leidenschaftlichen Moment, ehe er von ihm abließ und, noch immer eine Hand haltend, sich wieder der Aussicht widmete. "Unsereins hat nur wenige Freunde, auf die man sich verlassen kann, die einem ebenbürtig sind und nicht nur im Licht unseres Daseins baden wollen, um sich selbst den ein oder anderen Vorteil zu verschaffen. Nur dem, der einem auf Augenhöhe begegnet, kann man wirklich voll und ganz vertrauen." Er blickte zu Romanos, suchte dessen Blick und lächelte ihm voller Wärme zu.

5

Montag, 12. August 2019, 02:22

Die intime und doch erhabene Szene bei Mondschein hätte ein überaus treffliches Motiv abgegeben für ein staatstragendes Gemälde. Kaiser und Papst, die obersten Repräsentanten Gottes auf Erden, in geradezu merkwürdiger Vertrautheit, ein Moment für die Geschichtsbücher. Viele Jahrhunderte später hätte ein begnadeter Tonkünstler diesen besonderen Augenblick in Musik setzen können. Die Annahme des Autokrators, das Duzen gegenüber dem Petrusnachfolger wäre vermessen gewesen, entpuppte sich als unbegründet, schien derselbe es doch gerade als Ausdruck der innigen Freundschaft zu sehen.

Bald zerstreute der Papst also die kaiserlichen Zweifel, bald duzte er den Kaiser selbst. Ehe sich der letztere versah, ließ der Bischof von Rom seinen Worten Taten folgen, die man kaum mehr mit einem sogenannten Judaskuss entschuldigen konnte. Unweigerlich schloss Romanos die Augen, als die päpstlichen Lippen die seinigen berührten, als wäre es eine gänzlich neuartige, unerhörte, nie dagewesene Erfahrung. Und tatsächlich war eben dieser Kuss wie die Erweckung aus einem langen Traum. Das Barthaar des Kaisers berührte das fein säuberlich glattrasierte Gesicht des Papstes und brachte somit einen maskulinen Faktor hinein.

"Wie recht du doch hast", meinte Romanos schließlich ob der überaus klugen Ausführungen des Ioannes, erwiderte den festen Händedruck und auch das Lächeln. "Du hast deine Kinder doch nicht ganz zufällig mit hierher gebracht?", grinste der Kaiser weiter und schien das Thema zu wechseln. Natürlich war auch er nicht gänzlich auf den Kopf gefallen und machte sich dazu seine Überlegungen. Plötzlich, noch bevor Ioannes wirklich erwidern konnte, zog er diesen heran und presste sich aufdringlich an die päpstliche Brust, dazu brünstig durchatmend. Langsam, ganz allmählich wurde er immer kleiner und fiel vor dem Heiligen Vater auf die Knie, dabei unablässig die heilige Hand liebkosend. "Vor dir sink' ich im Staub hernieder, ohne meine Würde zu gefährden", meinte er schließlich und spielte darauf an, dass sich ein Kaiser nur vor einem Papst erniedrigen konnte, ohne dass er sich der Lächerlichkeit preisgab. Noch weitergehend, senkte er sein Haupt und küsste nun die heiligen Schuhe, um daraufhin die heiligen Beine zu umfassen und sich daran zu drücken.

