Sie sind nicht angemeldet.

Selfhtml

Rhomäisches Reich: Der Friedensvertrag zwischen dem Kaiser und dem Kalifen wurde beiderseitig ratifiziert. Ein Geheimbündnis zwischen dem Reich und den Kiewer Rus wurde geschlossen.
Armenien: Sämtliche Zölle zwischen Armenien und dem Reich wurden aufgehoben. Das Kaiserreich plant den Bau einer Zweigstelle der Kaiserlichen Kreditanstalt in Kars.

[Gemächer des Apostolischen Legaten] Intrigantenstadl

1

Samstag, 27. Juli 2019, 22:46

Intrigantenstadl

Nachdem der Papst anlässlich seines Staatsbesuches in Konstantinopel feierlich begrüßt worden war, begaben sich der Kardinallegat für das Rhomäische Reich und sein Privatsekretär in die Residenz des Apostolischen Legaten. Später würde im Großen Palast noch ein prachtvolles Staatsbankett für den Papst stattfinden, an welchem die beiden selbstredend teilnehmen würden.

Der zweite päpstliche Besuch in der Kaiserstadt innerhalb eines guten Jahres war nicht zuletzt auf Betreiben des Kardinallegaten zustande gekommen. Papst Agapitus II. hatte Konstantinopel 951 kurz vor seinem Ableben ebenfalls besucht; für Ioannes XII. stellte es seinen Antrittsbesuch in Konstantinopel dar, auch wenn er den Kaiser bereits zuvor in Rom empfangen hatte. Seither hatte sich einiges geändert in Italien, war der Kirchenstaat doch wie durch ein Wunder wiederhergestellt worden und das Ansehen des Papsttums in der Folge stark angestiegen. Allen Spöttern zum Trotze erwies sich Ioannes XII. als fähiger Pontifex und führte die Kirche in ein neues goldenes Zeitalter, wie man es seit langer, langer Zeit nicht mehr erlebt hatte.

"Der Patriarch von Konstantinopel wirkte ein wenig konsterniert", sprach Adelphus von Ivrea zu seinem Sekretär Marcantonio Conti. "Die Anwesenheit des Heiligen Vaters degradiert ihn in geistlichen Fragen zur Nummer zwei." Obwohl der Papst im Osten nur einen Ehrenvorrang genoss, musste es dem Konstantinopolitaner doch gegen den Strich gehen, dass sich Papst und Kaiser so gut verstanden. Adelphus hatte den Conti, den Sprößling eines der edelsten Geschlechter Roms, unter seine Fittiche genommen. Nicht zuletzt durch sein Dafürsprechen war Marcantonio kürzlich zum Bischof von Palmyra, einer längst an die Muslime verlorenen Stadt im Orient, ernannt worden. "Es würde mich nicht wundern, wenn der dicke Basiliskos Einspruch erhebt gegen die geplante Liaison zwischen dem Thronfolger und der Papsttochter. Es ist daher von Wichtigkeit, mehr über die Pläne des Patriarchats in Erfahrung zu bringen. Hier kommst du ins Spiel." Er grinste und legte seine Hand gönnerhaft auf die Schulter des Bischofs. "Sieh zu, was du herausfinden kannst. Womöglich gibt es eine undichte Stelle, die uns darüber Auskunft erteilt." Der zwölf Jahre jüngere Conti genoss die Protektion des mächtigsten aller Kardinäle und stand ihm dafür vollumfänglich zur Verfügung. "Unteritalien nebst Sizilien untersteht ja der Konstantinopolitaner Jurisdiktion. Vielleicht gelingt es uns, den Kaiser davon zu überzeugen, dass es natürlicher wäre, diese Gebiete dem Heiligen Vater direkt zu unterstellen."

2

Sonntag, 28. Juli 2019, 14:09

Adelphus von Ivrea war eindeutig kein Heiliger, auch wenn er ein Kardinal der Heiligen Römischen Kirche war, so gab es doch ein Haufen Gerüchte über diesen Mann und ausserdem war er guter Vertrauter des Papstes. Ioannes XII hatte seinem "Freund" schon viele Ämter und Pfründer übergeben und vor einiger Zeit hatte Adelphus wohl eines der bedeutendsten Ämter der Vatikanischen Diplomatie erhalten. Der Papst hatte ihn zum Legaten in Konstantinopel ernannt. Hier hatte Adelphus erfolgreich den Besuch von Ioannes XII organisiert. Aber es gab eine Person die Adelphus in seiner Skrupellosigkeit in nichts nachstand, dass war sein Sekretär und Schützling. Seine Exzellenz der Bischof von Palmyra, Marcantonio Conti.

Conti, der Spross einer der angesehensten Adelsgeschlechter Roms, war einer der treuesten Diener des Kardinals, wenn nicht sogar dessen treuster Untergebener. Aber Conti war keine jener Geistlichen die eine Reform der Kirche wollten um sie zu reinigen, nein eine Reform sollte allein dazu dienen denen Macht die sichern die sie schon oder sogar deren Macht zu erweitern. Maecantonio Conti war ein typischer Karrierist unter den Geistlichen, dass war aber zu dieser Zeit nichts ungewöhnliches. Nach dem Empfang des Papstes war man also in die Legation zurückgekehrt. Hier schmiedeten der Kardinal und sein Sekretär Ränkespiele um die Macht der Römischen Kirche oder besser gesagt Ihre Macht zu mehren:

Dem Dicken schwimmen doch die Felle weg, sagte Conti mit einem spitzbübischen Lächeln: Der Patriarch weiss doch genau wie sehr sich der Papst und Kaiser verstehen, sprach Marcantonio. Basiliskos wusste offensichtlich wie viel die griechische Kirche zu verlieren hatte, aber er glaubte er konnte dies abwenden. Da hatte sich der Patriarch aber gewaltig verrechnet: Natürlich eure Eminenz stets zu Diensten, meinte Conti: Es gäbe da sogar eine Möglichkeit. Der Megas oikonomos. Erzbischof Ignatios Angelos. Nun wie ich hörte sagt man seiner Exzellenz gewisse Neigungen oder sogar Schwächen zu, dass wäre unsere Möglichkeit, meinte Conti wieder mit einem spitzbübischen Lächeln.

Dann wäre immerhin die kirchliche Einheit Italiens wiederhergestellt und man könnte Leute wie den Erzbischof von Palermo besser kontrollieren, wie hieß er doch gleich dieser Venezianer. Ah Ja genau Dandolo. Als wir noch im Rom weilten erhielt ich einen vertraulichen Bericht dass sich die Grossgrundbesitzer nicht unbedingt zufrieden mit ihm geben, kommentierte Marcantonio. Nach so einen fulminanten Sieg für den Papst, würde sicher auch sein Prestige und seine Macht steigen.

3

Sonntag, 28. Juli 2019, 15:27

Der Bischof stand dem Kardinal in Sachen Intriganz kaum nach - kein Wunder, war er doch durch seine Schule gegangen. Den Einfluss des Patriarchen von Konstantinopel beurteilte Conti als schwindend, konnte der doch nur den Kürzeren ziehen, wo sich Papst und Kaiser so gut miteinander verstanden. "So lange es nur die Felle sind, die ihm wegschwimmen, und nicht die Essensrationen, kann er ja noch von Glück reden", spöttelte der Kardinallegat und bezog sich dabei auf die Leibesfülle des Ökumenischen Patriarchen. Vermutlich hatte dieser bereits die Wiederherstellung des Kirchenstaates mit Unbehagen mitverfolgt.

"Ein ausgezeichneter Einfall, mein Junge", bestätigte Adelphus diesen Gedankengang. "Darin bist du ja hinlänglich bewandert. Entlocke diesem Angelos jedes Geheimnis, auf dass wir über die Vorgänge im Patriarcheion genauestens im Bilde sind. Informationen sind der halbe Sieg." Es war davon auszugehen, dass man im Patriarcheion schon Maßnahmen eingeleitet hatte, um einen weiteren Machtzugewinn des Papstes zu verhindern, der ja letztlich vor allem dem Patriarchen von Konstantinopel schadete.

Dann brachte Conti den Erzbischof von Palermo ins Spiel. Dieser Mann, ein gewisser Ioannes Dandulus, galt als Reformfanatiker und war vielleicht auch deswegen in dieses entlegene Bistum in Sizilien abgeschoben worden. "Derzeit gedeiht der reformerische Übereifer insbesondere im südlichen Italien, welches nicht der römischen Jurisdiktion untersteht. Dieses gefährliche Gedankengut aber kann leicht auf Mittel- und Norditalien übergreifen. Womöglich fördert Konstantinopel gar eine solche Stoßrichtung." Denn solange der Patriarch von Konstantinopel damit ein Standbein in Italien hatte, konnte er gegen den Papst direkt konspirieren und sich dabei papstkritischer Bischöfe bedienen.

"Heute Abend geht es in den Großen Palast zum Staatsbankett. Dort wirst du zusehen, einen Sitzplatz in der Nähe dieses Erzbischofs Angelos zu ergattern. Tu, was nötig ist, um seine Aufmerksamkeit auf dich zu lenken. Das sollte für dich ja ein Kinderspiel sein." Der Kardinal grinste boshaft und streckte dem Bischof seine Hand entgegen.