6

Samstag, 17. August 2019, 22:55

Der Kaiser pflichtete dem Papst bei, was seine Ansicht der Dinge anging, dass man unter Freunden auch einmal intimer werden durfte. Die Liebkosung des Italieners blieb indes unkommentiert und Ioannes war versucht, zu Romanos hinüber zu schielen, um dessen Reaktion abschätzen zu können, doch er zwang sich diszipliniert, weiter in die Ferne zu schauen. Der Kaiser ging dann von der trauten Zweisamkeit über ins Familiäre, als er die Kinder des Papstes erwähnte. Ehe dieser antworten konnte, vollführte der Kaiser eine Kehrtwende von einem Gespräch auf Augenhöhe weg, warf sich vor Ioannes in den Staub und küsste ihm sogar die Füße. Die meisten hätten nun wohl derart reagiert, dass sie den Kaiser ganz peinlich berührt nach oben gezerrt hätten, denen die Sache unangenehm gewesen wäre. Nicht aber der Papst. Er begrüßte die untergeordnete Rolle, die Romanos nun einnahm, denn vor Gott waren nun einmal nicht alle gleich. Und auch wenn der Kaiser über dem Volke stand und von vielen als Verkörperung des Herrn auf Erden angesehen wurde, so war es doch einzig und allein der Heilige Vater, der die irdische Verbindung der Welt zu Gott darstellte. Es war doch viel mehr so, dass die Herrscher von Gottes Gnaden eingesetzt wurden und nur regierten, solang sie sich auch entsprechend verhielten.
Ioannes gluckste innerlich, als er Romanos von oben herab ansah. "Ich kann mir vorstellen, wie abwechslungsreich es sein muss, einmal in dieser Position zu verharren." Er legte dem Kaiser die Hand auf die Schulter, mit der anderen formte er ausdrucksstark und bedeutungsschwer ein Kreuzzeichen. "Erhebe dich, mein Sohn. Gott ist gut und er meint es gut mit dir. Was mir die Sterne nicht verraten zu vermögen, lässt Gott mich in meinen Gebeten spüren. Das Kaiserreich kann sich glücklich schätzen, von einem so weisen und frommen Mann regiert zu werden und viele Goldene Jahre stehen ihm bevor." Ganz zufällig ergab sich durch die unerwartete Aktion des Kaisers eine gerade zu perfekte Überleitung. "Und eines Tages wird das Reich von einem weiteren Mann regiert werden, der Gottes Gnaden hinter sich weiß. Alexandros ist ein wahrer Prachtbursche und besser als er kann man nicht auf das Regieren eines Weltreiches vorbereitet werden. Ein weitsichtiger Vater, eine weise, erfahrene Großmutter und eine liebende Stiefmutter. Er wächst wahrlich behütet auf und wird eines Tages ein würdiger Nachfolger sein. Wer weiß, ob ich da noch auf dieser Erde wandeln werde, doch bin ich mir sicher, dass er seinen Vater eines Tages stolz machen wird." Dass Alexandros der Augapfel des Kaisers war, war über die Grenzen des Byzantinischen Reiches hinaus bekannt, schließlich verdankte der Basileus nicht umsonst seinen Namen dem größten Vorbild Romanos', Alexandros dem Großen.
"Unsere beiden Staaten, ja, uns beide höchstselbst, verbindet ein Band, das unerschütterlich ist. Das Band der Freundschaft. Und es gibt nur eines, das dieses Band überdauern kann: die Familie. Und obgleich uns beiden dies verwehrt sein mag, so fühle ich mich dir doch aufs Innigste verbunden." Ioannes sprach langsam, er wollte sein Anliegen nicht direkt vortragen, sondern langsam einbringen, sodass Romanos am Ende das Gefühl hatte, selbst auf die Idee gekommen zu sein. "Sag, steht denn schon fest, wer eines Tages deine Schwiegertochter sein wird?" Noch immer hielt Ioannes die Hand des Kaisers in der seinigen und streichelte sie beinahe unauffällig mit seinem Daumen.

7

Samstag, 24. August 2019, 21:58

Was sich spätere Päpste häufig vergebens erträumten, bekam Ioannes XII. gleichsam ohne eigenes Zutun aufgetischt: Die Servilität eines Kaisers. Zumindest unter vier Augen, denn auch Ioannes musste bewusst sein, dass sich Romanos öffentlich schlecht wie ein niederer Wurm gebärden konnte, wollte er nicht riskieren, sein kaiserliches Ansehen zu beschädigen. Eine Art Prototyp des späteren Gangs nach Canossa, wenn auch unter völlig anderen Vorzeichen. Der Papst musste sich nur allzu klar darüber sein, dass er mit diesem Kaiser stand und fiel. Ein ihm nicht geneigter Autokrator konnte dem wiederaufblühenden Kirchenstaat schließlich von heute auf morgen problemlos ein Ende setzen. Insofern war das gute persönliche Verhältnis zu Romanos die Überlebensnotwendigkeit eines einigermaßen souveränen Papsttums. Allerdings war sich der Kaiser auch sicher, dass sich der Papst in ihn verschossen hatte, denn wer konnte schon dem Charme des purpurgeborenen Makedonen widerstehen?

Langsam, fast zurückhaltend erhob sich der Kaiser schließlich nach der päpstlichen Aufforderung und sonnte sich in den verherrlichenden Worten des Papstes. Gekonnt wusste Ioannes, wie er nun zu einem Thema überleiten konnte, das ihm von Natur aus wichtig erscheinen musste. Über den Thronfolger Alexandros kam die Rede nämlich auf dessen zukünftige Gemahlin. Wollte das Reich auch in Zukunft auf sicheren Beinen stehen, bedurfte es einer geschickten und lukrativen Heiratsverbindung. Womöglich hätte sich Ioannes nun gleich ein Darauf-Eingehen von Romanos erhofft, doch griff dieser zunächst etwas anderes, zuvor Gesagtes auf.

"Muss es uns wirklich verwehrt sein, Ioannes?", sprach er diesen nun bei seinem Papstnamen direkt an, was unüblich war, wenn man mit einem Papst kommunizierte. "Siehst und fühlst du's nicht?" Dabei drückte er die päpstliche Hand, deren Daumen sich in diejenige der kaiserlichen grub. "Vielleicht wäre es wieder an der Zeit für eine Italienerin als Kaiserin", meinte Romanos. "Alexandros' Mutter stammte schließlich auch aus Italien. Ein gutes Omen." Dies konnte man nun dahingehend interpretieren, dass der Kaiser die Tochter des Papstes für seinen Sohn in Erwägung zog. "Je nachdem, wie sehr sich der Heilige Vater für die Heilige Tochter ins Zeug legt." Etwas frivol und auffordernd grinste er seinen Gesprächspartner im fahlen Lichte des Mondscheins an.

Zurzeit ist neben Ihnen 1 Benutzer in diesem Thema unterwegs:

1 Besucher